Wege des Wassers: Heilquellen in Tirol

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Ines

Große Städte, helle Lichter: In Großstädten fühlt sich Ines... Zum Autor

In Tirol treffen mächtige Gebirge und tiefe Schluchten aufeinander. Ihre Form gibt ihnen nicht zuletzt eine unscheinbare Kraft: das Wasser. In Tirol zu leben bedeutet bis heute, sich seinen Lebensraum mit den Kräften des Wassers zu teilen und sie sich ebenso zunutze zu machen, wie ihnen den Raum zu geben, den sie brauchen. In der Serie „Wege des Wassers“ nehme ich euch mit auf eine Reise entlang der verschiedenen Stationen, die das Element in Tirol nimmt – vom Ursprung am Berg, über Wasserfälle und Klammen bis hin zu Seen und Flüssen, in denen sich das Wasser sammelt.

Tirol kann sich ob seines Wasserreichtums glücklich schätzen, mehr als 10.000 Quellen entspringen auf Tiroler Boden. Aber nicht nur die Quantität ist beeindruckend, auch die Qualität ist erstklassig: Gesunde Gewässer sind ein Tiroler Markenzeichen, das Wasser schmeckt so, wie es aus der Leitung kommt.

Im ersten Teil der Serie stelle ich euch einige Tiroler Heilquellen vor. Im Wellness- und Gesundheitsbereich weiß man seit Jahrhunderten um die wohltuende Wirkung von Tiroler Heilquellen und nutzt sie für Behandlungen und Therapien.

 

Sauerbrunn in Obladis

Sauerbrunn Ladis, Foto: Serfaus-Fiss-Ladis

Schon seit dem Jahr 1212 kennen die Tiroler die Mineralquelle in Obladis. Damals, so erzählt man sich, fiel einem Hirten namens Nikolaus Schederle auf, dass seine Ziegen besonders gerne von einer bestimmten Quelle tranken. Als er selbst davon probierte, entdeckte er den prickelnden Geschmack des Wassers und seine anregende Wirkung. Schnell machte die Kunde von der kleinen Quelle die Runde. Sie zog Tausende Menschen, vom kleinen Bauern bis hin zum Fürsten, nicht nur aus Tirol, sondern auch aus Bayern, Südtirol und der Schweiz an. Sie alle nahmen den damals sehr beschwerlichen Weg vom Tal nach Ober-Ladis auf 1.386 Metern Seehöhe zum Sauerbrunnen auf sich, um dort Heilung zu erfahren.

Noch heute kann das kohlensäurehaltige Heilwasser direkt am sogenannten Sauerbrunn verkostet werden. Zusätzlich wird das staatlich anerkannte Heil- und Mineralwasser mittlerweile auch kommerziell genutzt. In einem Familienbetrieb direkt an der Quelle wird das Wasser des Sauerbrunn in Flaschen abgefüllt und in die ganze Welt exportiert.

 

Grinner Heilquelle

Altes Waldbad in Grins, Foto: Gemeinde Grins

Nur 12 Kilometer Luftlinie von Ladis entfernt, liegt Grins. Dass auch dieser kleine Ort bei Landeck ein ganz besonderes Wasser hat, wusste bereits Herzog Leopold im Jahre 1372. Das Grinner Wasser, das mit wertvollen Mineralstoffen wie Magnesium und Kalzium angereichert ist, genoss schon damals einen mächtigen Ruf und der Herzog verordnete gar, dass die Landstraße durch Grins gehen sollte.

Noch heute sprudelt das kostbare Heilwasser oberhalb des kleinen Ortes aus dem Boden, ein gemütlicher Wanderweg führt dorthin. Auch im Dorfbrunnen vor dem Gemeindehaus ist das Heilwasser für jedermann zugänglich. Wer die Kraft des Grinner Wassers bei einer Kneipp-, Trink- oder Badekur erleben möchte, kann dies im Albenbad in Grins.

 

Längenfelder Thermalquelle (Aqua Dome)

Therme Aqua Dome Längenfeld, Foto: Aqua Dome

Bereits im 16. Jahrhundert war die heilende Wirkung der Längenfelder Quelle mit ihrem unverkennbar schwefeligen Geruch bekannt. 1893 wurde ein Kurbetrieb eingerichtet, ehe der Bädertourismus im Zuge der Tausendmarksperre in den 1930er Jahren zusammenbrach. Nach 1970 versiegte die Quelle, und das Kurbad wurde vorerst abgerissen. Kurz vor der Jahrtausendwende wurde bei Probebohrungen in 1.865 Meter Tiefe das 40 Grad heiße Thermalwasser wieder entdeckt und 2004 die Therme Aqua Dome eröffnet.

