Waalweg-Wandern in Stanz bei Landeck

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Christian

Christian Klingler erkundet Tirol bis in die hintersten Winkel und... Zum Autor

Der Winter ist Vergangenheit und die Wandersaison steht vor der Tür. Vor der Tür? Oben auf den Bergen liegt noch Schnee, die ersten Hütten sperren erst Ende Mai/Anfang Juni auf. Auf Juni warten? Du willst jetzt endlich wandern und Sonne genießen. Mein Tipp: Waalweg-Wandern im Tiroler Oberland.

Der Waal

Der Waalweg wurde in Südtirol erfunden. Guter Witz. Dort im Vinschgau und Burggrafenamt sind sie jedenfalls Fixpunkte im Wanderportfolio: Die Waale (nein, keine Fische) sind Low-Tech-Bewässerungssysteme, die den Bergbauern das Überleben sicherten. Im Tiroler Oberland gibt es Kulturlandschaften mit Trockenhängen, die einen hohen Artenreichtum aufweisen. Einige davon sind geschützt und werden wieder hoch geschätzt. Die Waale wurden zur Bewässerung dieser trockenen Wiesen in den niederschlagsarmen inneralpinen Tälern angelegt. Entlang dieser Bewässerungsgräben führen Wege, die zur Wartung der Waale dienen. Gleich vorweg: Steil sind sie also nicht.

Die Stanzer Zwetschke

Stanz ist ein kleines Dorf auf 1.000 m Seehöhe oberhalb der Bezirksstadt Landeck. Es liegt auf einem sonnigen Plateau, daneben der Nachbarort Grins, weiter unten im Tal Pians. Stanz war Namensgeber für das Stanzertal, das bis hinauf zum Arlberg führt. Alles, was diese Gegend ausmacht, findet man hier: die bäuerliche Kulturlandschaft, die Genüsse, das sportliche Ambiente. Zwischen den beiden Dörfern Stanz und Grins liegen sonnige, terrassierte Wiesen und viele Obstbäume. Oberhalb des Ortes beginnen die Lechtaler Alpen mit ihrem kalkhaltigen Gestein und den charakteristischen Kiefernwäldern. Im Frühjahr blühen die Obstbäume und färben die Landschaft weiß. Im Herbst dann reifen die Früchte, meist werden die charakteristischen blauen Zwetschken, also Pflaumen, angebaut.

DIe Obstbäume in voller Blüte

Der Waalweg

Das Auto lassen wir etwas unterhalb des Ortes stehen, einfach entlang der Landesstraße. Meine Schwester und ich gehen vormittags, da gehört uns der Weg noch fast ganz allein. Oberhalb von Stanz beginnt der Waalweg. Am oberen Rand der Obstkulturen rinnt das Wasser in die Wiesen. Dort beginnt unsere Wanderung. Der Weg führt entlang des sanft fließenden Wassergrabens durch den Wald.

Sabine am Waalweg

Immer wieder kann man aber weit hinaussehen: auf die Obstkulturen und Wiesen. Auf die teils noch immer schneebedeckten Berge. Auf den Riffler Ferner, den einzigen Gletscher, den man von einer Stadt aus sehen kann. Auf die Arlbergbahn unten im Tal und die Züge, die immer wieder hinauf fahren zum Arlberg.
Traumhafter Ausblick auf Hoher Riffler mit Gletscher und nach Grins

Die Wasserfassung

Nach etwa 40 min kommen wir zur Wasserfassung. Der Weg biegt unvermittelt um eine Kante, und eine kleine Schlucht mit einem Wildbach erscheint. Der Waal ist hier eng am Fels geführt. Eine kleine Tafel erinnert an die Errichtungszeit des Waals – er wurde 1928 begonnen und 1930 fertig gestellt. Das Wasser des Bachs wird über ein Wehr gefasst und zum Teil abgeleitet.

Der weitere Weg führt entweder über eine Holzbrücke weiter bis nach Grins, oder hinunter zum Wiesenweg zurück nach Stanz. Wir entscheiden uns für Variante 2 – obwohl es in Grins auch viel Interessantes zu sehen gäbe, etwa die Heilquelle.

Wasserfassung / Ableitung

Baldur, der Wegewart

Wir treffen am Weg – ganz nahe am Waldrand – zufällig Baldur. Ursprünglich hier in Grins geboren, lebt er seit den 1960ern in der Nähe von München. Jetzt in der zweiten Lebenshälfte ist er wieder oft hier, zum Skifahren und Wandern. Er kümmert sich um den Wanderweg: heute gräbt er zwei große Steine aus. Der Weg wird von Freiwilligen wie Baldur in Schuss gehalten, damit z.B. er nach einem Unwetter wieder in Ordnung ist. Auch der Waal muss jedes Jahr gepflegt werden.

Baldur, der auf den Wanderweg schaut

Das Brennereidorf Stanz

Über 80 Schnapsbrennereien gibt es in StanzIm kleinen Ort Stanz gibt es über 90 Schnapsbrenner (bei nur 120 Haushalten). Es sind meist Landwirte im Nebenerwerb, aber auch einige Stars der Branche findet man hier. Bei vielen Brennereien kann man zusehen, einige haben Schaubrennereien eingerichtet, bei den meisten kann man den Obstbrand direkt vor Ort erwerben (Tipp!).

Viel hat sich verändert in den letzten Jahrzehnten. Früher war Schnaps ein Abfallprodukt. Meist minderwertiges Obst, das sich nicht für den Verkauf geeignet hat, wurde als Obstbrand verwertet. Heute ist es umgekehrt: die Brenner haben aus ihrem Wettstreit um die besten Brände eine Wissenschaft gemacht. Da werden nur mehr die edelsten Früchte in den Fässern vergoren, da wird an Zehntelgraden und Techniken beim Brennen getüftelt. Kein Zucker, keine künstlichen Aromen zugesetzt. Ergebnis ist ein Obstbrand, das Weltruf genießt und auf den Fachmessen wie dem World Spirit Award regelmäßig Auszeichnungen kassiert.

Jakob Prandtauer Geburtshaus

Factbox

 

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