Foto: Kristina Erhard

Prost! Santé! Cheers! Shereve! Bierrevolution in Innsbruck. Das Tribaun.

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Kristina

Kristina Erhard war schon viel unterwegs, am liebsten in Afrika.... Zum Autor

Wer darunter Kraftbier versteht, liegt auch nicht falsch. Das Ende des industriell gefärbten Wasser feiert man mehr oder minder trinkwütig im Tribaun, Garten Eden und Zentrale der örtlichen Craft-Bier-Revolutionäre und experimentierfreudiger Bier-Trinker bzw. potentiellen Anwärtern. Wer dabei vom Reinheitsgebot spricht, wird hochkant aus der Museumsstraße Nummer 5 wieder rausgeschmissen. Die internationale Crew des Tribauns hat ein höheres Ziel: Konsum von Craft-Bier, jedoch nicht im betriebswirtschaftlichen Sinne, sondern als neue Lebens- und Genusseinstellung. New-born oder born again Biertrinker, sozusagen. Damit ist das Tribaun sicherlich nicht das Stammlokal des bayrischen Bierordens oder der lokalen Schwechater-Community. Und das ist auch gut so.

Wer&Was?

Dabei ist das Tribaun mehr als weltoffen, das Publikum so international wie seine Biere, die Macher und Visionäre desselbigen sind gerade erst dabei, die verschiedenen Craft-Bier-Variationen auch auf Deutsch erklären zu können. Allen voran Robby Haesebrouck, seines Zeichens langhaariger Belgier und Chef dieses Bieretablissement. Wenn Bier ein Geschenk Gottes an die Menschheit ist, dann muss Robby sein Prophet sein, ein Bier-Guru. Man sollte sich nicht täuschen, seine glänzenden Augen kommen mitnichten vom übermäßigen Bier-Genuss sondern zeugen von echter Leidenschaft für sein Werk. Und das kann sich sehen lassen: Die Craft-Bier-Renaissance hat zu einem Gründerboom geführt, der vage an den Technologiesektor erinnert. Gab es in den Achtzigerjahren nur noch ein paar Dutzend Brauereien weltweit, sind es inzwischen mehrere tausende – so viele wie zuletzt im 19. Jahrhundert. Und es werden immer mehr, auch im Land der Berge (das Mountain Pale Ale aus Schwoicht ist äußerst trinkbar – auch für den ungeübten Biergaumen).

Robby und Gerko bei der Arbeit und immer bemüht, dem Gast das Craft-Bier näher zu bringen, wortwörtlich. Foto: Tribaun

Robby und Gerko bei der Arbeit und immer bemüht, dem Gast das Craft-Bier näher zu bringen, wortwörtlich. Foto: Tribaun

Craft-Bier, die neue Art Bier zu trinken.

Was uns zu Robby und seinem Tribaun zurückführt: die Treppen hinunter in ein ehemalig düsteres Innsbrucker Nachtlokal, liebevoll eingerichtet und von seiner ehemaligen Funktion soweit entfernt wie seine Craft-Biere vom Zipfer Urtyp, eröffnet sich dem Besucher eine schierer Bierhimmel. Zwanzig Zapfhähne warten darauf, bedient zu werden. Mannigfaltige Möglichkeiten tun sich vor dem inneren Auge auf. Aber Vorsicht: An manche dieser Biere werden sich die Tiroler Gaumen erst gewöhnen müssen. Ein Craft-Bier-Jünger mit eigener Microbrauerei (so nennt man Brauerein, die spannende „Crafts“ produzieren – in weit geringere Stückzahl als große Brauerein) wählt seine Zutaten äußerst sorgfältig aus, experimentiert gerne mit neuen Hopfensorten und braut auch schon mal ein Bier mit 13 Prozent Alkoholgehalt. Auch aus einem der Zapfhähne des Tribauns kommt ein recht intensives dunkles Bier (Welcher Zapfhahn? Der Fünfte von rechts, oder der Siebte von links? … Ich vermag mich nicht zu erinnern). Zweifelhaft noch, dass der typische Innsbrucker Biertrinker den Geschmack und die (vermeintliche) Kultiviertheit besitzen, ein Bier von dieser Qualität und Tiefe zu würdigen. Aber dafür gibt es ja jetzt Robby – Gott sei dank.

Die Zapfhähne wurden von Gerko sebstgemacht und sind so unterschiedlich wie die darunter verborgenen Craftbiere. Aber keine Angst: Mishu kennt jedes Einzelne von ihnen. Foto: Tribaun

Die Zapfhähne wurden von Gerko sebstgemacht und sind so unterschiedlich wie die darunter verborgenen Craftbiere. Aber keine Angst: Mishu kennt jedes Einzelne . Foto: Tribaun

Bier-Legschaft.

Und wer zapft die Biere, steht hinter dem Tresen und ist generell für das amusement zuständig? Gerko Visser, ein Südafrikaner mit lang-gezogenem A und rollendem R in seinem Deutsch und Englisch, mit ebenso funkelnden Augen vor Bier-geisterung wie sein Chef und einem Händchen für – nun ja – Craft-Bier und eben diesen Zapfhähnen. Die wurden nämlich in liebevoller Kleinstarbeit von ihm geschnitzt. Woher er das kann? Immerhin ist der studierte Naturwissenschaftler auf einer Farm im einsamen und furchtbar weitläufigen Western Cape aufgewachsen – ein paar Autostunden weg von der nächsten Stadt. Trotzdem oder genau deswegen gefällt es ihm auch in Tirol so gut, seine Begeisterung für Schnee und Berge weisen auf jeden Fall sehr tirolerische Züge auf.

Ein weiteres gelungenes Beispiel an neuer Innsbrucker Internationalität und Offenheit verkörpert sich in Mishu, ein Ägypter und Biertrinker aus Leidenschaft. Was ihn nach Innsbruck und ins Tribaun verschlagen hat? Die Liebe. Gut für uns, denn Mishu hat für jeden und alles ein breites Lächeln parat. Und gut fürs Geschäft, denn bei soviel guter Laune möchte man das Kellergewölbe gar nicht mehr verlassen – zumal es einiges zum Verkosten gibt, inklusive dem sehr zünftigen Jaus’nbrettl mit Speck und Kas. Irgendwo hört’s dann halt auch auf mit der Internationalität – man muss es ja auch nicht übertreiben, vor allem nicht beim Essen.

Zünftige Jaus'n zum Bier. Ist auch notwendig, manche der dunklen Biere haben über 10% Alkoholgehalt. Foto: Kristina Erhard

Zünftige Jaus’n zum Bier. Ist auch notwendig, manche der dunklen Biere haben über 10% Alkoholgehalt. Foto: Kristina Erhard

Hic(ks) est!

Im Gegensatz zu den meisten Industriebieren bietet nahezu jedes Craft-Bier einen individuellen, intensiven Geschmack – von herb-rauchig bis süßlich und/oder mit Zitrusnoten. Das schöne daran: Jedes Glas Bier im Tribaun ist eine Überraschung. Das auch vielen Tiroler Biertrinkern vertraute Geschmacksfazit „Tut nicht weh, bleibt aber auch nicht in Erinnerung“ ist da nahezu ausgeschlossen.

Öffnungszeiten Bar:
Montag – Sonntag: ab 15:00 Uhr

Öffnungszeiten Shop:
Montag – Sonntag: 17:00 – 21:00 Uhr

www.tribaun.com

1 Kommentar

  • Kulinarium-Austria
    Auch hier zum Nachlesen: http://www.kulinarium-austria.at/tribaun-innsbruck/