Innsbruck 2016 International Children’s Games – volunteer team tirol im Gespräch

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Vom 12.01. – 16.01.2016 finden die International Children’s Games 2016 in Tirol statt. Das Organisationskomitee der Innsbruck 2016 International Children’s Games erzählt uns in diesem Gastbeitrag vom volunteer team tirol und der Idee dahinter.

Tirol hat sich in den letzten 50 Jahren als eine der weltweit renommiertesten Austragungsstätten für Sportgroß-veranstaltungen etabliert und Innsbruck trägt den Beinamen Olympiastadt nicht zu Unrecht: Der nächste Meilenstein wird schon im Jänner 2016 gelegt, wenn in Innsbruck und Umgebung die 7. International Children’s Winter Games über die Bühne gehen. Doch hinter der Ausrichtung solcher Sport-Großveranstaltungen steckt unglaublich viel Arbeit und noch mehr Herzblut. Nicht nur von Seiten des offiziellen Organisationskomitees, sondern auch unter den hunderten Volunteers, ohne die an eine Austragung nicht zu denken wäre.

Volunteers sind freiwillige Helferinnen und Helfer, die sich während der Veranstaltung – oft aber auch die Tage bzw. Wochen davor und danach – in verschiedenen Einsatzbereichen von Betreuung der Delegationen über Marketing und Kommunikation bis hin zu Projektmanagement und technischem Support engagieren. Um sie zu vereinigen, wurde nach den Olympischen Jugend-Winterspielen 2012 (YOG) das volunteer team tirol ins Leben gerufen.

Für Außenstehende ist oft nicht verständlich, warum jemand seine Zeit und Kräfte opfert, um bei „ein paar Wettkämpfen“ mitzuhelfen – und das auch noch freiwillig. Daher stellt sich die Frage: Welche Art von Menschen sind sie, diese Volunteers?

 

Brigitte und Stefanie – zwei Volunteers stellen sich vor

Das volunteer team tirol besteht aus zwei großen Gruppen: Eine davon, wie Sie wahrscheinlich schon vermutet haben, sind junge StudentInnen. Die Zweite, und das wird Sie vielleicht überraschen, sind PensionistInnen. Carina Forstinger, Mitarbeiterin im Bereich Kommunikation der Innsbruck 2016 International Children’s Games, hat zwei Volunteers, die bei den ICG 2016 im Einsatz sein werden, getroffen und mit ihnen über ihre Erfahrungen, Motive und die Reaktionen von außen gesprochen:

brigitte_zerlauthBrigitte ist ein echtes Urgestein unter den Volunteers. Seit sie bei Olympia 1964 in die Welt des internationalen Skizirkus eintauchte, hat die heute pensionierte Ärztin und Volksschullehrerin keine Wintersport-Großveranstaltung in Innsbruck ausgelassen. Sie liebt das internationale Flair und möchte als stolze Repräsentantin Tirols die ganze Welt in ihrer geliebten Heimat willkommen heißen. Bei den YOG 2012 war Brigitte als Vertreterin der „Grauen Adler“ neben anderen begeisterten SeniorInnen Sprachrohr für die Älteren.
Im Jänner 2016 wird Brigitte bei den Tiroler Schulsport Winterspielen, die parallel zu den ICG laufen, im alpinen Bereich mithelfen: Zum einen, weil ihr Herz seit ihrer Kindheit für den alpinen Skisport schlägt. Dort fühlt sie sich wohl und kompetent und kann dank ihrer jahrelangen Erfahrungen wertvolles Wissen beisteuern. Zum anderen ist sie dabei, weil ihr die Altersgruppe der 13- bis 15-Jährigen sehr am Herzen liegt: „Dieser Lebensabschnitt ist enorm wichtig für die Persönlichkeitsbildung der jungen Menschen. Man bekommt so viel zurück, wenn man sich nur für sie einsetzt.“ Brigitte weiß wovon sie spricht, denn neben ihrer Tätigkeit als Ärztin hat sie jahrelang Gesundheitsunterricht an Tiroler Hauptschulen gegeben. „Für mich schließt sich hier ein Kreis“, erklärt die Pensionistin.

stefanie_fischerIm Gegensatz dazu ist Stefanie ein unbeschriebenes Blatt. Die 23-jährige Studentin ist bei den ICG 2016 das erste Mal als Volunteer im Einsatz. In welchem Einsatzbereich weiß sie noch nicht, „aber das ist auch nebensächlich“. „Hauptsache, ich kann mich sozial engagieren.“ Zum volunteer team tirol ist sie über eine Freundin gestoßen, die bei den YOG 2012 als Volunteer dabei war. Generell engagieren sich in Stefanies Freundeskreis viele ehrenamtlich, und zwar in ganz unterschiedlichen Bereichen: Ob im Museum, im Verein oder im Tierpark, sie alle schwärmen von ihren positiven Erfahrungen als Freiwillige. Das macht neugierig.

