Oberstalleralm Huts in Innervillgraten

Vom Leben im Tal: das Villgratental

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Irene Heisz

Die Journalistin, Autorin und Moderatorin Irene Heisz schreibt am... Zum Autor

Die eine oder andere Skischaukel? Fehlanzeige. Hotelpaläste mit multiplen Sternen, Erlebnishallenbad und Wellness-Landschaft? Nein. Ein Action-Event, der den anderen jagt, damit einem nicht langweilig wird? Haben die Villgrater auch nicht. Sie haben eigentlich gar nichts im Villgratental. Beziehungsweise alles, was man braucht. Und sie machen etwas sehr Gutes, heutzutage ganz und gar Außergewöhnliches daraus. Man muss es nur aushalten, auf sich selbst zurückgeworfen zu werden, sich selbst zu verlangsamen und ein leises, aber intensives Gespräch mit der hochalpinen Natur aufzunehmen.

Das Villgratental besteht aus den Ortschaften Außervillgraten und Innervillgraten. Die Häuser sind durchnummeriert, Ortsteile und Adressen heißen „Ebene“, „Gasse“ oder einfach „Dorf“. Mehr braucht es hier nicht. Keine 1.800 Menschen verteilen sich auf das Hochtal mit seinen steilen Wiesen und pittoresken (Bauern-)Häusern, deren verwitterte Holzfassaden uralte Geschichten erzählen. Geschichten von Geduld, Beharrlichkeit und einer tiefen, gesunden Verbundenheit mit dem Heimatboden. Geschichten von Sturheit und Misstrauen gegenüber allem Neuen, Fremden. Geschichten vom Geborgensein in der Sicherheit, dass jeder jeden kennt und alle katholisch sind, und Geschichten von einer fast autistischen Borniertheit, mit der das Ungewohnte in Gedanken, Worten und Werken beäugt wird.

Villgratental

Keine 1.800 Menschen verteilen sich auf das Hochtal mit seinen steilen Wiesen und pittoresken (Bauern-)Häusern, deren verwitterte Holzfassaden uralte Geschichten erzählen.

Lauter Eigenschaften, die im Guten sehr gut und im Negativen ziemlich verstörend sein können. Und dann gibt es sie ja doch, die unkonventionellen Denker, die kreativen Köpfe, die Leute, die über die Hohen Tauern (die nicht umsonst so heißen) hinausschauen. Den Schriftsteller, Lehrer und Historiker Johannes E. Trojer (1935-1991), zum Beispiel. Andreas Schett und seine Kolleginnen und Kollegen vom international hoch renommierten Ensemble „Musicbanda Franui“. Das Schafwollparadies „Villgrater Natur“ von Josef Schett. Und den jungen Modedesigner Bernd Mühlmann.

Josef Schett verarbeitet in seinem Unternehmen „Villgrater Natur“  in Innervillgraten jährlich die Wolle von 70.000 Schafen – das entspricht einem Drittel der österreichischen Schafwollproduktion.

Josef Schett verarbeitet in seinem Unternehmen „Villgrater Natur“ in Innervillgraten jährlich die Wolle von 70.000 Schafen – das entspricht einem Drittel der österreichischen Schafwollproduktion.

 

In der Reihe „Vom Leben im Tal“ porträtiere ich diesen Sommer verschiedene Tiroler Täler und erzähle Geschichten von viel Leben auf wenig Raum. So will ich Gästen aus aller Welt Tirol ans Herz legen und Einheimischen die Augen für das Besondere am Vertrauten öffnen.

Leben in Tirol

1 Kommentar

  • Waltl Franz & Hildegard
    Wunderschönes Tal.wir waren schon oft dort.Wir werden bald wieder Kommen zum wandern!