Bei den Rennen sorgen sie auf den extra reservierten Tribünen für eine fröhlich ausgelassene Stimmung (Foto: Ötztal Tourismus)

Treffpunkt Sölden: Wie Skifans, Fanclubs und Profis gemeinsam den Weltcupauftakt feiern

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Luca

Als Tiroler und Italiener in einem legt Luca besonders viel Wert... Zum Autor

Wann starte ich dieses Jahr in die Skisaison? Für viele mag es ein wenig trivial klingen, doch wenn man wie hier in Tirol die Qual der Wahl hat, ist es oftmals nicht so leicht, eine Entscheidung zu treffen. Wie so oft bei solchen Fragen kommt die Antwort fast von alleine. So erhalte ich zuerst eine Nachricht von einem guten Freund aus dem Tessin: „Hey Luca. Bin Ende Oktober in Sölden. Weltcup schauen und Skifahren. Bist dabei?“ Wenig später erfahre ich, dass auch Renate und Alfried, zwei gute Bekannte aus Hamburg, beim Weltcup Opening in Sölden dabei sein wollen.

Ab in den Urlaub, ab in den Weltcup

Am 24. und 25. Oktober findet in Sölden der Auftakt der neuen Ski-Weltcupsaison statt. Zum 18. Mal und seit 22 Jahren. Am Rettenbachferner werden jeweils ein Riesenslalom der Damen und der Herren ausgetragen.

Die beiden Hamburger, Renate und Alfried, kommen schon zum 15. Mal. Seit 2000 jedes Jahr. „Es ist der Reiz auf demselben Schnee, dem gleichen Gefälle und bei gleicher Sicht wie die Profis fahren zu dürfen“, erklärt Alfried den Grund ihrer jährlichen Abstecher ins Ötztal. Die abgesperrte Rennstrecke ist ja nur ein schmaler Teil des Söldner Gletscherskigebiets. So kann man bei den Rennen zuschauen und nebenbei auch selbst ein wenig fahren. Nicht selten sitzt man mit den Profis sogar im gleichen Lift.

So ein Weltcup-Event zeichnet sich durch eine ganz besondere Atmosphäre aus. Man fühlt sich wie in einer Art Wanderzirkus, der von Woche zu Woche seine Zelte woanders aufschlägt, und als Zuschauer macht es Spaß immer wieder dabei zu sein. Man trifft Gleichgesinnte und schließt Freundschaften. Letztendlich bucht man seine Skiurlaube nach dem Weltcup. So fuhren Renate und Alfried auch schon nach Schladming, St. Moritz, Val d’Isère, Tignes, Sotchi, Vail, Wengen, Kitzbühel und zu den olympischen Spielen in Albertville und Torino.

Doch nach Sölden, da fahren sie jedes Jahr hin. Da beginnt die Saison. Da kann man beobachten, wie gut die Athletinnen und Athleten aus der Sommervorbereitung kommen. Da beginnt ihre Reise und „auch wir starten in unsere persönliche Skisaison“, meint Alfried.

Dank einer Sicht auf die Strecke von fast 100 Prozent kann man das Spektakel vom Zielgelände aus fast in voller Länge genießen. Foto: Ötztal Tourismus

Dank einer Sicht auf die Strecke von fast 100 Prozent kann man das Spektakel vom Zielgelände aus fast in voller Länge genießen. Foto: Ötztal Tourismus

Der Weltcup der Fans

Ein fixer Bestandteil der Ski-Weltcup Community sind die diversen Fanclubs, die, meist aus ganz Europa kommend, ihre Schützlinge lautstark anfeuern. Auch für sie ist Sölden der langersehnte Auftakt in die neue Saison. 30 bis 40 Fanclubs reisen jedes Jahr an und nehmen an der traditionellen Fanparade teil. Bei den Rennen sorgen sie auf den extra reservierten Tribünen für eine fröhlich ausgelassene Stimmung. Für Chef-Organisator Ernst Lorenzi sind die Fanclubs „die Würze im Ski-Weltcup Opening“ und schon seit Beginn an fixer Bestandteil des Rahmenprogramms.

Die Fanparade findet am Samstagnachmittag statt. Hier konkurrieren die einzelnen Fanclubs mit einfallsreichen Auftritten um die Preise, die dann am Sonntag nach dem Herrenrennen bei einer großen Siegerehrung in feierlicher Stimmung übergeben werden. „Am aktivsten waren in den letzten Jahren die Fans aus der Region Le Gran Bornand“, meint Lorenzi. Sie sind eine riesige Gruppe und feuern alle Athleten aus ihrer Region an.

Auch ich erinnere mich noch lebhaft an die große französische Fantruppe. Als ich 2010 einmal zum Riesenslalom der Herren nach Sölden gefahren bin, wurde ich vom Nebel schnell enttäuscht. Nach einem erstklassigen ersten Durchgang, in dem sich die Führenden nur wenige Hundertstelsekunden voneinander platzierten, musste der zweite Durchgang abgesagt werden. Es gab kein Finale und keinen Sieger und aufgrund der Witterung wollte man auch selber nicht mehr fahren. Doch dann kam dieser riesige französische Fanclub und feierte eine hinreißende Party im Zielgelände. Selbst die Rennläufer nahmen daran teil. Ein tolles Erlebnis.

