Drehtag 1 – 2 (Foto: Hafzoo)

Wenn der Ton den Film macht. Spurensuche im Schnee mit den Freeridern Stefan Häusl und Björn Heregger

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Michael

Michael Gams ist in seiner Freizeit viel im Land unterwegs: Beim... Zum Autor

„Wir haben kein Skivideo gedreht“, sagt der Tiroler Werbefilmer Andreas Hafele über sein jüngstes Werk, obwohl die beiden Hauptdarsteller Freeride-Skifahrer sind. Mit Geräuschen und Stimmen entführt der Film in die Gefühlswelt am Berg. Warum der Ton darin eine Hauptrolle spielt und das Filmteam auf allzu spektakuläre Actionaufnahmen verzichtet hat, erfahrt ihr unten im Making Of und im Interview mit den beiden Protagonisten Stefan Häusl und Björn Heregger. Aber zunächst lehnt euch mal zurück und genießt:

Film ab!

 

Making of – Ein Blick hinter die Kulissen

Seit zehn Jahren produziert Andreas Hafele (Hafzoo) preisgekrönte TV-Werbespots für Unternehmen wie Swarovski, McDonalds und Vodafone. Für sein jüngstes Filmprojekt „Heute eine Spur. Morgen ein neuer Weg.“ arbeitete Hafele erstmals mit dem Kameramann Hanno Mackowitz („Schneewallfahrt“) und zwei Freeridern zusammen. „Wir wollten kein klassisches Freeridevideo machen“, sagt Hafele, „deshalb haben wir die Geschichte auch nicht in ein Storyboard eingesperrt, sondern versucht, das Ganze sehr offen und dokumentarisch anzugehen und Stefan und Björn bei ihrer Arbeit zu begleiten.“ Drehort waren die Hänge rund um St.Anton am Arlberg, dem Wohnort der beiden Protagonisten Stefan Häusl und Björn Heregger.

Drehtag 1 - 6 (Foto: Hafzoo)

Drehtag 1: Gefilmt wird bei jedem Wetter. (Foto: Hafzoo)

Nebengeräusche als Hauptdarsteller

Neben den beiden Skifahrern sind Geräusche der dritte Hauptdarsteller im Film. Hafele konzentriert sich dabei auf vermeintliche Nebensächlichkeiten: „Wir wollen hörbar machen, wenn ein Freerider durch einen tief verschneiten Wald fährt. Aber auch Nebengeräusche, wie ein Liftbügel, der über eine Umlenkrolle fährt oder ein Drehkreuz bei einer Liftanlage.“ Hafele verkabelte die Protagonisten beim Skifahren mit Mikrofonen, um ihnen spontane Aussagen zu entlocken. Die markantesten Äußerungen wurden überarbeitet und von Heregger und Häusl nochmals neu eingesprochen.

Drehtag 1 - 5 (Foto: Hafzoo)

„Andreas hat sehr viel mit Tonaufnahmen gearbeitet,“ sagt Björn Heregger (rechts im Bild), “ ich glaube, das wird ein sehr intensiver Clip.“ (Foto: Hafzoo)

Im Gespräch mit Stefan Häusl und Björn Heregger

Noch während der Produktionsphase des Films hatte ich Gelegenheit, die beiden Protagonisten Stefan und Björn zu treffen. Beide leben in St. Anton am Arlberg und fahren als so genannte „Freerider“ hauptberuflich abseits gesicherter Pisten ab.

Das Video wurde zur Gänze in St. Anton am Arlberg gedreht. Warum dort?

Björn: Der Winter 2014/15 war sehr schwierig. Am Arlberg hat es aber auch, wenn der Winter schlechter ist als üblich, immer noch viel Schnee. Und ein Hauptgrund ist natürlich auch der, dass wir da wohnen. Wir kennen uns sehr gut aus. Bei den Dreharbeiten ist wichtig, dass Du weißt, wann wo gutes Licht ist, wann wo guter Schnee liegt und dann kannst Du am Berg effektiv arbeiten.

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Drehtag 2: Stefan Häusl und Björn Heregger in ihrem „Wohnzimmer“ am Arlberg. (Foto: Hafzoo)

Wie war denn die Zusammenarbeit mit Regisseur Andreas Hafele?

Stefan: Mit Hanno Mackowitz arbeiten wir schon lange zusammen, aber Andreas haben wir erst im Herbst 2014 kennengelernt, in der Stadt. Und da weiß man nie, wie die Menschen dann am Berg funktionieren. Wir sind ganz neutral in das Ganze reingegangen, aber dann hat er sich unglaublich gut geschlagen am Berg. Da versteckt sich wohl ein kleiner „Bergler“ in Andreas und es war super, mit ihm zusammenzuarbeiten. Er hat unsere Ideen angehört, wir haben einen guten Dialog am Berg geführt und es war überhaupt nicht so, dass er der Regisseur war und sagte „so muss das sein“. Wir haben da echt gut als Team zusammengearbeitet.

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Hanno Mackowitz (links im Bild) erhielt 2014 beim Bergfilmfestival in St. Anton den Jurypreis für seinen Film „Schneewallfahrt“. (Foto: Hafzoo)

Ihr wart während der Dreharbeiten zusätzlich mit Mikrofonen verkabelt, die euch den ganzen Tag über aufgenommen haben. Welche Idee steckt dahinter?

