Ort: Roppen

Vom Leben im Tal: das obere Inntal oder Oberinntal

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Irene Heisz

Die Journalistin, Autorin und Moderatorin Irene Heisz schreibt am... Zum Autor

Der Inn durchzieht Tirol vom äußersten Südwesten bis hin zur nordöstlichen Grenze. Er ist ein Durchreisender, der aus dem Schweizer Engadin als vorwitziges Gebirgsbächlein nach Tirol herein sprudelt und das Land bei Kufstein als immerhin mittelgroßer, schon ein wenig gesetzterer Fluss in Richtung Bayern wieder verlässt. Der Fluss hat der Hauptstadt Tirols, Innsbruck, ihren Namen gegeben, das Inntal ist die Hauptschlagader Tirols. Das Tal und seine Menschen als Einheit zu betrachten, fiele dennoch niemandem ein. Also jedenfalls keinem Einheimischen.

Das beginnt damit, dass kein Tiroler von sich behauptet, er sei Inntaler. Man ist Paznauner, Villgrater, Zillertaler, aber die Bewohner des Inntals lassen sich nicht über einen (Berg-)Kamm scheren. Man ist, grob gesagt, Oberländer oder Unterländer (wobei damit streng genommen nicht nur die Einwohner jener Städte und Dörfer zusammengefasst sind, die tatsächlich am Inn liegen). Oder man lebt im Großraum Innsbruck.

DAs ist die BU

Innschpruckh = Brücke über den Inn. Für die Tiroler Landeshauptstadt war der Inn namensgebend.

Innsbrucker sind, wie die Bewohner aller Hauptstädte überall auf der Welt, arrogant und eingebildet (sagen zumindest die anderen Tiroler). Wie sehr sich Oberinntaler von Unterinntalern unterscheiden, und zwar nicht nur in der Einschätzung Nichtbetroffener, sondern auch in ihrem Selbstbild, mag die volkstümliche Redensart belegen, dass es bei Begräbnissen im Unterland lustiger zugehe als bei Hochzeiten im Oberland. Oder eine nicht weniger bekannte, etwas derbere Variation des Themas, dass Oberländer tendenziell wortkarge, mit der frivolen Zurschaustellung von Emotionen sparsame Menschen seien: „Bevor di da Oberländer busst hat, hat dir da Unterländer a Kind g’mocht.“ Frei übersetzt: Es kann dauern, bis ein männlicher Oberländer sich dazu durchringt, einem weiblichen Wesen durch eindeutige Handlungen sein Interesse zu beweisen.

Die Landschaft prägt eben die Menschen, die in ihr leben. Und wer meint, enger als Landeck, das sich um ein scharfes Knie des Inn schmiegt, ginge nicht, der möge innaufwärts durch das „Obere Gericht“ weiterziehen und einmal in die Schlucht zum malerischen Grenzort Altfinstermünz hinuntersteigen…

Bei der früheren Gerichtsstätte und Grenzbefestigung Altfinstermünz in der Nähe von Nauders ist der Inn (und das Inntal) besonders schmal.

 

In der Reihe „Vom Leben im Tal“ porträtiere ich diesen Sommer verschiedene Tiroler Täler und erzähle Geschichten von viel Leben auf wenig Raum. So will ich Gästen aus aller Welt Tirol ans Herz legen und Einheimischen die Augen für das Besondere am Vertrauten öffnen.

Leben in Tirol

1 Kommentar

  • Naturfreund aus dem Oberland
    Schön zu lesender Artikel mit toll ausgewählten Bildern, welche die Bedeutung der Lebensader Inn für das schöne Tirol und insbesondere für das Oberland gut zum Ausdruck bringen. Vor allem das erste und das dritte Bild zeigen den Inn als wildromantische Flusslandschaft - doch leider wird das schon bald nicht mehr so sein. Bei Finstermünz wird derzeit das Grenzkraftwerk Inn gebaut und schon in wenigen Jahren wird von dort bis Prutz der Inn nur mehr ein kümmerliches Bächlein sein. Aber auch der Inn bei Roppen mit Blick auf den Acherkogel (erstes Bild) wird sich, insofern die Kraftwerkspläne umgesetzt werden, in wenigen Jahren ganz anders präsentieren. Nur mehr Restwasser wird im heutigen Bachbett fließen, der Großteil durch einen Stollen geleitet und die am Foto ersichtlichen Wildwassersportler wohl woanders ihre Paddelferien verbringen müssen. Von Altfinstermünz bis nach Haiming, beinahe im ganzen Oberland, wird der Inn verlocht sein und somit 80km Flussstrecke unwiederbringlich zerstört. Also: Genießt die schöne Flusslandschaft solange sie es noch gibt... nachkommende Generationen und Gäste werden dieses Privileg nicht mehr haben.