Wia hoasch’n du? Alte Vornamen für Tirol

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Christina

Mit ihrem Blick für Details erkundet Christina Schwemberger Land,... Zum Autor

Kommt ein neuer Erdenbürger auf die Welt, folgt auf die Frage nach dem Geschlecht sogleich: „Wie heißt denn das Kleine?“ In Tirol ist es nicht anders wie in anderen Ländern. Welcher Name gefällt, entscheidet nicht nur die Mode, sondern auch die Assoziation mit einem meist populären Träger dieses Namens, oft Fernseh- oder Popstars.

Über Geschmack lässt sich nicht streiten

Da gab es die „Kevin“-Welle in den 90igern, die nicht nur Tirol überflutet hat – plötzlich war dieser nicht mehr allein zu Haus. Fremdländische Namen wie „Jacqueline, Justin, Chantal & Co“ waren in diesen Jahren ebenso beliebt und richtige Aussprache-Stolpersteine der Omas, die meist nie englisch oder französisch gelernt hatten. Leider wurde selten darauf geachtet, ob der Tiroler Nachname harmoniert. Das hart ausgesprochene „K“ in vielen Regionen Tirols kam erschwerend dazu und sorgte für Gänsehaut auf so manchen Kinderspielplatz „Tschakkklin, wos hoschn etz schua wieder tun??“  In den Jahren 2000+ waren vor allem die Apostel die Namensgeber für viele Daniels, Noahs und Jakobs. Und Mädchennamen haben seither meistens ein melodisches, italienisiertes „a“ am Ende.

Traditionelle Namen sind immer in

Es gibt natürlich auch Dauerbrenner, die jede Modewelle überlebt haben. Johannes, Matthias, Lukas. Oder Maria, Johanna, Katharina. Wo aber sind die Karins, Ediths und Sabines der Siebziger? Was ist mit Günther, Herbert und Wolfgang? Als ich neulich eine Bekannte nach dem Namen ihres Neugeborenen gefragt habe, und diese antwortete stolz „Das ist mein kleiner Reinhard“, ist mir mein „Das ist aber nett!“ im Hals stecken geblieben. Warum eigentlich? Weil diese Name für ein süßes kleines Baby ungewöhnlich klingt. Oder um ganz ehrlich zu sein: er ist out, altmodisch. Es kann aber auch gut sein, dass diese Bekannte mit ihrem Reinhard eine echte Trendsetterin in Bezug auf die Namensgebung ist. Mal ehrlich, wer hätte vor zwanzig Jahren gedacht, dass die alte „Tante Emma“ wieder als attraktive Namensgeberin erscheinen würde? Eben.

Welche Namen könnten in Zukunft wieder „in“ sein?

Ich wollte wissen, welche Vornamen in Tirol vor 100, 200 Jahren vergeben wurden – ganz ohne Vorbilder aus dem Fernsehen, das es ja damals noch gar nicht gab. Einige davon habe ich hier für euch aufgelistet und meine persönlichen „fiktiven Top 10“ erstellt. Die Namen stammen aus einer alten Tiroler Ahnentafel und sind nicht nach Häufigkeit gelistet, nur nach meinem Empfinden. Wer weiß, vielleicht werden diese Vornamen eines Tages wieder modern. Und dann kann ich als echte Trendsetterin sagen, dass ich das immer schon geahnt habe… Ha!

Top 10 Mädchen- & Jungennamen in Tirol 2034??

  1. Crescentia: lateinisch, „die Wachsende, die Aufblühende“
  2. Dorothea: altgriechisch, „Gottesgeschenk“
  3. Emerentia: lateinisch, „die Würdige, die Verdienstvolle“
  4. Filomena: altgriechisch, „die der Liebe und Freundschaft treu bleibt“
  5. Genoveva: „die Schicksalweberin“
  6. Kunigunde: althochdeutsch, „das Geschlecht, der Kampf“
  7. Ludmilla: slawisch „die Gnädige, die Gütige des Volkes“
  8. Ottilie: althochdeutsch „der Besitz, der Reichtum, das Erbe“
  9. Scholastika: lateinisch „der Schüler“
  10. Zita (Felizitas): lateinisch „Glück, Fruchtbarkeit, Seligkeit“
  1. Amadeus: lateinisch „der von Gott Geliebte“
  2. Ambros: altgriechisch „unsterblich“
  3. Baptist: griechisch „der Täufer“
  4. Kassian: römisch „aus dem Geschlecht der Cassianer oder der Beraubte“
  5. Cosmas: griechisch „der Geschmückte, Ordnungsliebende“
  6. Pangraz: altgriechisch, „allumfassend, kraftvoll“
  7. Silvester: lateinisch „Mann aus dem Wald“
  8. Stanislaus: altslawisch „Festigkeit, die Härte, der Ruhm“
  9. Urban: lateinisch, „der Städter, der Gebildete“
  10. Walburg: althochdeutsch, „Herrscher einer Burg“

….zum Vergleich die (echten) Top 10 in Tirol 2014 (Stastik Austria):

  1. Anna
  2. Sophia
  3. Hannah
  4. Emma
  5. Lena
  6. Valentina
  7. Laura
  8. Lea
  9. Marie
  10. Emilia
  1. David
  2. Jakob
  3. Maximilian
  4. Felix
  5. Lukas
  6. Paul
  7. Elias
  8. Simon
  9. Raphael
  10. Matthias

Wie auch immer, eine gute Nachricht ist, dass keiner mit dem eventuellen schlechten Geschmack seiner Eltern leben muss, wenn er total unglücklich mit seinem Vornamen ist. Der Vorname kann jederzeit behördlich geändert werden (gegen Gebühr), bestimmt auch noch im Jahr 2034….

Allgemein, Kultur

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