In der Faschingszeit ist alles möglich. Kurzfristig kann man sich schöner, hässlicher, lustiger oder närrischer machen, als man ist. Wichtig ist, dass man sich gern verkleidet und das Kostüm gut gelungen ist. Diesbezüglich habe ich leider schon in jungen Jahren schlechte Erfahrungen gemacht. Obwohl es schon lange her ist, habe ich es nicht vergessen.

Anlass des Ärgernisses war der Kinderfasching in Zirl. Treffpunkt für alle „Maschgerer“ war der Dorfplatz.  Als Belohnung winkte jedem verkleideten Kind der beste Faschingskrapfen der Welt aus der damaligen Dorfbäckerei – extra groß mit doppelter Marillenmarmelade-Füllung und verboten viel Staubzucker. Leider war mein Kostüm in der Vorstellung besser gelungen als in der Realität. Mein Zwergen-Kostüm hatte zu viele Konstruktionsfehler. Die Zipfelmütze wollte nicht aufrecht stehen und der Bart aus Watte klebte nicht richtig im Gesicht fest. Die blöde Laterne in meiner Hand machte das auch nicht wett, im Gegenteil, ich bekam sie immer wieder auf die Nase beim Versuch, abwechselnd die Zipfelmütze und den Bart festzuhalten, da beides ganz von meinem Kopf bzw. Gesicht runterzurutschen drohte. Doch das war noch nicht das Schlimmste. Richtig demütigend war erst die gefürchtete Frage eines Mitschülers: „Als was gehst du denn?“  Was braucht man mehr – noch dazu von einem unverschämt perfekt geschminkten Clown. Ich war mir sicher, dieses Jahr keinen der gigantischen Marillenkrapfen zu bekommen, auf den wir Kinder uns das ganze Jahr gefreut hatten – wenn niemand meine Verkleidung erkannte! Mit dem Ausbrechen riesiger Krokodiltränen war auch noch die übrige Schminke dahin und somit auch der letzte Rest meiner Selbstachtung. Den Bart hatte ich längst weggeschmissen. Überraschenderweise habe ich den Krapfen trotzdem bekommen, samt tröstender Worte der Lehrerin, der Mickey Maus und Dracula  – alle eindeutig als solche erkennbar, was dem erfolgreichen Trösten nicht gerade förderlich gewesen war.

Es ist nicht so, dass ich dem Fasching seither gar nichts abgewinnen kann. Ich achte nur darauf, dass das Kostüm einfach ist und nichts runterrutschen kann (egal ob im Gesicht oder woanders).  Zum Glück sind meine weiteren Kostüme und auch die meiner Kinder bis jetzt immer gelungen, auch wenn es die Dorfbäckerei und somit die leckeren Krapfen von damals längst nicht mehr gibt. Es macht einfach Spaß, sich unter das närrische Volk zu mischen und nicht (mehr) alles so tierisch ernst zu nehmen.  Bei den diversen Umzügen, die jetzt im ganzen Land stattfinden (z. B. Buabefasnacht in Imst kommenden Sonntag, andere Termine unter www.tirol.at unter Topveranstaltungen) kann man sich Tipps für das Faschingskostüm im nächsten Jahr holen, obwohl man auch mit der besten Verkleidung nicht an die prachtvollen Kostüme der diversen Brauchtumsgruppen herankommen wird.

Egal. Seit es Faschingskrapfen das ganze Jahr über in anderen Bäckereien gibt, ist mir das eh nicht mehr so wichtig ;)