Brixental Valley

Vom Leben im Tal: das Brixental

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Irene Heisz

Die Journalistin, Autorin und Moderatorin Irene Heisz schreibt am... Zum Autor

Das Brixental ist in mehr als einer Hinsicht etwas Besonderes: Zum einen hat das Tal etwas, was nur wenige Alpentäler vorzuweisen haben, nämlich Ausgänge an beiden Enden. Weit häufiger ist der Fall eines Talschlusses, an dem sich bis zu 3.000 Meter hohe Alpenpässe auftürmen. Auf der einen Seite zweigt es von Wörgl im Inntal ab, auf der anderen Seite reicht es bis zur Gemeindegrenze von Going am Wilden Kaiser. Vielleicht ist diese verkehrstechnisch seit alters her günstige Lage mit ein Grund dafür, dass die Brixentaler weltoffene, flexible Menschen sind, obwohl die traditionell bäuerlich geprägte Gesellschaft naturgemäß eine tief verwurzelte Beziehung zu ihrem Grund und Boden hatte und immer noch hat.

Bauernhof in Westendorf

Tiroler Traumhaus: Wunderschöne Bauernhäuser wie diesen Hof in Westendorf gibt es im Brixental viele, nach wie vor sind mehrere hundert Landwirte im Tal ansässig.

Außerdem haben es die Zufälligkeiten der geologischen Geschichte des Landes wirklich ausnehmend gut mit dem Brixental gemeint. Die letzte Eiszeit hat Terrassen hinterlassen, Murschwemmkegel haben sich zu sanften Hügeln geformt. Das sonnige, zum Teil eineinhalb Kilometer breite Tal ist geprägt von weichen Landschaftsformen, die für die ansonsten häufig schroffen Tiroler Verhältnisse regelrecht lieblich zu nennen und gut landwirtschaftlich zu nutzen sind. Nach wie vor sind deshalb mehrere hundert Landwirte im Tal ansässig, ein paar Dutzend davon betreiben die Bauerschaft sogar im Haupterwerb. Das ist in Tirol selten geworden, weil die meisten Betriebe bei Weitem nicht groß genug sind, um Familien zu ernähren. Die Nähe zu Kitzbühel und dem Wilden Kaiser sorgt aber auch dafür, dass das Brixental sommers wie winters zahllose Gäste anzieht.

„A gschtiaschte Dianei“ – so nennen die Brixentaler ein liebes/süßes/hübsches/entzückendes Mädchen.

Eine ganz eigene und sehr liebenswerte Qualität hat die Mundart des Brixentals oder Brixntois, wie die Einheimischen sagen: ein bisschen knarzig und raspelnd in den Anlauten, aber gleichzeitig auch weich und manchmal ein bisschen verschwommen. Wenn euch ein Einheimischer zum Beispiel von „an gschtiaschtn Dianei“ vorschwärmt, spricht er von einem lieben/süßen/hübschen/entzückenden Mädchen. Ob er damit seine Tochter im Kindergartenalter meint oder doch ein mindestens 15, 20 Jahre älteres weibliches Wesen, lässt sich sicher im Zuge eines ausführlichen „Hoangascht“ (einer gemütlichen Plauderei) klären.

 

In der Reihe „Vom Leben im Tal“ porträtiere ich diesen Sommer verschiedene Tiroler Täler und erzähle Geschichten von viel Leben auf wenig Raum. So will ich Gästen aus aller Welt Tirol ans Herz legen und Einheimischen die Augen für das Besondere am Vertrauten öffnen.

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