Foto: Heiko Wilhelm

Jakobs Weg zur Boulder-EM in Innsbruck

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Michael

Michael Gams ist in seiner Freizeit viel im Land unterwegs: Beim... Zum Autor

Schweiz, USA, China, Frankreich, Italien, Spanien, Deutschland, Österreich, Südkorea, Japan, Slowenien: In all diesen Ländern ist der 24-jährige Tiroler Jakob Schubert im vergangenen Jahr geklettert. Ausgerechnet am 31. Dezember 2014, seinem 24. Geburtstag, meisterte der junge Kletterprofi im spanischen Ort Oliana als erster Österreicher überhaupt eine Route im Schwierigkeitsgrad 9b. Sein nächstes großes Ziel ist die Boulder-Europameisterschaft vor seiner Haustür in Innsbruck. Jakob im Gespräch über seine Faszination am Bouldern, Reiselust und darüber, was er macht, wenns mal nicht so rund läuft:

Jakob, was ist Dein erster Gedanke, wenn Du Dich auf der Titelseite des „Bergauf-Magazins“ vom österreichischen Alpenverein entdeckst?

Das freut mich natürlich, weil es erstens gut für meine Publicity ist und zweitens bin ich nur auf der Titelseite, wenn ich etwas Besonderes erreicht habe.

Jakob Schubert am Cover des "Bergauf"-Magazins vom österreichischen Alpenverein.

Jakob Schubert am Cover des „Bergauf“-Magazins vom österreichischen Alpenverein.

Der Anlass für dieses Titelfoto war ja, dass Du als erster Österreicher überhaupt eine Kletterroute im Schwierigkeitsgrad 9b geklettert bist.

9b ist derzeit der zweitschwerste Klettergrad, derzeit existieren weltweit nur zwei Routen, die noch schwieriger bewertet sind, also mit 9b+. Bisher haben das zwei Leute geschafft, das ist mein nächstes Ziel. 9b haben bisher auch nur zirka sechs Menschen geschafft. Es ist natürlich sehr schwierig, so eine Route durchzusteigen, obwohl es mittlerweile schon einige 9b-Routen gibt. Ich bin sehr glücklich, dass ich das im vergangenen Dezember geschafft habe, das war immer ein großes Ziel von mir. Es war auch nicht nur irgendeine Route, sondern die extrem schöne „Fight or Flight“ in Oliana, Spanien.

Bald findet ja die Boulder-Europameisterschaft in Innsbruck statt. Wirst Du auch dabei sein?

Ja, auf jeden Fall, die möchte ich mir nicht entgehen lassen. Auch bei den letzten Heim-Weltcups war ich immer dabei, 2014 musste ich aber leider wegen einer Verletzung aussetzen. Ursprünglich komme ich ja vom Vorstiegsklettern, war aber 2012 und 2013 schon bei der gesamten Boulder-Weltcupsaison erfolgreich mit dabei. Ich hoffe natürlich, dass ich bei der Heim-EM bis ins Finale komme.

Wie bereitest Du Dich auf die kommende Boulder-EM im Mai vor?

Ich bereite mich seit Jänner gezielt darauf vor, unter anderem mit einem eineinhalb Monate langen Kraftblock und natürlich gehe ich einfach sehr viel Bouldern, vor allem im Kletterzentrum Tivoli in Innsbruck. Dort bin ich fünfmal die Woche und mache Maximalkrafttraining. Sich gezielt auf so einen Boulderwettkampf vorzubereiten, ist schwierig. Mein Ziel ist, möglichst ohne Schwächen beim Wettkampf dabei zu sein. So ein Boulder-Wettkampf hat ein sehr spezielles Format, da musst Du auf alles vorbereitet sein.

Foto: Heiko Wilhelm

Jakob Schubert ist schon 2012 und 2013 am Innsbrucker Marktplatz gebouldert, von 13. bis 16. Mai 2015 finden hier die Boulder-Europameisterschaften statt. (Foto: Heiko Wilhelm)

Wie bist Du eigentlich zum Bouldern gekommen?

Vor allem fürs Vorstiegsklettern muss man sehr viel Bouldern, wenn man erfolgreich sein will, denn auch in Vorstiegsrouten hast Du oft ganz schwierige Züge. Ich brauche eine gewisse Maximalkraft, damit mir die Kraft für weiter oben beim Vorstiegsklettern nicht ausgeht. Deshalb habe ich schon immer viel gebouldert. Irgendwann hat es mich dann auch gereizt, auch im Boulder-Weltcup an den Start zu gehen, weil mir diese Disziplin genauso viel Spaß macht wie der Vorstieg. Diese Vielfalt macht mir am Klettern eigentlich am meisten Spaß, denn wenn man mal von einer Disziplin genug hat, wechselt man einfach zu einer anderen.

Was ist für Dich das Faszinierende am Bouldern?

Es ist einfach die Schwierigkeit auf ein paar Meter gekürzt. Beim Bouldern machst Du jeden Tag neue, trickreiche Bewegungen. Seien es Sprünge, Platten, Mäntel – das sind spezielle Bewegungen, die Du beim Routenklettern vielleicht nicht so hast. Im Bouldern mache ich Züge, die so schwierig sind, dass ich an meine Grenzen stoße. Im Training arbeite ich manchmal an einem Zug einen Tag lang. Am Anfang finde ich den Zug noch unmöglich, aber irgendwann schaffe ich ihn dann doch.