 

Warum bist du Volunteer? Was hast du davon?

Mit größter Selbstverständlichkeit kontert Stefanie mit einer Gegenfrage: „Warum nicht?!“. „Ich liebe neue Herausforderungen. Ich möchte neue Erfahrungen sammeln, einen Einblick in die Sportszene gewinnen und erleben, wie Großevents ablaufen“.

Auch für Brigitte sind neue Herausforderungen ein wesentlicher Beweggrund: „Jetzt in der Pension kann ich mich Dingen stellen, für die ich immer schon Interesse, aber nie Zeit hatte.“

Während Stefanie natürlich auch auf wertvolle Praxiserfahrung für ihre berufliche Zukunft hofft, möchte Brigitte ihr gesammeltes Wissen einbringen und weitergeben. Doch im gleichen Atemzug betont sie: „Volunteer sein ist ein Geben und Nehmen! Als Teil der Volunteer Community bekomme ich so viel zurück – all die Energie, die Aktivität. Begeisterung kennt kein Alter, sie macht uns zu einem Team“. Offen spricht sie das Tabu-Thema Einsamkeit im Alter an: „Nach der Pensionierung gerät man leicht in eine Isolation. Für mich bietet die Volunteer Community eine Chance, neue Kontakte zu knüpfen und aus diesen wiederum ergeben sich viele neue Möglichkeiten“.

Auch Stefanie hat ähnliche Gedanken: Sie stammt ursprünglich aus Wien und ist für ihr Masterstudium erst im Herbst nach Innsbruck gezogen. Nun freut sie sich darauf, im volunteer team nette neue Leute kennen zu lernen.

 

Über die falschen Motive

Stefanie meint auf die Frage, was sie sich von ihrem Einsatz beruflich erhofft: „Ich denke, es zeigt Arbeitgebern, dass Sozialkompetenz für mich nicht nur ein Wort ist, das in meinem Lebenslauf steht. Und, dass ich auch ein Leben neben der Uni habe“. Natürlich mache sich freiwilliges Engagement gut im Lebenslauf. Das sei aber das falsche Motiv. Sie wolle Erfahrungen für das Leben und nicht für den Lebenslauf sammeln. Brigitte trifft den Nagel auf den Kopf: „Wer sich in Wahrheit durch das Volunteer Dasein selbst profilieren will oder Lob für seine soziale Ader einheimsen möchte ist in unserem begeisterten Volunteer Team fehl am Platz“.

 

Über die Reaktionen von außen

Wer denkt, Volunteers wird nur Positives entgegengebracht, hat sich ordentlich geirrt:
So beschreibt Brigitte die Reaktionen aus ihrem Bekanntenkreis mit „gleichgültig bis skeptisch“. Für ihr unentgeltliches Engagement hätte kaum jemand Verständnis. Mit einem Schmunzeln meint sie: „Wenn Alte sich einbringen, wollen sie sich entweder wichtigmachen oder Geld.“
Stefanies Umfeld reagierte auf ihr Engagement als Volunteer grundsätzlich positiv, war aber doch überrascht, dass Stefanie „nichts“ verdient: „Willst du dir nicht lieber einen Job suchen, der auch bezahlt ist?“, wollten ihre Eltern wissen. Doch was den meisten nicht bewusst ist: Zwischen „freiwillig“ und „unentgeltlich“ besteht ein Riesenunterschied. Denn wer freiwillig arbeitet, bekommt menschlich so viel zurück. Das sei mit keinem Geld der Welt zu bezahlen.
In einem Udo-Jürgens-Song findet Brigitte schlussendlich die passenden Worte, die alles erklären:
„Was wirklich zählt auf dieser Welt, bekommst du nicht für Geld!“

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1 Kommentar

  • Christina Wilkenhöner ( Deutschland )
    Ein informativer Bericht, der mir sehr gefallen hat, weil er die Sicht verschiedener Altersstufen vermittelt. Ich habe im Laufe der Jahre bei den verschiedensten Events soviel nette junge wie "alte" Leute kennengelernt, das ist unvergleichlich und z.T. halten die Freundschaften schon über 10 Jahre. Liebe Grüsse an alle Volunteers und die, die es noch werden wollen.