Vali Höll in Action – die junge Racerin krönte sich am vergangenen Wochenende zur U15 Downhill-Weltmeisterin (Foto: Felix Österle)

Frauenpower auf zwei Rädern – diese drei Mountainbikerinnen trauen sich was.

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Steffen

Der passionierte Downhill-Biker Steffen Arora erobert die Berge am... Zum Autor

Beim Nachwuchs-Mountainbikefestival in Serfaus-Fiss-Ladis Anfang August hat eine junge Dame (siehe Foto oben) für Aufmerksamkeit gesorgt: Vali Höll. Die 13-jährige Salzburgerin fuhr den Jungs um die Ohren und krönte sich zur Weltmeisterin der U15-Klasse. In der immer noch männerdominierten Gravity-Szene ein Novum. Doch die Zeiten ändern sich – zum Glück.

Da staunten die Buben nicht schlecht, als am Freitagabend die Zeiten des Seeding Runs zum iXS Rookies Cup in Serfaus-Fiss-Ladis bekannt gegeben wurden. Auf Platz Zwei der Klasse U15 – in der Jungs und Mädchen noch gemeinsam gewertet werden – schien der Name Valentina Höll auf. Mit einer Zeit von 3:40:07 Minuten ließ sie auf der schwierigen Strecke mehr als vierzig Gegner hinter sich. Mit dieser Zeit wäre sie selbst in der Klasse der männlichen Jungprofis U19 noch am elften Platz gelandet. Im Rennen am Samstag verhinderte ein Sturz die Sensation. Trotz ihres Abflugs belegte die junge Saalbacherin am Ende aber noch den zwölften Platz. Ihre große Stunde schlug schließlich am Sonntag, als es um die Jugend-WM Titel ging. Vali Höll dominierte die diesmal rein weibliche U15 Klasse.

Vali Höll in Action - die junge Racerin krönte sich am vergangenen Wochenende zur U15 Downhill-Weltmeisterin (Foto: Felix Österle)

Vali Höll in Action – die junge Racerin krönte sich am vergangenen Wochenende zur U15 Downhill-Weltmeisterin. (Foto: Felix Österle)

Frauen brechen Männerdomänen auf

Höll steht gleichsam für den neuen Stellenwert, den Frauen in der Mountainbikeszene genießen. Im Vorjahr nahm sie YT Industries – der Rennstall in dem auch Cam Zink und Andreu Lacondeguy zu Hause sind – für satte sechs Jahre unter Vertrag. Einzigartig in der Profibikewelt. Hölls Mentorin und beste Freundin auf dem Weg zur Profibikerin weiß um die Hürden, die es für Frauen zu überwinden gilt, um in diesem Sport zu reüssieren: Angie Hohenwarter. Die Kärntnerin lebt in Tirol, fährt ebenfalls für YT Industries und kann als eine der wenigen Frauen in Europa vom Gravity-Biken leben. Zudem ist Hohenwarter die erste weibliche Punkterichterin auf der Freeride Worldtour (FMB) und hat damit eine Männerdomäne gebrochen.

Vali got 2nd in the qualification today here in the Bikepark Serfaus/Fiss/Ladis!! Fullgas on raceday!! ??? #proudgodmother #goodtimes

Posted by Angie Hohenwarter on Friday, August 7, 2015

Mit Höll (Foto oben links) verbindet die Mittzwanzigerin eine enge Freundschaft. Hohenwarter (Foto oben rechts), die in Oberperfuss bei Innsbruck wohnt, ist sogar ihre Firmpatin. Sie sieht die Frauen in der Szene im Kommen: „In den letzten Jahren stieg der Anteil an aktiven Frauen im Gravity-Biken stark an. Auch weil es immer mehr Disziplinen gibt, die für Frauen interessant sind.“ Allerdings sei es für sie härter, sich zu beweisen: „Man wird ständig verglichen. Ob mit anderen Frauen oder mit Männern.“ Ihre Mentorinnenrolle für Höll macht Hohenwarter großen Spaß: „Ich finde es toll, dass ich ihr von meiner Erfahrung etwas mitgeben kann. Gerade in der Gravity-Szene ist es wichtig, dass in Europa auch Frauen ins Profigeschäft einsteigen, denn es gibt derzeit noch kaum welche, die davon leben können.“

A legend in the making - Vali Höll ist auf dem besten Wege, Mountainbike-Geschichte zu schreiben. Mit 12 Jahren wurde sie von einem Bikehersteller unter Vertrag genommen und eröffnet für Frauen neue Dimensionen im Gravity Sport. (Foto: Felix Österle)

