… nur schlechte Kleidung. Eine Meinung, die ich nicht immer teile, zumindest dann nicht, wenn ein eiskalter Wind weht und einem die Regentropfen waagrecht ins Gesicht peitschen. Im April, der bekanntlich macht, was er will, kommt das immer wieder vor. Was hindert einen an solch einem Tag – üblicherweise ein freier Sonntag – die Wohnzimmercouch zu besetzen und sich bei einem alten Schinken im Fernsehen so richtig genussvoll in die warmen Pölster zu kuscheln?

Normalerweise niemand, außer man hat Tage zuvor bei strahlendem Sonnenschein versprochen, an diesem besagten Sonntag den Gassi-Dienst für den bewegungshungrigen Nachbarshund zu übernehmen. Ich habe mich wirklich darauf gefreut, aber nicht an ein mögliches Sauwetter gedacht. „Vielleicht reicht nur eine kurze Runde?“ überlege ich. „Möchte jemand mitgehen…?“ frage ich Mann und Kinder. Wie erwartet, ernte ich nur ein schadenfrohes Grinsen. Nicht einmal die Mühe zum Kopfschütteln machen sie sich, von Mitleid ebenso keine Spur. Seufzend ziehe ich meine Winter-Jogging-Klamotten an. Als ich die Haustüre des Nachbarn aufsperre, muss ich erkennen, dass eine „kurze“ Runde nicht drin ist. ohne Worte!So freudenstrahlend wie mich der Hund begrüßt, bekomme ich bei dem Gedanken sofort ein schlechtes Gewissen. Und dann noch sein unwiderstehlicher, mitten ins Herz gehender Hundeblick! Kein normaler Mensch kann dem widerstehen, da bin ich ganz sicher.

Ich nehme ihn an die Leine und renne los. Zum Glück ist die Innpromenade praktisch vor meiner Haustüre. Ein Gutes hat das schlechte Wetter auf jeden Fall: es sind bei weitem nicht so viele Hundebesitzer unterwegs wie sonst, die mir zusätzliche Schweißperlen aufs Gesicht treiben könnten. Ich habe zugegeben immer ein wenig Angst, wenn ich als Hobby-Hunde-Ausführerin anderen Hunden begegne. Man weiß ja nie, ob Männchen oder Weibchen, ob sie sich nur beschnuppern oder ich Zeuge eines blutigen Hundekampfes werden könnte. Wie gesagt, Angst hat 1.000 Namen und diese bleibt mir heute erspart. Mein Sonntagshund hat sichtlich Nachholbedarf und anstatt gemütlich dahin zu trotten, zieht er mich hinter sich her, was mich sehr bald in äußerst kurzatmigen Zustand dazu veranlasst, ihn von der Leine zu lassen. Ich kann mit meinem gewohnten Joggingtempo weitermachen. Mir ist kein bisschen mehr kalt, der Regen hat auch nachgelassen. Ich genieße die frische Luft. Es gefällt mir immer besser und ich merke, wie gut die Bewegung in der frischen Luft tut. Mein Hundchen ist auch sehr brav und bleibt immer im sichtbaren Abstand zu mir. Zur Belohnung gehen wir zum Inn. Dort werfe ich Stöckchen – ein sehr beliebtes Spiel von ihm. Der Rückweg macht richtig Spaß – es blitzt sogar die Sonne etwas zwischen den Wolken hervor. Der April macht eben, was er will!

Zuhause ernte ich nun keine schadenfrohen Blicke mehr, nein, vielmehr ist meine Familie richtig beeindruckt, dass ich es geschafft habe, bei diesem ungemütlichen Aprilwetter zwei Stunden draußen zu sein. Bescheiden winke ich ab. Denn schließlich gibt es ja kein schlechtes Wetter.
Das weiß doch jeder.