Foto: Helena Manhartsberger

On the road. Tirol durch die fotografische Linse.

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Kristina

Kristina Erhard war schon viel unterwegs, am liebsten in Afrika.... Zum Autor

Jeder Ort und jedes Bild, egal wo auf der Welt, ist mit Geschichten verbunden. Hinter all diesen Geschichten stehen Menschen und ihre Erinnerungen. 

Vier Wochen, hunderte Kilometer und Höhenmeter, strömender Regen: Als Helena Manhartsberger letzten Sommer auf einem Motorrad aufbrach um Tirol zu fotografieren, wusste sie noch nicht was auf sie zukommen würde. Es war der kälteste Sommer seit Jahren, und doch, der gebürtigen Tirolerin wurde warm ums Herz. Es sollte eine Reise in die Seele eines Landes werden. Tirol von seiner besten Seite: nämlich seiner Bewohner. Zu sehen sind die eindrücklichen Fotografien im Rahmen der Ausstellung TIROLESIA ab 9. September im Fotoforum Innsbruck.

Helena fuhr mit ihrem Motorrad vier Wochen durch Tirol und absolvierte dabei etliche Kilometer und Höhenmeter. Das Foto hat sie über Matrei in Osttirol aufgenommen - an einem Tag, an dem es ausnahmsweise mal nicht regnete. Foto: Helena Manhartsberger

Helena fuhr mit ihrem Motorrad vier Wochen durch Tirol und absolvierte dabei etliche Kilometer und Höhenmeter. Das Foto hat sie über Matrei in Osttirol aufgenommen – an einem Tag, an dem es ausnahmsweise mal nicht regnete. Foto: Helena Manhartsberger

Alles begann vor fast 10 Jahren in Indonesien, mit ihrer ersten digitalen Spiegelreflexkamera fing die damals knapp zwanzigjährige Studentin an, ihre Umgebung durch die Linse zu betrachten. Stationen in Burma kurz nach dem verheerenden Zyklon 2008 und im Libanon sowie Syrien veränderten Helenas Sicht der Dinge. „Irgendwie habe ich immer eine Kamera gehabt: Kleine Taschenkameras, eine analoge Spiegelreflex, eine Wegwerfkamera, ich wollte immer schon Perspektiven aufzeigen. Ein Foto kann das, die Interpretation liegt im Auge des Betrachters, das ist das Spannende daran,“ erzählt sie. Durch ihr Studium der Internationalen Entwicklung in Wien vertiefte sich der sozial- und gesellschaftskritische Aspekt ihrer Fotografien. Für ein studentisches Austauschjahr ging Helena vor zwei Jahren an die Universität nach Yogyakarta auf Java, eine der vier Hauptinseln Indonesiens. Dort wurde die Idee zu ihrem Projekt TIROLESIA geboren.

Verbinden statt Trennen.

Auf dem Weg durch Tirol, aber auch durch Indonesien im Jahr davor suchte Helena nach verbindenden Elementen zwischen den vermeintlich "fremden" Kulturen und wurde auf oft überraschende Weise fündig. Foto: Helena Manhartsberger

Auf dem Weg durch Tirol, aber auch durch Indonesien im Jahr davor suchte Helena nach verbindenden Elementen zwischen den vermeintlich „fremden“ Kulturen und wurde auf oft überraschende Weise fündig. Foto: Digie Sigit

Der dem Fotografie-Projekt TIROLESIA zugrunde liegende Ansatz eines partizipativen Zugangs zu visuellen Medien wie Fotografie und Film verfolgt die Absicht, einen tiefer gehenden Austausch von Menschen in zwei Regionen anzuregen, die einander geografisch und kulturell scheinbar fern stehen.

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Von wegen „garstiges Bergvolk“: auf ihrem Motorradtrip durch die Tiroler Berge traf Helena auf  Offenheit und Toleranz, wo sie es am wenigsten vermutete.  Foto: Helena Manhartsberger

„Die Idee und der Grundgedanke von TIROLESIA ist ganz klassisch für eine kritischere Fotografie: der Dialog. Der Dialog zweier vermeintlich fremder Kulturen, Indonesien und Tirol,“ erklärt Helena die Anfänge der zweijährigen Fotoreportage, die sie auch auf einen Roadtrip quer durch die Inseln des ostasiatischen Landes führte.

Bildsuche.

Moidl erzählte Helena vom 2. Weltkrieg und wie sie niemanden auf der ganzen Welt ein solches Leid wünsche, alle Menschen hätten Frieden verdient. Foto: Digie Sigit

Moidl erzählte Helena vom 2. Weltkrieg und wie sie niemanden auf der ganzen Welt ein solches Leid wünsche, alle Menschen hätten Frieden verdient. Foto: Digie Sigit

Auch in Tirol begab sich Helena mit einem indonesischen Streetart-Künstler auf dem Sozius ihres Motorrads für vier Wochen auf eine Reise – um das „typische“ Tirol zu fotografieren. Diese Tour führte die Fotografin und den Indonesier Digie Sigit auf Bergbauernhöfe, Zeltfeste, in Gasthäuser und auf sommergrüne Skipisten.

Helena wurde von dem indonesischen Künstler Digie Sigit begleitet. Auch durch ihn und seine Fragen zu Tirols Bewohnern und Kultur eröffneten Helena neue Perspektiven: für sich selbst und ihre Kamera. Foto:?

Helena wurde von dem indonesischen Künstler Digie Sigit begleitet. Auch durch ihn und seine Fragen zu Tirols Bewohnern und Kultur eröffneten Helena neue Perspektiven: für sich selbst und ihre Kamera. Foto: Kristina Erhard

„Eine der faszinierendsten Stationen war der Jungbauernball in Innernavis,“ lacht Helena. „Ich dachte, man würde uns mit Vorurteilen begegnen, ich als tätowierte Tirolerin auf einem Motorrad mit Wiener Kennzeichen, einen ebenfalls tätowierten Indonesier hinten drauf. Aber im Zuge der Veranstaltung kam ich drauf, dass ich diejenige war, die Vorurteile hatte. Die Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit der Tiroler war etwas, was ich versuchte durch die Linse einzufangen,“ führt sie weiter aus.

Über 80 Fotografien von Tirol und Indonesien, die von 9. September bis 3. Oktober 2015 im Fotoforum Innsbruck ausgestellt werden, bezeugen eindrucksvoll die Bemühung, Stereotypen, Vorurteile und Klischees zu hinterfragen.

Fotoforum Innsbruck
Adolf-Pichler-Platz 8

Dienstag bis Freitag von 15.00 bis 19.00 Uhr
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