Had another great day at Maltatal yesterday, flashing Wrestling with an Alligator (8b) and making quick ascents of Power of Goodbye (8b), Unterland (8a) and Pluto auf der Jagd (8a+). #SlowMo of the amazing crux move from Pluto. Thanks to @alffonsi and WOODSLAVE productions for a perfect short trip! And big shout out to Stefan Köchel for showing us around, giving beta and bringing even more motivation! #Maltatal #8bFlash #rockclimbing #amazingMove #Jump

Posted by Jakob Schubert on Thursday, April 9, 2015

Wie sieht‘s in Tirol mit Boulder-Möglichkeiten Indoor und Outdoor aus?

Indoor haben wir einige Boulder-Hallen, zum Beispiel in Innsbruck im Tivoli, das schon recht überfüllt ist – wir warten schon alle gespannt auf die neue Kletterhalle. Aber auch Wattens, Kitzbühel und so weiter… im Freien gibt’s vor allem im Zillertal und im Ötztal viele Möglichkeiten, aber auch im Umkreis von Innsbruck.

Wenn‘s mal nicht so gut läuft, wie bekommst Du den Kopf wieder frei?

Das wichtigste sind, denke ich, die Leute die mich wieder aufbauen. Meine Familie steht immer hinter mir, genauso wie meine Trainer und meine Freunde. Ich glaube, wir haben auch einen großen Vorteil im österreichischen Nationalteam, weil es nicht nur ein Sportverein ist. Wir sind auch alle sehr gute Freunde und eigentlich wie eine Familie. Das war auch sehr wichtig, als wir beispielsweise drei Wochen in Asien unterwegs waren und es mal bei den ersten zwei Bewerben nicht so gut gelaufen ist. Da haben mich meine Freunde und Trainer wieder aufgebaut.

Had an amazing week in Fontainebleau with the Austria Climbing Team! The weather was perfect and we got to climb a lot…

Posted by Jakob Schubert on Monday, March 9, 2015

Du reist viel. Im Dezember und Jänner warst Du in Spanien, hast dort die bereits erwähnte 9b-Route in Oliana geklettert, Geburtstag und Silvester gefeiert. Vor kurzem warst Du in der Schweiz. Du kennst viele schöne Plätze rund um die Welt – was gefällt Dir am Reisen?

Das ist natürlich ein Riesenpluspunkt als professioneller Kletterer. Es ist natürlich immer ein Traum, wenn man sein Hobby zum Beruf machen kann und es gefällt mir extrem gut, dass ich so viel herumkomme und andere Orte sehe. Ich finde es auch sehr spannend, immer wieder neue Kulturen kennen zu lernen. Vor zehn Jahren hätte ich mir das Leben in einer Großstadt nicht einmal annähernd vorstellen können, das ist in Innsbruck doch etwas anders als in Tokio. Die Ziele gehen mir auch nie aus und ich hoffe, ich kann noch einige Jahre so weitermachen.

Wie ist es, wenn Du von einer Reise zurückkehrst – zieht es Dich gleich wieder in die Ferne oder überwiegt die Freude, hier zu sein?

Ich komme immer wieder gerne zurück nach Tirol. Als ich zum Beispiel in Texas und in Las Vegas war, wo es keinen Hügel gibt und nur Wüste, freute ich mich danach über den Anblick der Berge zu Hause. Innsbruck ist einfach eine nette Stadt. Es ist keine Großstadt, aber ich habe hier alles, was ich brauche und bin auch schnell im Grünen. Für mich ist es ein perfekter Platz, um Sport zu betreiben.

Meine Familie steht immer hinter mir, genauso wie meine Trainer und meine Freunde. (Foto: Michael Gams)

Jakob wohnt in Innsbruck und studiert hier Wirtschaftswissenschaften: „Als ich  in Texas war, wo es keinen Hügel gibt und nur Wüste, freute ich mich danach über den Anblick der Berge zu Hause.“ (Foto: Michael Gams)

Könntest Du Dir vorstellen, auch mal woanders zu wohnen?

Innsbruck ist der Platz, wo ich sage, da gefällt es mir am besten. Und das, obwohl ich inzwischen schon sehr viel gesehen habe. Vorerst denke ich nicht über einen Umzug nach, es ist auch unser Kletter-Leistungszentrum und der beste Platz zum Trainieren. In ein bis zwei Jahren bekommen wir hier ja auch eine neue Kletterhalle, also werde ich sicher nicht wegziehen, wenn sie endlich da ist. Ich werde sie sicher nutzen. Aber wer weiß, vielleicht zieht es mich irgendwann mal auch woanders hin.

2018 findet die Kletter-WM in Tirol statt. Werden wir Dich dort sehen?

Es ist zwar noch eine lange Zeit bis dahin, aber ich hoffe auf jeden Fall, dass ich dort dabei sein kann. Die Heim-WM möchte ich mir nicht entgehen lassen und bis dahin gibt’s auch die neue Halle zum Trainieren. Es ist schon ein großes Ziel von mir, auch bei dieser Heim-WM 2018 erfolgreich zu sein. Ich hoffe natürlich, dass ich bis dahin verletzungsfrei bleibe und mich perfekt darauf vorbereiten kann.

Von 13. bis zum 16. Mai 2015 könnt ihr Jakob Schubert auf die Finger schauen – und zwar bei der Europameisterschaft im Bouldern am Innsbrucker Marktplatz.

 

Weitere Infos zur Boulder-EM findet ihr hier:
tirol.at/sommersportevents
sport.tirol.at

Fotonachweis Artikelbild: Heiko Wilhelm

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