Schurwoll-Schuhträume bei Gottstein: Unterwegs im Patschenparadies

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Rosanna

Rosanna Battisti fährt gerne weg und kommt gerne wieder – vor... Zum Autor

Was verbindet das Tiroler Steinschaf mit Haute Couture? Was hat Ägypten mit einem Tiroler Familienbetrieb zu tun? Und wie viele „Patschen“ stehen bei der Firma Gottstein in Imst überhaupt im Lager?

Wenn ich an ein Tiroler Bergschaf denke, fällt mir vieles ein: Berge (logisch!), Almhütten, ein Kindheitserlebnis mit Schafen, aber die Designerlabel Versace, Kenzo oder Chanel? Diese Verbindung war mir bisher fremd – bis zum Besuch bei der Firma Gottstein in Imst. Hier werden aus Schurwolle feinste Stoffe in allen Farben hergestellt. „Immer wieder produzieren wir für Designer. Versace hat die bestellten Stoffe sogar mit Privatchauffeur abholen und mit dem Jet nach Paris fliegen lassen“, erzählt Hans-Jörg Gottstein, der die gleichnamige Firma gemeinsam mit seinem Bruder leitet.

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Hans-Jörg Gottstein zeigt das Ausgangsmaterial: grobe Schurwolle. Foto: Rosanna Battisti

Gewalkt oder gefilzt

Die Verwandlung vom groben Büschel Schurwolle, das ich eben noch in den Händen halte, bis zum feinen, superleichten Vlies, welcher dann weiterverarbeitet werden kann, dauert übrigens ziemlich genau 8 Minuten. Eine ausgefeilte Technik und viel Know-How sowie jahrelange Erfahrung und Weiterentwicklung stehen hinter diesem Prozess. „Aus unterschiedlich groben Wollarten am Ende ein gleichmäßiges Produkt entstehen zu lassen, das war eigentlich das Schwierigste“, sagt Gottsein, der seit 1976 im Familienbetrieb mitarbeitet. Gefilzt oder gewalkt entstehen aus der Schurwolle die unterschiedlichsten Produkte. Neben Stoffen für Designercouture sind das vor allem „Patschen“, also Hausschuhe. Bekannt sind die „Kitzpichler“ aus Walkstoff, ebenso erhältlich sind aber auch Filzhausschuhe in allen Farben. „Im Jahr fertigen wir rund 450.000 bis 500.000 Paar“, erklärt Gottstein.

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Nach knapp 8 Minuten ist aus der Schurwolle ein feines Vlies geworden. Foto: Rosanna Battisti

Von Ägypten nach Tirol

Wie kommt man denn dazu, ins Hauspatschen-Geschäft (wie die Tiroler die gemütlichen Schuhe nennen) einzusteigen? „Mein Großvater gründete die Firma. Er ging als 16-Jähriger nach Ägypten und arbeitete dort als Weber. Auf Drängen eines ehemaligen Schulkollegen ist er für eine Arbeitsstelle dann nach Tirol gekommen und hat nach einigen Jahren die Firma aufgebaut.“ Mittlerweile beschäftigt Gottstein 50 Mitarbeiter. Mit den Jahren – und der Mode – veränderte sich das Sortiment ständig. Für den Tirol Shop werden aktuell unter anderem eigens gefertige, bunte Filz-Hausschuhe, die stylische Filz-Wendetasche „Sophia“ und die bunten Filz-Schlüsselanhänger „HerzBerg“ produziert. „Die Wolle dafür beziehen wir zu 60 Prozent aus der Region. Beim Tiroler Steinschaf haben wir einen Produktions- und Lieferweg von 38 bis 50 Kilometer, vom Schaf bis zum fertigen Produkt.“

FilzpatschenFilz-Wendetasche „Sophia“Schlüsselanhänger „HerzBerg“

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