(Foto: Michael Gams)

Ich bin raus. Im Bergsteigerdorf Vent

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Michael

Michael Gams ist in seiner Freizeit viel im Land unterwegs: Beim... Zum Autor

Im Tal brennt die Sonne, das Thermometer im Auto steigt auf 34 Grad. Wir flüchten für ein Wochenende in den hintersten Winkel des Ötztals, nach Vent. Dort wollen wir zur Martin-Busch-Hütte und weiter zur Kreuzspitze wandern.

Ein Dorf für Aufsteiger

Etwas mehr als 100 Menschen wohnen in Vent, die meisten leben von der Landwirtschaft oder von den Bergsteigern und Wanderern, die hier übernachten. Das Thermometer zeigt heute Nachmittag in 1.895 Metern Seehöhe angenehme 23 Grad. Der Kirchturm überragt eine Handvoll Gasthöfe und Gehöfte, rundum kratzen Berge an der 3.000-Meter-Marke.

(Foto: Tirol Werbung, Bernhard Aichner)

Vent darf sich offiziell als „Bergsteigerdorf“ bezeichnen. Ein Prädikat, das der Österreichische Alpenverein derzeit nur an 20 Dörfer österreichweit vergibt, die nachhaltigen Alpintourismus und Berglandwirtschaft im Einklang mit der Natur betreiben. (Foto: Tirol Werbung, Bernhard Aichner)

Wie in den meisten Tiroler Dörfern überragt die Kirche in Vent alle anderen Gebäude. Ab dem Jahr 1860 verteilte der Geistliche Franz Senn hier seinen Segen. Er bestieg viele Ötztaler Berge und war Mitbegründer des deutschen Alpenvereins. Seine Idee war es, hier im Ötztal Wege und Steige anzulegen, Bergführer auszubilden und Schutzhütten zu errichten. Und das in einer Zeit, als es noch kaum Karten von diesem weitläufigen Gletschergebiet gab.

Vents Superlativ: Der höchste Berg Nordtirols

Heute gehört Vent zur Gemeinde Sölden, einem der bestbesuchten Wintersportorte in ganz Österreich mit insgesamt 33 Liftanlagen. Vent hat auf den Ausbau seines kleinen Skigebiets verzichtet. Den einzigen Sessellift im Dorf nützen während des Sommer viele Wanderer und Bergsteiger, um bequem zur Stablein Alm zu gelangen. Von der Alm führt ein Wanderweg weiter bis zur Breslauer Hütte in 2.844 Metern Höhe.

(Foto: Tirol Werbung, Mario Webhofer)

Bergwanderer und im Winter Skitourengeher nutzen die Breslauer Hütte gerne als Ausgangspunkt für eine Tour auf den mit 3.768 Metern höchsten Berg Nordtirols, die Wildspitze. (Foto: Tirol Werbung, Mario Webhofer)

Wir wollen in einem Dorfgasthof übernachten und schlendern vor dem Abendessen zu einer kleinen Bergsteigerkapelle, die seit drei Jahren der Kultur-Veranstaltungsreihe ARTeVent für Fotoausstellungen und andere Kunstprojekte dient. Unser Blick schweift entlang der Venter Ache hinauf zum Talschluss, wo die letzten Sonnenstrahlen die Gebäude der Rofenhöfe streifen. Sie liegen in über 2.000 Metern Seehöhe und gelten somit als Österreichs höchstgelegene ganzjährig bewohnte Bergbauernhöfe.

Promibonus: Der Mann aus dem Eis

Der wohl prominenteste Mann der Gegend rund um Vent ist Ötzi. Nein, nicht der DJ, sondern ein 5.300 Jahre junger Mann aus dem Eis. Bergsteiger haben ihn im Jahr 1991 durch Zufall beim Abstieg von der Fineilspitze (3.514 m) hinunter zum Tisenjoch (3.280 m) gefunden. Das Eis hat seinen Körper und seine Jagdausrüstung über Jahrtausende hinweg konserviert. Weil die Fundstelle genau an der Grenze zu Südtirol liegt, ist Ötzi heute im Archäologiemuseum von Bozen ausgestellt.