Björn: Die Idee vom Andreas war, dass man Emotion in den Spot reinbringt. Das kann man bei einem Freeride-Filmdreh eigentlich sehr schwer machen. Man muss sich als Protagonist irgendwie vor der Kamera entblößen, das macht man aber höchst ungern. Man macht‘s beim Skifahren, man macht‘s in diesen kurzen Augenblicken, aber so richtig kann man das schwer einfangen. Das würde ich sagen, geht mit Ton am besten. Weil man Aussagen hört, die man sonst nicht mitbekommt.

Stefan: Zwischendurch vergisst man, dass das Mikrofon eingeschaltet ist. Und wenn man da mal über den Kameramann schimpft, muss man sich sehr zurücknehmen. (lacht)

Drehtag 2 - 3 (Foto: Hafzoo)

Drehtag 2, Björn Heregger setzt seine Schwünge punktgenau: „Der Winter 2014/15 war sehr schwierig. Am Arlberg hat es aber auch, wenn der Winter schlechter ist als üblich, immer noch viel Schnee.“ (Foto: Hafzoo)

Filme vom Freeriden sind immer ein zweischneidiges Schwert: Einerseits zeigt man tolle Bilder vom Tiefschneefahren, andererseits will man aber auch nicht zu unüberlegtem Handeln anleiten. Wie seid ihr bei der Filmproduktion darauf eingegangen?

Stefan: Bei der zweiten Drehperiode haben wir den Dreh um fünf Tage verschoben, weil an dem geplanten Tag zu viel Wind war, die Schneequalität war schlecht und die Gefahr zu groß. Dann haben wir gesagt, wir warten lieber ein paar Tage, bis wieder frischer Schnee liegt. Bei den Aufnahmen haben wir eher auf die Schönheit geschaut. Ich glaube nicht, dass der Film zu sehr animiert, nur das Extreme schön zu finden, sondern auch das Sanfte.“

Im Film sieht es sehr mühelos aus, wenn ihr durch den Schnee surft. Wie anstrengend ist so ein Dreh wirklich?

Stefan: Beim Dreh ist die Selbsteinschätzung relativ einfach. Wir haben ja geschaut, dass wir schöne Aufnahmen machen und sind von der spektakulären Seite her nicht ans Limit gegangen. Aber die Tage waren sehr anstrengend. Du brauchst das Morgenlicht, du brauchst das Abendlicht und deshalb nützt Du eben den Tag aus. Wenn es dann auch noch stürmt, kann es schon anstrengend werden. Aber das haben wir schon geschafft, kein Problem.

Drehtag 1 - 4 (Foto: Hafzoo)

„Wenn es dann auch noch stürmt, kann es schon anstrengend werden“, sagt Stefan Häusl über die Dreharbeiten, „aber das haben wir schon geschafft, kein Problem.“ (Foto: Hafzoo)

Björn, Du absolvierst derzeit auch eine Ausbildung zum Bergführer. Gibt es da auch für Dich als Freerider viel Neues dazuzulernen?

Björn: Bei der Bergführer-Ausbildung geht es eher darum, dass man lernt, wie man mit einer Gruppe umgeht. Was ich privat mache als Freerider, kann ich sowieso nicht rechtfertigen mit einer Lehrmeinung. Das ist unser eigenes Ding und ich darf im Grunde in den Bergen machen, was ich will. Das ist ja das Schöne an dem Sport. Also es geht um die Eigenverantwortung und wenn ich das Risiko für mich vertreten kann, dann mache ich das. Bei der Ausbildung zum Berg- und Skiführer steht eher im Vordergrund, dass man lernt, mit einer Gruppe umzugehen. Wie schätze ich die Situation mit einer Gruppe ein? Wie führe ich eine Gruppe von Personen sicher durchs Gelände, die sich in den Bergen überhaupt nicht auskennt?

Stefan: Seit er die Ausbildung macht, gräbt er nur noch Löcher [um das Schneeprofil festzustellen, Anm. d. R.]. Wir kommen gar nicht mehr zum Skifahren! (lacht).

Wie zufrieden seid ihr mit dem, was ihr bis jetzt vom Film gesehen habt? (Zum Interviewzeitpunkt war der Film noch in Produktion, Anm.d.R.)

Stefan: Wir haben zum Teil die Aufnahmen gleich am Berg angeschaut, nur am kleinen Kamera-Screen. Vom Ton haben wir noch nichts mitbekommen. Andreas tüftelt und tüftelt, ich glaube der möchte daraus sein Meisterwerk machen. Wir freuen uns schon sehr auf das, was da rauskommt.

Björn: Wir kennen die Art, wie der Hanno filmt, aber wir wissen nicht, was der Andreas daraus macht. Er hat sehr viel mit Tonaufnahmen gearbeitet: Wind, Geräusche im Schnee und so weiter. Also das wird, glaube ich, ein sehr intensiver Clip.

Fotos: Hafzoo

Hafzoo Team:

Filmproduktion: Hafzoo
Regie: Andreas Hafele
Kamera: Hanno Mackowitz
Sound Design: Peter Kollreider
Text: Patrick Montagnolli
Schnitt: Stefan Krösbacher

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