Foto: Norbert Span

Wenn die Berge lodern: Herz-Jesu-Feuer in Tirol.

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Kristina

Kristina Erhard war schon viel unterwegs, am liebsten in Afrika.... Zum Autor

Seit über 200 Jahren haben Herz-Jesu-Feuer Tradition in Tirol. Wenn die Gipfel brennen, verharrt das Alpenland in kurzer Stille. Der Stubaier Hubert Pedevilla ist seit vielen Jahrzehnten im Dienste dieser Tradition. Nicht ohne entsprechendem Pathos – in Form brennender Herzen und Kreuze.

Schon 60 Jahre fast schreitet Hubert Pedevilla den Neustiftern voran auf ihren Hausberg, den Elfer. Bald wird er 70 Jahre alt, in Neustift ist er bekannt wie ein bunter Hund. „Ohne ihn wär ma alleweil no im Dorf unt’n, da tat’s koa Herz-Jesu-Feuer geb’n“, sagen die jungen Burschen mit Ehrfurcht. Sein Vater ließ die alte Herz-Jesu Tradition im Stubai nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufleben, während des Nationalsozialismus waren die Feuer auf den Bergen nämlich verboten. In den frühen 50iger-Jahren schon kraxelte Hubert als junger Bursch seinem Vater hinterher auf die Berge.

Hubert Pedevilla aus dem Stubaital zündet seit mehr als 60 Jahren Herz-Jesu-Feuer an. Foto: privat

Hubert Pedevilla aus dem Stubaital zündet seit mehr als 60 Jahren Herz-Jesu-Feuer an. Foto: privat

Auf einem Haflingerpony wurden damals „Hudern“ (Tiroler Wort für Lumpen und alte Kleidung) über einen Steig fast 1.500 Höhenmeter zu den Kämmen des Elfers transportiert. „Oan Forstweg hat’s da no nit geb’n“, erklärt Hubert, „die Manda sin damals mit alte, blecherne Petroleumkanister hinter’m Pony her. Zwanzig Liter hat so a G’fäß g’wogen, des war scho ordentlich was am Bugg’l.“

Dabei sein ist alles.

So schweißtreibend wie früher sind die Vorbereitungen für das Herz-Jesu-Feuer heutzutage nicht mehr: Die „Hudern“ wurden durch Fackeln und nunmehr Sägemehl ersetzt. Ganz im Sinne der ökologischen Nachhaltigkeit wird das Sägemehl mit biologisch abbaubaren Öl vermischt und zuerst mit dem Elferlift und dann der Materialseilbahn auf den Berg gebracht. „Mia san ia alle bio jetzt, friaga is des no wuascht g’wesen“, schmunzelt Hubert. Von der Endstation der Seilbahn ist es nicht mehr weit auf die Kämme des Elfers und des Zwölfers. Hubert schickt nur die erfahrensten Burschen, die „guat beinand sin“ in die steilen Höhen, die Jungen und Unerfahrenen bleiben auf den darunter liegenden Almwiesen und entzünden dort die Feuer. Sicherheit geht vor, immerhin ist Hubert auch Bergführer und kennt die Tücken der Berge nur allzu gut. Die Burschen folgen seinen Anweisungen blind, immerhin geht es hier ums große Ganze und nicht um die Bedürfnisse der jungen Bergfexe.

Hotspots.

Im Stubaital hat jeder Verein seit jeher sein eigenes „Platzl“ oben in den Bergen, dort formen die Neustifter brennende Herzen, Kreuze und Zeichen Christi: “INRI” oder “IHS”. „Den Westkamm der majestätischen Serles müss‘ ma ins halt mit die Fulpmerer toal’n, woasch, des Nachbardorf von ins“, erzählt Hubert. „Aber des isch scho in Ordnung, es sein ja gnuag Berg uma im schianen Stubai“, fügt er hinzu.

Bei den Herz-Jesu-Feuern werden oft christliche Symbole

Bei den Herz-Jesu-Feuern werden oft christliche Symbole geformt. Foto: Corinna Gleirscher

Mag sich der Grund für die Bergfeuer von Gottesgläubigkeit zu einer Zusammenkunft von Tradition und Kameradschaft gewandelt haben, die Stimmung an diesem Tag ist ähnlich wie schon Jahrzehnte und Jahrhunderte zuvor: Heute wird Tradition gelebt, eine sehr tirolerische Tradition noch dazu. Das ist für die Neustifter, egal ob jung oder alt, ein ergreifender Moment. Für manche ist das Herz-Jesu-Feuer sogar der Höhepunkt der Sommermonate.

Tieferer Sinn.

Zu Sonnenuntergang erinnert Hubert an das Gelöbnis der Tiroler: „…jedes Jahr am Abend vor’m Herz-Jesu Sonntag a großes Feuer am höchst’n Zackn auf di Berg anzuzünden.“ Einer der Burschen packt eine „Ziachorgel“ aus, ein anderer ein Flügelhorn. Zusammen stimmen sie das hundert Jahre alte Herz-Jesu Lied „Auf zum Schwure“ an. Und so weicht die Aufregung des Tages der Ergriffenheit, das Sägemehl fängt Feuer und bildet die Form eines Kreuzes. „Und wenn’s Gottes Wille isch“, meint Hubert, „dann zünd’ i a die nächsten zwanz’g Jahr no die Herz-Jesu Feuer am Elfer an.“ So wie sein Vater vor ihm.

2015 finden die Herz-Jesu-Feuer am Wochenende vom 12. bis 14. Juni statt: Dann steigen die Stubaier„Manda” und Burschen wieder auf die Felskämme und Gipfel ihrer „Hausberge“, dem Elfer und dem Zwölfer – die Lederhosen frisch eingefettet, die Bergschuhe poliert, die Sonnenbrillen unterm Tiroler Hut. An der Waldgrenze hacken sie noch ein paar alte Latschen ab, so lodern die Feuer nämlich besonders hoch. Dann sieht man sie unten im Tal auch gut. Ausgewählte Tipps, wo ihr Herz-Jesu-Feuer noch sehen könnt, findet ihr hier: www.tirol.at/sonnwendfeuer

Kultur, Leben in Tirol

3 Kommentare

  • Günther Buchinger
    Es ist ein wunderschöner ergreifender Bericht,es ist wichtig auf die wichtige Gottverbundenheit die wir Menschen unbedingt brauchen hin zu weisen.Denn ohne mich könnt Ihr nichts vollbringen sagt unser Erlöser Jesus Christus.Danke freundliche Grüße und Gottes Segen Günther Buchinger Ungenach.In Neustift ist meine Schwägerin verheiratet.
  • Horst Fiebig
    Das Datum ist von 2015. Wir haben aber 2016- Datum?
    • Eva
      Danke für den Hinweis! Der Blogbeitrag wurde 2015 veröffentlicht ;-)