A legend in the making – Vali Höll ist auf dem besten Wege, Mountainbike-Geschichte zu schreiben. Mit 12 Jahren wurde sie von einem Bikehersteller unter Vertrag genommen und eröffnet für Frauen neue Dimensionen im Gravity Sport. (Foto: Felix Österle)

Bike-Industrie reagiert auf Frauen

Mittlerweile reagiert auch die Industrie auf den steigenden Anteil an Frauen, wie Angie Hohenwarter (Foto links, © Steffen Arora) sagt: angie hohenwarter„Vor ein paar Jahren mussten wir noch mit kleinen Männerbikes und in Männerhosen den Berg runter.“ Dass es nun immer mehr Hersteller gibt, die in Sachen Geometrie auf die Bedürfnisse von Frauen eingehen, fördere den Frauenanteil im Sport. „Wir fahren schon hübsch gleichauf mit den Männern, aber wir sind halt ein bisschen anders gebaut. Von daher ist es gut, dass es immer mehr Angebote gibt, die auf Frauen zugeschnitten sind.“

Auch die Innsbruckerin Ludi Scholz weiß um den steigenden Stellenwert der Frauen in der Bikeszene: „Frauen sind schon seit langer Zeit ein fester Bestandteil der Mountainbikeszene aber sie waren immer nur im Hintergrund – ‚die Freundin von einem bikenden Freund‘. Seit gut zwei Jahren gibt es aber eine deutliche Änderung in der Szene und es kommen immer mehr Frauen dazu.“ Scholz, die heute Brand Managerin von Liv Cycles ist, macht das auch am neuen Image des Sports fest: „Es hat sich so viel am männerlastigen Image des Bikens geändert und das war eigentlich immer die größte Hürde für Frauen. Es hat sich in wenigen Jahren vom gefährlichen Extremsport für Draufgänger zum gesundheitsrelevanten Hobby für jedermann und jederfrau entwickelt.“

(Foto: David Schultheiß)

„Gravity-Mountainbiken hat sich in wenigen Jahren vom gefährlichen Extremsport für Draufgänger zum gesundheitsrelevanten Hobby für jedermann und jederfrau entwickelt“, sagt Ludi Scholz. (Foto: Katharina Winklbauer)

Mit Liv Cycles leitet Scholz eine Bikemarke speziell für Frauen und ist somit aktiver Teil dieser Veränderung: „Liv ist eine eigenständige Marke für Frauen – die einzige die es bis jetzt am Markt gibt. Giant ist zwar ihr großer Bruder, aber trotzdem sind es zwei unterschiedliche Firmen, die beide Räder und Zubehör herstellen – Giant für Männer, Liv für Frauen.“ Beim Zubehör wie Bekleidung und Protektoren, erklärt Scholz, sei der Unterschied zwischen Männer- und Frauenprodukten schnell ersichtlich. Bei den Rädern hingegen liegt der Unterschied in der Geometrie und den Komponenten: „Das beginnt bei der Rahmengröße und endet bei speziellen Sätteln auf Grund anderer anatomischer Gegebenheiten.“

Auch Bikeparks entdecken Frauen als lohnende Zielgruppe und bieten spezielle Camps und Trainings für Frauen an. Bikende Frauen dienen als Testimonials, wie hier zum Beispiel:

„Traut euch!“

Dank immer mehr Frauen in der Szene wird auch der Einstieg immer einfacher. Statt wie früher als „Freundin eines bikenden Freundes“ mit einem Rudel Jungs loszuziehen, gibt es heute eigene Einsteigerangebote von Frauen für Frauen. Die Schweizerin Alice Kühne, Managerin des Pink Gravity Downhill-Teams, bietet regelmäßig im Bikepark Serfaus-Fiss-Ladis Woman’s Workshops an. Zudem gibt es eigene Plattformen für bikende Frauen, wie etwa www.Girlsridetoo.de oder die www.flowsister.com im Raum Innsbruck. Also Mädels, nehmt Ludi Scholz beim Wort, denn die muss es wissen: „Traut euch! Meldet euch bei einem der zahlreichen Women Camps an und versucht es einfach. Nicht zögern, sondern ab aufs Bike!“

Und Jungs, zieht euch schon mal warm an:

Fotocredit Titelbild: Felix Österle

1 Kommentar

  • Georg
    Girlpower! Und tolle MTB Strecken habt ihr!