Die Heilquelle, die im weit über die Grenzen hinaus bekannten Aqua Dome sprudelt, ist eine Natrium-Chlorid-Sulfat-Schwefeltherme. Sie hilft unter anderem bei rheumatischen Erkrankungen und Abnützungserscheinungen. Auch bei der Heilung und Linderung von Verletzungsfolgen soll das Thermalwasser wahre Wunder wirken.

 

Heilquelle Maria Waldrast

Marienbrunnen Maria Waldrast, Foto: Maria Waldrast

Eiskaltes Wasser sprudelt aus dem Marienbrunnen links neben der Klosterkirche Maria Waldrast. Grundsätzlich nichts Ungewöhnliches, wäre es nicht das von Einheimischen wie Gästen vielgeschätzte Waldraster Heilwasser. Erst vor wenigen Jahrzehnten wurde man auf die spezielle Zusammensetzung und Wirkung des Wassers aufmerksam: Es ist rechtsdrehend und schmeckt selbst nach Monaten so frisch und gut wie direkt vom Brunnenhahn. Mehrere Untersuchungen bescheinigen dem Nass gar eine reinigende, kräftigende, regenerierende und harmonisierende Wirkung.

Es wundert daher nicht, dass viele nach Maria Waldrast pilgern und das Wasser in Flaschen und Kanistern abfüllen. Sogar ein Arzt aus London holt regelmäßig Waldraster Wasser für seine Patienten, berichtet Pater Peter. „Man dürfe jedoch keine Wunder erwarten“, stellt der Seelsorger klar. An eine kommerzielle Vermarktung wird nicht gedacht. „Dieses Wasser ist ein Geschenk an alles Leben auf dieser Erde und darf deshalb niemals verkauft werden“, steht auf dem Informationsblatt des Klosters festgeschrieben.

 

Mineralquelle Mehrn

Mehrner Heilquelle, Foto: Mehrner Heilwasser

Seit Jahrhunderten ist die Kalzium-Sulfat-Magnesium-Heilquelle in Mehrn am Eingang des Alpbachtales bekannt, erste schriftliche Erwähnungen gibt es bereits aus dem 13. Jahrhundert. Nachdem die Quelle kurze Zeit versunken war, wurde sie 1863 bei Grabungsarbeiten wieder neu entdeckt. Wenige Jahre später wurden schon erste Heilerfolge mit dem Mehrner Wasser gemeldet.

Bei der Quelle ist freie Wasserentnahme möglich, das Heilwasser kann auch über den Onlineshop bestellt werden. Komfortabel geht es im Gesundheits- & Therapiezentrum Mineralheilbad Mehrn zu. Im anerkannten Therapiezentrum und Heilbad stehen klassische Kur- und Kneippanwendungen sowie Aromatherapien, Ayurveda-Behandlungen, Ganzheitskosmetik und andere Anwendungen am Programm.

 

Schwefelquelle Bad Häring

Gesundheitsweg Bad Häring, Foto: Ferienland Kufstein

Einem Zufall verdankt der heutige Kurort Bad Häring die Entdeckung seiner Schwefelquelle. Knappen stießen einst bei Arbeiten in den Bergstollen auf das hochwertige Schwefelwasser. Dies führte zu einer rasanten, gesundheitsorientierten Entwicklung des ehemaligen Knappendorfes, die Tradition Bad Härings als Kurort begann dann vor rund 50 Jahren

Die Wirkung des Heilwassers kann man am Gesundheitsweg in Bad Häring mit allen Sinnen erfahren. Wer im Kurzentrum Bad Häring eincheckt, kann aus einem reichhaltigen Therapieangebot mit mehr als 50 verschiedenen Behandlungsformen wählen.

 

Aigner Badl

Aigner Badl, Foto: Johann Aigner

Wer in Osttirol ist, sollte unbedingt das Aigner Badl besuchen. Das Bauernbad – übrigens das letzte erhaltene Bauernbad in Osttirol – ist in einem denkmalgeschützten Holzhaus in Abfaltersbach untergebracht.

Um die heilende Wirkung der Kalzium-Sulfat-Mineral-Heilquelle weiß man schon seit dem 18. Jahrhundert. Noch heute badet man wie anno dazumal in einer alten Lärchenbadewanne mit Deckel. Die wohltuenden Heilbäder sind nicht nur Entspannung für Körper und Seele, sie lindern auch Gelenksschmerzen, Rhema oder Ischias und fördern die Wundheilung.

 

Im zweiten Teil der Serie werde ich euch Tirols schönste Wasserfälle vorstellen.

Mehr zum Thema Wasser: www.tirol.at/wasser

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