Fanclub "Le Gran Bornand" Foto: Lorenzi

Fanclub „Le Gran Bornand“ Foto: Lorenzi

Auch österreichische Fanclubs haben in den letzten Jahren für bleibende Erinnerungen gesorgt. Im Versuch, sich gegenseitig zu übertrumpfen, sind die Fans von Hannes Reichelt und Marcel Hirscher jeweils mit einem umgebauten Pistenbully und einer Straßenbahn bei der Fanparade aufgetreten.

Fan Club von Hannes Reichelt mit Pistenbully. Foto: Lorenzi

Fan Club von Hannes Reichelt mit Pistenbully. Foto: Lorenzi

Die italienischen Fanclubs sind auch sehr beliebt. Meist in nostalgischer Kleidung im Stile eines Luis Trenkers verteilen sie kistenweise Speck, Parmesan und Schnaps.

Foto: Lorenzi

Foto: Lorenzi

Die Schweizer sorgen meist mit Guggenmusik für musikalische Untermalung. Alles in allem ist die Show der Fanclubs in Sölden einmalig, denn nirgendwo sonst werden sie so stark unterstützt und gefördert.

Die Rennen

Natürlich ist auch für die Athleten das Ski-Weltcup Opening ein absolutes Highlight. Die beiden Riesenslaloms sind ein erstes Kräftemessen mit der Konkurrenz und liefern wichtige Hinweise auf die Qualität des Sommertrainings und die Abstimmung mit dem Material. Oft haben vor allem die Trainer dazu tendiert, die Relevanz der Sölden-Rennen ein wenig zu relativieren. Tatsache ist, dass die Rennen immer hochklassig waren und meist die Besten der Besten gewonnen haben.

Das bestätigt der Blick auf die Siegerlisten: mit Anita Wachter, Katja Seizinger, Martina Ertl, Michaela Dorfmeister, Lindsey Vonn, Anja Paerson, Stephan Eberharter, Bode Miller, Aksel Lund Svindal, Didier Cuche liest sich das wie das „Who is Who“ im Alpinen Weltcup. Mit je drei Siegen sind Tina Maze bei den Damen, Hermann Maier und Ted Ligety bei den Herren die Rekordsieger auf dem Rettenbachferner. Bereits neun Mal wurden Sölden Sieger am Ende der Saison auch Gesamtweltcupsieger, elf Mal gewannen sie den Riesentorlaufweltcup. 2014 räumten Marcel Hirscher und Anna Fenninger alle vier Kugeln ab.

Ted Ligety im Steilhang. Foto: Ötztal Tourismus

Ted Ligety im Steilhang. Foto: Ötztal Tourismus

Einen Zufallssieg hat es in Sölden so gut wie noch nie gegeben. Das lässt die schwierige Piste auf dem Gletscher gar nicht zu. Gelegen zwischen 3.040m und 2.670m, mit einem extremen Steilhang und einem langen, oft rennentscheidenden Flachstück wird hier den Rennläuferinnen und Rennläufern alles abverlangt: perfektes Timing, gute Gleitfähigkeiten, bestens abgestimmtes Material und viel Kondition. Der Sieg bleibt hier nicht dem Zufall überlassen.

Kuriositäten dagegen hat es schon des Öfteren gegeben: so fuhren 2014 Anna Fenninger und Mikaela Shiffrin mit exakt derselben Zeit zum Sieg. 2002 gewannen sogar drei Frauen mit der gleichen Zeit: die Tirolerin Nicole Hosp, Tina Maze und Andrine Flemmen. Als unglücklich und bizarr muss man wohl die Tatsache bezeichnen, dass der Pitztaler Champion Benni Raich es in Sölden noch nie auf das Podest schaffte. 2014, bei seinem letzten Versuch vor seinem Rücktritt, schrammte er nur knapp um eine einzige Hundertstelsekunde am dritten Platz vorbei.

Auch die heurigen Rennen, am 24. Oktober der Riesenslalom der Damen und am 25. Oktober der Riesenslalom der Herren, versprechen einiges an Spannung. In einer Saison ohne Großereignisse liegt der Fokus aller Athleten auf dem Weltcup. Da zählt jedes einzelne Rennen und am Ende der Saison können auch diese ersten Riesenslaloms den Kampf um die Kristallkugeln entscheiden.

Fazit

Bei perfekten Schneeverhältnissen im Gletscherskigebiet rundet man das Wochenende mit den ersten eigenen Schwüngen der Saison perfekt ab. Eigentlich ist die „ach so existentielle Frage“ nach dem eigenen Start in die Skisaison doch nicht so schwer zu beantworten. Es bedarf keinem großen Zufall, um zu entscheiden: „Lass uns doch nach Sölden fahren!“

 

(Titelfoto: Ötztal Tourismus)

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