Ort: Wildschönau (Ort)

Stimmt oder stimmt nicht? Wie die Tiroler so ticken.

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Eine Reihe von Vorurteilen wird mit Tirol verbunden. Wie wir so sind, die Bewohner des Landes im Gebirg‘. Ärgern tun wir uns darüber nicht, wissen wir doch, dass uns nicht zuletzt aufgrund dieser Vorurteile auch viel Sympathie entgegengebracht wird.
Nur was davon ist wahr? Darüber habe ich mir neulich meine ganz persönlichen Gedanken gemacht. Hier das Ergebnis…

Christina

Mit ihrem Blick für Details erkundet Christina Schwemberger Land,... Zum Autor

Derbes und stures Bergvolk.
Bitte keine Verallgemeinerungen! Nirgendwo sonst wäre das ungerechter als in Tirol. Der Charakter der Tiroler ist so unterschiedlich wie die Höhe der Bergspitzen in den verschiedenen Tälern. Derb mag er wirken, der Tiroler. Macht aber viel die Sprache aus.
Stur? Wieder nicht generell zu sehen, aber eher ja. Manchmal ist es auch sinnvoll, keine Kompromisse einzugehen. Sonst hätten sich jahrhundertalte Traditionen wohl nicht so lange gehalten.

Misstrauisch und introvertiert.
Tatsächlich ist es so, dass man diese Eigenschaften den Oberländern (allen Tirolern westlich der Melach in Kematen) nachsagt. Das bedeutet aber nicht, dass die Oberländer nicht liebenswert wären. Sie brauchen nur etwas mehr Zeit, um Vertrauen zu fassen. Ist das Eis erst einmal gebrochen, halten Freundschaften nicht selten ein Leben lang. Außerdem: Der Oberländer ist absolut ehrlich. Darauf kann man sich verlassen.

Oberflächlich und falsch.
Das wiederum wird den Unterländern (von Kematen ostwärts, Innsbruck ausgenommen) zugesagt. Nur zu gern wird man sehr schnell an die Unterländer Brust gedrückt. Was manchmal den Eindruck von Oberflächlichkeit und Falschheit vermittelt. Man sollte es genießen und nicht allzu ernst nehmen!! Wir nehmen es auch mit Humor. Nicht umsonst kursieren lustige Sprüche wie „Eine Beerdigung im Unterland ist lustiger als eine Hochzeit im Oberland“ oder „Bevor von einem Oberländer ein Busserl kriegst, bekommst von einem Unterländer ein Kind“. Zweiteres wäre in diesem speziellen Fall dann doch etwas ernster zu nehmen.

Werden mit Skiern geboren, aber können nicht Fußball spielen.


Ort: Leutasch
Unglaublich, aber wahr: Es gibt viele unter uns, die nicht skifahren können, weil sie es nie richtig gelernt haben oder es einfach nicht mögen. Man hängt es nur nicht an die große Glocke. Ich gehöre zu beiden Gruppen, aber glauben tut mir das keiner. Vielleicht sollte ich beim Après-Ski nicht mit der Skiausrüstung auftauchen…
Fußball? Nun ja, die Hoffnung stirbt zuletzt. Und aufgeben tut man Briefe.

Leben alle für den Tourismus

Wir sind ein Tourismusland. Das heißt nicht, dass wir alle so sind wie in der legendären Fernsehsendung „Die Piefke-Saga“ aus den 80igern des vorigen Jahrhunderts. Wer die Saga kennt, weiß, dass es „Griaßler“ (falsche Person, üblicherweise Gastwirt, der den Gästen übertriebene Freundlichkeit vorspielt, um sie zur Konsumation in seinem Betrieb zu überreden) in allen Tourismusregionen der Welt gibt.
Aus meinen Erfahrungen kann ich nur sagen, in Tirol habe ich nur wenige „Griaßler“ getroffen. Ich wurde zum Beispiel nie von einem Tiroler Hüttenwirt in seine Gaststube gezogen, weil ich das Tagesgericht probieren sollte, wie es mir vor Jahren in Rimini vor einer Pizzeria mit einem italienischen Kellner passiert ist…. oder gehörte der vielleicht gar nicht zum Restaurant? Kann auch sein. Upps.

