Vom Leben im Tal: das untere Inntal oder Unterinntal

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Irene Heisz

Die Journalistin, Autorin und Moderatorin Irene Heisz schreibt am... Zum Autor

Wenn man es genau nimmt, beginnt das Unterinntal bereits einige wenige Kilometer westlich von Innsbruck, dort, wo der Bach Melach in den Tiroler Hauptfluss mündet. Nur: Versucht einmal einer Innsbruckerin oder auch einem Haller beizubringen, er sei ein Unterinntaler! Der Großraum Innsbruck mit den seinen beiden Städten und einigen Dörfern ist quasi Niemandsland. Das Unterinntal, häufig, aber unpräzise auch als Unterland bezeichnet, beginnt frühestens östlich der alten Salzstadt Hall. Und nicht einmal das ist sicher. Ein Schwazer oder auch ein Zillertaler, zum Beispiel, fährt erst „ins Unterland“, wenn er sich noch viel weiter östlich in Richtung Kufstein begibt.

Blick von der Nockspitze auf Innsbruck und ins Unterinntal. Auch wenn sich die Innsbrucker keinesfalls als Unterinntaler bezeichnen, beginnt das untere Inntal genau genommen bereits wenige Kilometer westlich der Landeshauptstadt.

Blick von der Nockspitze auf Innsbruck und ins Unterinntal. Auch wenn sich die Innsbrucker keinesfalls als Unterinntaler bezeichnen, beginnt das untere Inntal genau genommen bereits wenige Kilometer westlich der Landeshauptstadt.

Was Oberinntalern an chronischer Knorrigkeit und Wortkargheit nachgesagt wird, machen Unterländer (das sind die Einwohner des Unterinntals und seiner Seitentäler) mit notorischer Leichtlebigkeit und für Oberländer bisweilen befremdlich wirkender Munterkeit wett. Das zeigt sich nicht zuletzt an selbst für Nichteinheimische deutlich wahrnehmbaren Unterschieden in den regionalen Dialekten. Um es an einem Beispiel aus dem Alltag zu demonstrieren: Wo der Oberländer zum Frühstück ein „Oa“ zu sich nimmt, verspeist der Unterländer fröhlich ein „Goggei“. Noch Fragen zum mundartlichen Eiertanz?

Das Unterinntal wird von nicht weniger mächtigen Gebirgszügen begrenzt als der Oberlauf des Inn. Aber es ist flach und weiter als das Oberinntal, freundlicher, weniger beengend und dadurch weniger bedrohlich in seiner Anmutung. Hier spielt es sich ab, und zwar in jeder Hinsicht: Fast die Hälfte aller rund 800.000 Tiroler lebt im Unterinntal, in dieser Gegend siedeln die meisten großen Industriebetriebe des Landes und hier ist auch noch Platz für Landwirtschaften, die groß, also ertragreich genug sind, sie im Haupterwerb zu betreiben. Außerdem laufen die großen Straßen- und Schienenrouten durch diesen Teil Tirols. Wer innerhalb von Österreich von Westen nach Osten oder aus dem Norden, über das deutsche Rosenheim, Richtung Süden reist, kommt durch das Unterinntal. Es lohnt sich aber allemal, nicht nur durch das Unterinntal durchzufahren, sondern auch dort zu bleiben – in einer lieblichen Gegend bei freundlichen Menschen.

 

In der Reihe „Vom Leben im Tal“ porträtiere ich diesen Sommer verschiedene Tiroler Täler und erzähle Geschichten von viel Leben auf wenig Raum. So will ich Gästen aus aller Welt Tirol ans Herz legen und Einheimischen die Augen für das Besondere am Vertrauten öffnen.

Leben in Tirol

6 Kommentare

  • Julia
    zum mundartlichen Eiertanz noch ein Beispiel: was im Oberland "paunzn" heißt, gibt's im Unterland als "Damnidei" (oder Daumnidei) - so oder so: sehr sehr lecker
    • Phil
      Also ich bin im Unterland (Wiesing) aufgewachsen, und kenne sie nur als paunzn. Vielleicht ist das so eine "jenseits von kramsach" eigenheit?
      • Julia
        ...ich kenn sie aus dem Raum Kitzbühel als daumnidei (auch Unterland, wenn auch nicht Inntal :-)
  • Marco
    Julia, was muss ich mir darunter vorstellen, unter paunzn oder Damnidei? :-)
    • Eva
      Hallo Marco, Paunzen/Daumnidei sind eine österreichische Mehlspeise aus Kartoffelteig. Sieht ähnlich aus wie ein Kaiserschmarrn, wird aber gerne mit Sauerkraut gegessen. Hier ein Rezept + Foto ;-) https://plus.google.com/+Kitzbuehel/posts/JQEpx3URkDR
  • kundentests.com
    Tolle Bilder, ist wohl mal eine Reise wert euer Unterinntal wenn man da so tolle Begriffe hat ;) Schöner Artikel, danke dafür!