Mein Wandertipp in Vent: Martin-Busch-Hütte und Kreuzspitze

Die Kreuzspitze ist mit 3.455 Metern Höhe einer der wenigen Dreitausender im Ötztal, die ihr ohne Eisberührung ersteigen könnt. Früh genug losgehen solltet ihr trotzdem.

Vom Ortszentrum führt ein Fahrweg Richtung Süden, hier verläuft auch der europäische Fernwanderweg E5. (Foto: Michael Gams, Tirol Werbung)

Vom Ortszentrum führt ein Fahrweg Richtung Süden, hier verläuft auch der europäische Fernwanderweg E5. (Foto: Michael Gams, Tirol Werbung)

Ein Fahrweg führt auf der rechten Seite des Niedertal zwischen Ötztaler Bergriesen, während weiter unten der Niedertalbach rauscht. Am Wegrand grasen Bergschafe. (Foto: Michael Gams, Tirol Werbung)

Der Fahrweg führt auf der rechten Seite des Niedertals zwischen Ötztaler Bergriesen hindurch, während weiter unten der Niedertalbach rauscht. Am Wegrand grasen Bergschafe. (Foto: Michael Gams, Tirol Werbung)

Bei der Martin-Busch-Hütte weist eine gelbe Tafel den Weg Richtung Kreuzspitze. (Foto: Michael Gams, Tirol Werbung)

Blick hinunter zur Martin-Busch-Hütte: Dort weist eine gelbe Tafel den Weg Richtung Kreuzspitze. (Foto: Michael Gams, Tirol Werbung)

Der Weg führt bald zwischen zwei kleinen Bergseen durch. (Foto: Michael Gams, Tirol Werbung)

Der Weg führt zwischen zwei kleinen Bergseen durch. (Foto: Michael Gams, Tirol Werbung)

Danach wird es etwas steiler und wir passieren ein paar flache Altschneefelder. Am Gipfelgrat kann auch im Hochsommer noch Schnee liegen. (Foto: Michael Gams, Tirol Werbung)

Danach wird es etwas steiler und wir passieren Altschneefelder. Am Gipfelgrat kann auch im Hochsommer noch Schnee liegen. (Foto: Michael Gams, Tirol Werbung)

Wir machen uns wieder auf den Rückweg Richtung Vent – dem Bergsteigerdorf am Ende des Ötztals. (Foto: Michael Gams, Tirol Werbung)

Wir machen uns wieder auf den Rückweg Richtung Vent – dem Bergsteigerdorf am Ende des Ötztals. (Foto: Michael Gams, Tirol Werbung)

Am Rückweg lohnt sich eine Einkehr bei der Martin-Busch-Hütte. Wer will, kann hier natürlich übernachten und sich ausruhen.

Mehr Infos zu Vent findet ihr auf www.tirol.at/vent.

4 Kommentare

  • Esther
    Wer diese wunderschöne Wanderung mit etwas Kultur aufpeppen möchte, dem sei das Wandertheater "Friedl mit der leeren Tasche zu empfehlen". Wanderung von Vent bis hinter die Martin Busch Hütte inkl. Theatervorführungen mitten in der Natur. Die Termine gibt's hier: http://www.wandertheater-friedl.oetztal.com/home Hab ich selbst ausprobiert und hat mir sehr gut gefallen. Ausreichend Kondition ist mitzubringen. Ist ein langer Tag und die Wanderung nicht zu unterschätzen.
  • Christian
    Wow, superschöne Fotos hast du gemacht, lieber Michael
  • Peätarch ze Wienn
    ... ganz prima beschrieben, Vent ist auch für uns in jeder Hinsicht Tirol "on top". Bei einer kurzen Rast am 13.8. an einem der Brizziseen auf etwa 3000m segelte als kleine Draufgabe ein Bartgeier knapp vor uns vorüber. Sieht man auch nicht alle Tage. Enk ö an scheän Tog, olle mitanondarch.
  • Michael
    Michael
    Danke,das freut mich! Es macht mich fast ein wenig neidisch, dass ihr dort sogar einen Bartgeier gesichtet habt. Der ist nämlich wirklich äußerst selten, wie ich bei der Recherche für einen anderen Blogbeitrag erfahren habe: http://www.blogtirol.at/2015/07/in-freier-natur-geschichte-eines-wildtierfotografen/