Filmland Tirol: Wir sind James Bond, wir sind Film

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Anfang November kommt der neue Bond-Streifen in die Kinos, diesmal spielt neben Daniel Craig als James Bond auch die Tiroler Bergwelt eine wichtige Rolle. Was das Filmland Tirol mit James Bond und anderen Größen der Filmgeschichte verbindet, hat Markus Stegmayr für seinen folgenden Gastbeitrag recherchiert:

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Tirol ist nicht nur eins. Tirol ist viele. Tirol ist neuerdings sogar James Bond. Dadurch wird deutlich, dass eines oft übersehen wird: Tirol ist auch Filmland.

Von James Bond können wir viel lernen. Seine Wirkung auf Frauen ist zum Beispiel legendär. Wir lernen aber auch, dass wir unseren Martini geschüttelt, nicht gerührt konsumieren sollten. Vor allem können wir aber im Moment von James Bond lernen, dass Tirol ein wahres Multi-Talent ist, wenn es Filmschauplätze geht. Tirol ist nicht nur wunderschön, sondern vielseitig. Eigentlich seltsam, dass erst James Bond kommen musste, damit uns das wieder verstärkt bewusst wird.

Vom James Bond Film Spectre  ausgehend lässt sich jedenfalls eine umfassende Geschichte Tirols als Filmland erzählen. Und schon allein an James Bond lässt sich ablesen, dass Tirol in Sachen Kulissen wirklich alle Stückerln spielt. Die Produktionsfirma hinter diesem zukünftigen Blockbuster hat sich wohl nicht umsonst Tirol als Drehort ausgesucht. Wo sonst fänden sich so grundlegend unterschiedliche Orte wie Sölden und Obertilliach?

007 Daniel Craig bei den Dreharbeiten in Sölden, Foto: 2015 Columbia TriStar Marketing Group, Inc. and MGM Studios, Photo Credit: Alexander Tuma

007 Daniel Craig bei den Dreharbeiten in Sölden, Foto: 2015 Columbia TriStar Marketing Group, Inc. and MGM Studios, Photo Credit: Alexander Tuma

Sölden ist dabei wohl einer DER Wintersportorte in den Alpen. Perfekt präparierte Pisten soweit das Auge reicht, Infrastruktur vor Ort, die keine Wünsche offen lässt und Party rund um die Uhr. Das Gipfelrestaurant im Eiswürfel-Design ist ein echter Hingucker und wird sich im aktuellen Bond-Streifen sehr gut machen. Auch der Gaislachkogel darf demnächst vom Kinosessel aus bewundert werden.

Ein ganz anderes Kaliber ist hingegen Obertilliach. Gäbe es die Worte „abgelegen“ und „idyllisch“ nicht, dann müssten sie für diesen Ort erfunden werden. James Bond alias Daniel Craig schießt, kämpft und schlängelt sich hier überwiegend durch den wunderschönen historischen Ortskern.

James Bond in Obertilliach. Foto: 2015 Sony Pictures Releasing GmbH

James Bond in Obertilliach. Foto: 2015 Sony Pictures Releasing GmbH

Tirol: Ein Filmland mit langer Filmgeschichte!

Ein Filmland von internationalem Format ist Tirol aber nicht erst seit den Dreharbeiten für den aktuellen James-Bond-Film. Bereits 1905 wurde der Engländer Frank Ormiston-Smith auf Tirol aufmerksam. Dieser drehte Aufnahmen für seine Vorträge in England.

1913 entstand darüber hinaus ein Film mit dem Namen „Speckbacher“ der sich mit dem Tiroler Aufstand unter Andreas Hofer beschäftigte. 1925 „verirrte“ sich die Regie-Legende Alfred Hitchcock nach Obergurgl und Umhausen im schönen Ötztal. Dort drehte er den Film „The Mountain Edge“, der aber leider als verschollen gilt.

Eines der wenigen "Beweisfotos" vom Dreh des verschollenen Films "Mountain Eagle" mit dem Regisseur Alfred Hitchcock (zweiter v. rechts). Foto: Courtesy of the Academy of Motion Picture Arts and Sciences

Eines der wenigen „Beweisfotos“ vom Dreh des verschollenen Films „Mountain Eagle“ mit dem Regisseur Alfred Hitchcock (zweiter v. rechts). Foto: Courtesy of the Academy of Motion Picture Arts and Sciences

Wenige Jahre später, 1930/1931, filmte auch schon Arnold Franck den Klassiker „Der weiße Rausch“ in St. Anton und St. Christoph am Arlberg. Der Erfolg dieses Films war überwältigend.

Foto: Arnold Fanck, "Der weiße Rausch"

Foto: Arnold Fanck, „Der weiße Rausch“

Etwas unbekannter ist jedoch schon, dass nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges das kleine Dorf Thiersee im Bezirk Kufstein das Zentrum des österreichischen Nachkriegsfilmes wurde. Das Passionsspielhaus war damals das modernste Filmstudio des gesamten Landes.

In Tirol wurden auch zahllosen Heimatfilme gedreht. In den 50ern und 60ern setzte dieser regelrechte Boom ein. Wer kennt nicht die Bilder aus „Sissi“, aus „Dort oben, wo die Alpen glühen“ oder aus „Sturm am Wilden Kaiser“? Über die Qualität mancher dieser Film darf man geteilter Meinung sein. Nicht aber, dass sich auch hier die Berge von Tirol bestens machen und manchmal schon zu schön um wahr zu sein sind.

In diesem Zeitraum wurden aber auch einige, sagen wir es mal so, anspruchsvollere Filme gedreht, so zum Beispiel „The Gamma People“ von John Gilling in Imst.

1969 ging es in dieser Machart weiter. „Das vergessene Tal“ unter der Regie von James Clavell fand im Tiroler Gschnitztal die perfekte Kulisse um eine bewegende Geschichte auf Leinwand zu bannen. Außerdem wurden beim Film „Downhill Racer“ von Michael Ritchie Kitzbühel und St. Anton bestens in Szene gesetzt.

1987 war Tirol abermals auf den internationalen Leinwänden zu bewundern. Jean-Jacques Annaud entschloss sich, seinen Film „Der Bär“ in Osttirol zu drehen. Kein Wunder, denn die Berglandschaft rund um Lienz glänzt mit einer geologischen Vielfalt, die ihresgleichen sucht.

1991 wurde für die TV-Serie „Der Bergdoktor“ der perfekte Ort gesucht. Und mit der Gemeinde Wildermieming auf dem Mieminger Plateau über Telfs auch gefunden. Dort baute man kurzerhand das sogenannte „Bergdoktorhaus“. Bis 1998 wurde an diesem Ort auch für die besagte TV-Serie gedreht.

Natürlich ist diese Aufzählung unvollständig. Sie zeigt aber an, dass es Tirol an tollen Filmschauplätzen wahrlich nicht mangelt. Von Idylle und Schönheit bis Piste und Action ist hier alles zu haben und muss nur noch filmisch in Szene gesetzt werden.

Wir sollten also den aktuellen James-Bond-Film zum Anlass nehmen und uns wieder mehr bewusst sein, dass Tiroler ein Filmland allererster Güte ist. Und vielseitig und vielfältig wie wenig andere Orte. Tirol ist eben nicht nur eins. Tirol ist ganz, ganz viele.

 

Markus Stegmayr, Oktober 2015

(Artikelbild: 2015 Sony Pictures Releasing GmbH)

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