Das Leben der Tiroler Bauern im Zeitraffer. Das Museum Tiroler Bauernhöfe.

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Kristina

Kristina Erhard war schon viel unterwegs, am liebsten in Afrika.... Zum Autor

Seit den 1970iger Jahren wurden auf dem riesigen, sanfthügeligen Areal in Kramsach über 30 Bauernhöfe, Nebengebäude, Schmieden, Kapellen und Mühlen aufbaut. Zum 40-jährigen Jubiläum wurde das Museumskonzept gemeinsam mit dem Stuttgarter Atelier Brückner überarbeitet. Seitdem präsentiert sich das Museum interaktiver und erlaubt einen spannenden Einblick in einen Teil der Tiroler Geschichte.

All diese Gebäude des Freilichtmuseums standen vormals irgendwo in Tirol. In den hintersten Tälern, auf steilen Berghängen oder in längst verlassenen Weilern. Um diese Zeitzeugen der Tiroler Geschichte zu schützen und zu pflegen, wurden die Gebäude in Kleinarbeit abgetragen und in Kramsach wieder aufgebaut. Jedes einzelne Gebäude erzählt seine eigene Geschichte. Bestimmte Formen, Schnitzereien und Aufrisse lassen die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Tiroler Region erkennen: ein Paarhof aus dem Paznauntal, dem Wipptaler Hof aus der Gegend rund um Innsbruck und den reichverzierten Einhöfen aus dem Unterinntal. So sieht sich das Museum Tiroler Bauernhöfe als Erhalter und Verwalter einer Tiroler Tradition. Mit dieser Vielfalt an markanten Hofformen wird auf einem Areal von etwa 8 Hektar die Lebens- und Wirtschaftsweisen der bäuerlichen Bevölkerung in der vorindustriellen Zeit anschaulich dokumentiert. Einem Standbein der Tiroler Gesellschaft, würde man meinen. Mit der Neugestaltung durch das Atelier Brückner taucht der Besucher seit diesem Sommer nicht nur in eine Welt der Bauern ein, sondern verlässt diese mit neugewonnenem Wissen.

Aus Alt mach Neu.

Die hölzernen Pavillons verstehen sich als Informant und Wegweiser zu der Geschichte der einzelnen Gebäude. Foto: ATELIER BRÜCKNER / Gabriele Grießenböck

Die hölzernen Pavillons verstehen sich als Informant und Wegweiser zu der Geschichte der einzelnen Gebäude. Foto: ATELIER BRÜCKNER / Gabriele Grießenböck

Das Stuttgarter Atelier Brückner entwickelte in enger Zusammenarbeit mit dem Kustos des Museums, Dr. Thomas Bertagnolli ein neues Konzept. Vier Themenwelten, die zum Mitmachen einladen, neue Aussichtsplattformen und virtuelle Einblicke in die bäuerliche Welt: Das sind die Eckpfeiler der Neuinszenierung des Museums. Rund um die historischen Gebäude sind spannende Informationsstationen entstanden, die interaktiv und spielerisch die vergangene Zeit veranschaulichen. „Unser Museum ist zu einem Ort geworden, wo man Wissen mit allen Sinnen begreifen kann“, freut sich der Museumsobmann Hans Knoll. Zwei Jahre arbeitete das Museumsteam intensiv daran, das Erscheinungsbild den Sehgewohnheiten der modernen Zeit anzupassen. Der Stuttgarter Ausstellungsgestalter Atelier Brückner schaffte es zum 40 jährigen Jubiläum, den stummen architektonischen Zeitzeugen  die Sprache der Information mit auf den Weg gegeben.

Zeitgeschichte.

Die Pavillons umrahmen Zeitgeschichte.Foto: ATELIER BRÜCKNER / Gabriele Grießenböck

Die Pavillons umrahmen Zeitgeschichte. Foto: ATELIER BRÜCKNER / Gabriele Grießenböck

„Wir beleben den historischen Bestand mit einer Narration“, erklärt Uwe Brückner, Kreativdirektor des Ateliers Brückner. „Damit lassen wir die historischen Gebäude noch nachhaltiger wirken“, führt er weiter aus. Gemeinsam mit dem Museumsteam entwickelten das Atelier vier Themen, die die Vergangenheit verständlicher und lebendiger machen sollen: Landschaft, Wirtschaft, Gemeinschaft und Herrschaft. Jedem dieser Themen hat Atelier Brückner einen hölzernen Pavillonbau gewidmet, der sich bescheiden aber trotzdem eigenständig in die Höfe-Landschaft einbringt. Diese Pavillons haben die Aufgabe, Überblick und Aussicht auf den erzählerischen Inhalt des jeweiligen Gebäudes zu bieten.

Wandprojektionen lassen die Vergangenheit wieder auferstehen. Foto: ATELIER BRÜCKNER / Gabriele Grießenböck

Wandprojektionen lassen die Vergangenheit wieder auferstehen. Foto: ATELIER BRÜCKNER / Gabriele Grießenböck

In den Höfen selbst sind die Themen der Pavillons als lebendige Geschichte aufbereitet: Filmische Projektionen lassen die Hofbewohner fast geisterhaft zum Leben erwachen. Mit Schauspielern wurden dazu kurze Filmsequenzen gedreht. Die Projektionen an den Wänden beleben virtuell die urigen Stuben. Fast lebensecht kann man eine Bäuerin beim Weben beobachten, oder erfährt von der Magd wie sie Butter herstellt. „Im Grunde helfen wir der Fantasie ein bisschen auf die Sprünge, denn diese Geschichten haben sich tatsächlich in den jeweiligen Höfen zugetragen“, erzählt Kustos Bertagnolli.

Kinderparadies.

Kindern spielerisch die bäuerliche Geschichte Tirols erzählen...verschiedenen Stationen laden zum Mitmachen ein.Foto: ATELIER BRÜCKNER / Gabriele Grießenböck

Kindern spielerisch die bäuerliche Geschichte Tirols erzählen…verschiedenen Stationen laden zum Mitmachen ein. Foto: ATELIER BRÜCKNER / Gabriele Grießenböck

Vor allem Kinder finden im neugestalteten Museum viel zu Entdecken. Viele Mitmachstationen fordern die Kleinen dazu auf, das damalige bäuerliche Leben im Einklang mit der Natur und der damaligen Tierwelt zu begreifen und zu verstehen. Die Geschichte der Höfe und somit auch Tirols und dem alpinem Leben soll nicht zu abstrakt, aber dafür spannend und interaktiv für die Kinder erlebar sein. Aber auch Erwachsene werden ihre Freude daran haben, mal für ein paar Stunden von der vernetzten und scheinbar überdigitalisierten Welt in ein anderes Zeitalter zu flüchten. Die historischen Gebäude sind nicht nur Zeugen der Vergangenheit, sondern auch eine Konzentration auf das (damals) Wesentliche: Gemeinschaft und Umwelt. Das könnte aktueller nicht sein.

Museum Tiroler Bauernhöfe

täglich geöffnet von Palmsonntag bis 31. Oktober 2015

1. Mai bis 30. September 2015 von 9.00 – 18.00 Uhr; letzter Einlass um 16.30 Uhr
1. bis 31. Oktober 2015 von 9.00 – 17.00 Uhr; letzter Einlass um 15.30 Uhr

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