Sprechen alle Wörter mit „kkk “ und „scht“.
Ist auch nicht überall so. In Innsbruck selbst wird ja oft gerne ein angepasstes, von den restlichen Tirolern nicht immer gern gehörtes, weil arrogant wirkendes Hochdeutsch gesprochen, wie z.B. : „Da habm wir sehr glacht“ statt „Do homma volle glocht“. Das derb klingende „KKK“ wird in entsprechenden Wörtern unterdrückt.
In vorwiegend Oberländer Gebieten ist es anders. Dort stellen sich Namen wie „Christian“oft als Zungenbrecher heraus. Aus diesem wird schnell ein „KKKrischtian“. Der „Jakob“ wird schnell ein „JaKKKopp“, wenn nicht gar ein „Joggl“, um das „KKK“ zu umgehen. Grenzwertig  sind ausländische Namen, die tirolerisch ausgesprochen werden. Wenn man am Spielplatz „KKKheffin, KKKhimm her do!“ hört, klingt das grausig.
Ach übrigens, das Wort „BananeKKK“ gibt es bei uns nicht, sollte jemand schon mal mit Tiroler Witzen konfrontiert worden sein. :-)

Sind mit jedem per du.
Eine Eigenheit, die ganz Tirol wieder vereint und die Kommunikation sehr erleichtert. Ähnlich wie das freundschaftlich gemeinsam getrunkene „Stamperl“ (Glaserl Schnaps, vorzugsweise Selbstgebrannter). Egal ob misstrauisch oder offen, auf der Straße gegrüßt wird jeder außerhalb von Städten (da gehört sich das nicht, das würde man ja nicht mehr fertig werden). Vorzugsweise mit „Griaß di“ oder „Griaß enKKK“. Auch „Servus“ und „Heil“ unter bekannten Gesichtern. Dieser Gruß hat in keinster Weise etwas mit Nazionalsozialismus zu tun! Man wünscht dem anderen nur das Beste. Und dass er immer „heil“ sein, also von Bösem verschont bleiben möge.

Rennen nur in Trachten rum.

Ort:

Das stimmt nicht, obwohl es manchmal praktisch wäre. So ein Dirndl ist auch im Sommer luftig leicht (außer die traditionellen Trachten, welche meist aus schweren Stoffen genäht sind) und steht jeder Frau, ob rund, dünn, alt oder jung. Und die waschresistenten Lederhosen sind sowieso der Hit. Auf Zeltfesten und Prozessionen aber ist das Tiroler Gewand für jeden traditionsbewussten Einheimischen ein Muss. Vielerorts im Gastgewerbe unter den Kellnerinnen und Kellnern auch. Hier nicht immer ganz freiwillig.

Jodeln und tanzen die ganze Zeit Schuachplattler.
Stimmt nicht, obwohl gern gefeiert wird. Wenn dann auf Zeltfesten. Bei entsprechender Feierlaune wird da schon auch mal gejodelt. Das heißt aber nicht, dass es jeder kann! Vor allem der „Schuachplattler“ erfordert Übung und Geschick. Üblicherweise jodelt nur die für das Fest gebuchte Musikgruppe. Vermehrt ist das im Zillertal der Fall. Kommt wahrscheinlich daher, weil das Zillertal auch die größte Dichte an Musikgruppen innerhalb Tirols hat.

Mögen Wien nicht.
Dieser Eindruck entsteht, weil ein Tiroler sich eher eigenständig fühlt und nicht unbedingt als Österreicher. Dabei weiß jeder Tiroler, der einmal in Wien war, wie offen man dort aufgenommen wird. Die Wiener scheinen uns zu lieben. Und das schmeichelt wiederum sogar uns.

Haben alle einen Allrad wegen der Steigungen.

Ort: FulpmesStimmt nicht. Als ich einem Flachländer einmal erklärt habe, dass man für viele Almwege, die für Autos frei gegeben sind, keinen Allrad bräuchte, sondern ihn auch mit einem Suzuki Swift wunderbar befahren könnte, wollte er sich mit seinem neuen Golf GTI keine Blöße geben. Und hat beim ersten Holperer geschwitzt, als hätte es dreißig Grad im Schatten, was in Tirol eher seltener vorkommt. Passiert ist seinem Schlitten nichts. Wusste ich’s doch!
Allrad ist trotzdem recht in, gerade für den Winter erleichtert es so manch steile Auffahrt. Aber dass wir alle einen haben? Klares Nein.
Wer außerdem glaubt, dass wir sowieso alle nur in steilen Gebieten leben, unsere Häuser nur Hanglagen haben und man im Winter Steigeisen braucht, um nach Hause zu kommen, der soll sich das Inntal ansehen. Da ist es brettleben. Die meisten Tiroler wohnen links und rechts vom Inn und gar nicht aufn Berg.

