Tage wie dieser
Wenn der Wecker klingelt und man das Gefühl hat, eben erst eingeschlafen zu sein und schon wieder aufstehen zu müssen, dann liegt das vielleicht an der vergangenen Vollmondnacht. Oder doch an der kleinen Tochter, die aufgrund eines Alptraumes im Bett der Eltern gelandet ist? Jedenfalls weiß ich nun, dass ich doch nicht zu dick bin, denn wer es schafft, auf einer Handbreite von einer Matratze überhaupt ein Auge zuzutun und dabei nicht aus dem Bett zu fallen, braucht nicht zu hungern. Mit fast geschlossen Augen (eh egal, ohne Kontaktlinsen sehe ich eh nichts) schleppe ich mich ins Bad. Nach der Morgenhygiene bin ich halbwegs wach, leider weiß ich wieder einmal nicht, was ich anziehen soll, ich darf aber nicht trödeln – die Minuten morgens sind kostbar. Also rein in die Klamotten (kratzt mich das das Label des T-Shirts? Egal!) und ab in die Küche, Marmeladebrote streichen, Kakao kochen, dazwischen Kinder wecken, Kleidung der Kinder herrichten, Kinder wecken, Jausen einpacken, Kinder wecken…? Was ist da los? Meine ersten Weckversuche bleiben ziemlich erfolglos und ein argwöhnisches Knurren unter den Bettdecken warnt mich vor weiteren Maßnahmen, die ich trotzdem setzen muss. Letztendlich hilft die Drohung, für das Frühstück keine Zeit mehr zu haben. Zwar grantig, aber immerhin, sitzen meine Töchter vor dem Frühstück. “Ich mag kein Marmeladebrot, ich will Honig drauf” Nachdem ich zumindest noch ein “Bitte, Mama” von Mia herausbekommen kann, streiche ich nochmals ein Brot – diesmal mit Honig. Das Marmeladebrot schieb ich mir auf dem Weg ins Wohnzimmer in den Mund. Ich muss noch Unterlagen für die Besprechung heute in der Firma ausdrucken. Ob sich das noch ausgeht? Muss es! Also schnell noch den PC starten… da höre ich Schreie aus der Küche, die Große hat der Kleinen ein Stück Brot geklaut. Die Große streitet alles nicht weniger lautstark ab. Jetzt hilft nur noch die Androhung auf Süßigkeiten Verbot, die Lärmkulisse abzustellen. Oh, schon so spät? Meine Aufforderung an die Kinder, sich anzusehen, fruchtet nur langsam. Also helfe ich nach – bei beiden. Obwohl es mir gar nicht gefällt und schon gar nicht in den Zeitplan passt, eine Vierjährige anzuziehen, von der Siebenjährigen ganz zu schweigen. Macht nichts, noch schnell waschen, Zähne putzen und dann rein in die Schuhe… „Mia, Schuhe anziehen!“ Wo ist sie denn hin? Da höre ich ein verdächtiges Piepsen aus dem Wohnzimmer. Oh nein, der Drucker hat einen Papierstau! Ich kann die Unterlagen doch nicht ausdrucken. Das Kratzen des T-Shirt-Labels ist sehr präsent, doch nochmals umziehen ist nicht drin. Da kommt Mia mit einem Puzzle und möchte das unbedingt noch machen. Ich erkläre der in Tränen aufgelösten Mia, dass das unmöglich ist, während ich sie fertig anziehe. Ich schiebe die Kinder durch die Tür, da merke ich, wie kalt es ist. Ich habe vergessen, mir die Jacke anzuziehen. Das kann ich gerade noch nachholen. Ich bringe Elena erst in die Schule, dann Mia in den Kindergarten. Ich habe das Jammern von Mia, dass sie heute nicht in den Kindergarten will, so gut es geht besänftigen können und Elenas Besorgnis über den Schulkollegen, der sie immer ärgert, auf ein Gespräch am Nachmittag verschieben können und atme auf dem Weg zur Bushaltestelle das erste Mal auf. Leider hat der Bus heute Verspätung und mir wird bewusst, dass ich trotz aller Bemühungen bei der Besprechung nicht pünktlich erscheinen werde. Wenigstens wartet die restliche Arbeit geduldig auf meinem Schreibtisch auf mich. Und der Nachmittag ist ja auch schon verplant – wir bekommen Besuch von einer ordnungsliebenden Bekannten. Ich hoffe, ich kann nachdem ich den Heimweg im vollbesetzten Bus überstanden und die Kinder pünktlich von Kindergarten und Hort abgeholt habe, vor dem Besuch noch die ganze Wohnung putzen, Elena bei der Hausaufgabe helfen und mit Mia ein Puzzle machen (musste ich ihr vorhin versprechen), ganz nebenbei den Papierstau im Drucker entfernen und meine Mutter telefonisch auf einen Besuch am nächsten Tag vertrösten. Übrigens: Kuchen gibt es heute keinen – hatte ich nicht noch Kekse im Vorratsschrank…?
An Tagen wie diesen wird mir bewusst, dass eigentlich wieder einmal ein Urlaub fällig wäre… Mit Spiel und Spaß für die Kinder und Erholung für die Eltern im Wellnessbereich, gemeinsames Wandern, köstliches Essen, etc… Ich glaube, ich schau mal rein: www.family.tirol.at. Kann ja nicht schaden.