Prügeln sich gerne.
Stimmt teils. Früher mehr als heute. Und wenn, dann bei Volksfesten, meist jüngere Burschen. Ist aber dann auch schnell wieder vorbei und es wird wieder die Friedenspfeife oder -zigarette geraucht. Aufgrund des zunehmenden Rauchverbots in öffentlichen Räumen, also auch in Festzelten, wird wieder vermehrt das Versöhnungs-Schnapserl oder eine halbe Bier getrunken.

Wissen immer, wo sie sind.
Das stimmt. Aber nur in Tirol. Unser Geheimnis (ja nicht weiter sagen): Die Berge sind unsere Wegweiser. Im Flachland sind wir verloren…

Ort: Innsbruck

Ort: Innsbruck

Fazit: 
Wie auch immer, es ist wie überall. Es gibt solche und solche.
Insgesamt kann ich behaupten, dass wir liebenswert sind.
Und das sag ich jetzt nicht nur, weil ich selber eine Tirolerin bin :-)

 

Übrigens, Eva hat sich auch schon einmal (auf sehr lustige Art und Weise) über die Eigenheiten des typischen Tirolers Gedanken gemacht:
typisch tirolerisch

 

12 Kommentare

  • Christian
    Die Tiroler haben Angst vor dem Wasser. Stimmt. Über steile Felswände hinaufklettern - kein Problem. Nur vor dem Wasser hat er Angst, egal ob rauschender Bach, ruhiger Fluss oder blaues Meer. Allerdings muss in der Generation X und Y irgendetwas passiert sein... Plötzlich gilt das Tiroler Oberland als Wildwasser-Eldorado: Allein in der Imster Schlucht genießen 80.000 Gäste ihr Raftingvergnügen. Guides führen kleine Gruppen sicher mit Abseilen, Wandern und Springen durch enge Canyoningschluchten. Junge Tiroler genießen das Wasser.
    • Christina
      Lieber Christian, ich glaube, dass ist so wie überall. Mit was man von früh an konfrontiert wurde, ist man gewöhnt und macht keine Angst. Wieviele scheuen die Berge, die im Flachland aufgewachsen sind? Toll ist ja, dass man seine Meinung jederzeit überdenken und es ausprobieren kann.Vielleicht ist da die junge Generation einfach mutiger. Finde ich jedenfalls toll, was man im Oberland wassertechnisch alles machen kann :-) Liebe Grüße!
  • Tino
    Fakt ist Das die Tiroler schon sehr herzlich und lieb sind. Aber wehen man würde an ihnen Kritik üben dan ist es aber schnell vorbei mit der Freundlichkeit. Ich mache jetzt schon seit 17 Jahren Geschäfte mit den Tiroler aber die Nordtiroler sind nicht Kritik fähig und sehr dickköpfig . Die im im Süden sind da etwas entspannter liegt evt an der Mentalität. Mit denen komme ich besser aus. www.dietiroler.de
    • Christina
      Lieber Tino! Tut mir leid, dass du nicht so gute Erfahrungen mit Tirolern gemacht hast. Ich hoffe, du findest unser Land trotzdem schön :-) Lieben Gruß!
  • Iris
    Der Richtigkeit halber, sollte die Autorin den Titel des Artikels etwas spezifizieren, nämlich mit "Wie die Nordtiroler ticken". Osttirol ist auch ein Teil Tirols und da dieser besonders sympathische Teil Tirols mit keinem Wort erwähnt wird, ist der ganze Text unvollständig, vielleicht sogar irreführend. Da fehlt eine entscheidende Info. Ich gehe davon aus, dass die Autorin deshalb diesen Teil Tirols unterschlagen hat, da sie darüber keine ausreichenden Kenntnisse hat. Also, liebe "Tirol-Expertin", vielleicht einfach den Titel ändern.
    • Lenz
      @ Iris Genau, und wenn man schon über Charakterzüge schreibt, die sich über Jahrhunderte herausgebildet haben, wo Tirol noch eins war, sind auch die Süd-Tiroler und Welsch-Tiroler nicht zu vergessen.
    • Grasl Christian
      @ Iris Die Osttiroler sind mit ihren Eigenschaften wohl eindeutig den Pustertalern oder den Kärntnern mehr zuzuordnen als irgendeinem Teil von Nordtirol. Genaugenommen grenzt Ostirol ja eigentlich geograpgisch keinen einzigen Kilometer an Norttirol. Deshalb sollte man hier auch nicht unbedingt nach eventuellen "tirolverbindenden" Charaktereigenschaften suchen. trotzdem lg nach Osttirol
  • Bettina
    Liebe Kollegen nach Innsbruck! Einfach tolle Beiträge! Lieben Gruß aus Kitzbühel :-)
  • Iris
    Der Herr Grasl kennt sich wohl nicht mit den Bundesländern Österreichs aus. Vielleicht einfach mal googlen, dann wird das auch mit der TIROL-VERBINDUNG klar, Herr Grasl. Wenn man es so wie dieser Herr versteht/sieht ("Eigenschaften" - was immer er genau meint), wobei ich das für eine sehr oberflächliche "Meinung" halte, deren Begründung in seinem Kommentar durch Abwesenheit glänzt, dann fehlt eben im besprochenen Text immer noch der Hinweis, dass hier nicht vom Bundesland Tirol (Osttirol+Nordtirol) die Rede ist, sondern von einer bestimmten geographischen Region (Nordtirol). Auch eine geschichtliche Abgrenzung, wie Hr. Lenz als Anstoß liefert, wäre evtl. zu überlegen. Aber wer werd denn do so genau sein. Tirol isch lei oans, .... nit. Als Vergleich: Ein Osttiroler schreibt einen Artikel zB mit dem Titel "Wie sind die Tiroler?", in dem er aber nur die Eigenheiten der Einwohner verschiedener Osttiroler Täler charakterisiert und dabei ganz Nortirol komplett ignoriert. Ist ja auch nicht in Ordnung. Man sollte nur von Tirol reden, wenn wirklich auch ganz Tirol gemeint ist, ansonsten sollte präzisiert werden von welchem geographischen Gebiet die Rede ist. Natürlich ist die Autorin nicht die einzige, die es da nicht so genau nimmt. Aber alles in allem sind dies ja Spitzfindigkeiten. Der Text dient ohnehin nur der Unterhaltung und basiert wohl nicht auf seriösen Daten.
  • Karin Strobl (Gangl Taxi-Mietwagen GmbH.)
    Die Tiroler: entweder man mag oder man liebt sie! Das kann ich aus Sicht unserer Kunden, die zu 100% aus dem Ausland kommen, absolut bestätigen (ja, auch unser Familienbetrieb lebt für und vom Tourismus). Unsere Traditionen werden faziniert bewundert. Unsere Trachten werden bestaunt und sind für unsere Gäste ein unverzichtbarer Bestandteil eines Tirol-Urlaubs - Sie wollen Dirndl sehen. Unsere Fähigkeiten in den Bergen zu leben, zu bauen, Steilhänge zu bewirtschaften und auf schneebedeckten Bergstraßen zu fahren bringt uns größte Hochachtung ein. Unsere Sprache kann nicht erlernt und selbst von unseren "gleichsprachigen" nördlichen Nachbarn nicht verstanden werden - wir sollten darauf stolz sein - sind wir ja auch! Und die Sache mit den Wienern ... also unsere Kunden (Engländer, Holländer, Schweden, Russen, Dänen, Belgier und alle anderen, die direkt nach Innsbruck fliegen können und zu Hause keine Berge zum Skifahren haben) mögen uns viel lieber. Zumindest erzählen sie uns das und ich glaube nicht, dass die alle die "unterländer Mentalität" haben. Das ist mein nächstes Stichwort: die Unterländer! Herrliche Leute! Absolut gastfreundlich, liebenswert, herzlich und offen!!!! Ach, ich könnte noch ewig über die Tiroler schreiben, aber kurz gesagt: es ist das grottenbeste Völkchen wo gibt.
    • Christina
      Liebe Karin, vielen Dank für diesen tollen Kommentar! Lieben Gruß!
  • Piotr
    Ich sage kurz und einfach - es gibt nix besseres als Tirol. Bin selber ein Ausländer und nach einer langen Wanderung hab hier meine Heimat gefunden. Man merkt erst wenn man weg ist, wie sehr man dieses Land liebt. Ich will hier für immer bleiben. Ich liebe die Menschen, die Natur, den Dialekt, das Essen alles was tirolerisch ist...