Foto: Christian Flatscher

Tiroler Moderne. Tiroler Architektur. Daniel Fügenschuh.

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Der erste Eindruck ist wohl meistens der Prägendste. So auch beim Besuch des Ateliers von Daniel Fügenschuh in einer Innsbrucker Südlage. Nicht nur, dass ich mich inmitten eines lichtdurchfluteten hohen Raums befinde, der sagenhaft nach Holz riecht, nein, ich kann förmlich die Kreativität spüren. Pulsierend legt sie sich über all die Entwürfe auf den langen Arbeitstischen, dazu die offene Art des Innsbrucker Architekten. Und der Erfolg gibt Daniel Fügenschuh recht. Nicht nur die ausgezeichneten Projekte in Innsbruck und Tirol geben einen neuen, modernen Weg in der Tiroler Architekturszene vor, sondern auch das international renommierte UN-Gebäude in Montenegro, das er entworfen hat und ihn wohl zu einem der bekanntesten Tiroler Architekten macht. Und Engagiertesten.

Kristina

Kristina Erhard war schon viel unterwegs, am liebsten in Afrika.... Zum Autor

Daniel Fügenschuh setzte sich im Architekten-Wettbewerb durch und entwarf das ökologisch nachhaltige UN-Gebäude in Montenegro. Foto: Daniel Fügenschuh

Daniel Fügenschuh setzte sich im Architekten-Wettbewerb durch und entwarf das ökologisch nachhaltige UN-Gebäude in Montenegro. Foto: Milos Vujovic

Daniel Fügenschuh hat schon einige Stationen hinter sich, vor allem in räumlicher Hinsicht. Trotz langen Aufenthalten im Ausland, unter anderem in Amsterdam und der pulsierenden Metropole London, hat es den gebürtigen Innsbrucker wieder in die Heimat verschlagen. Und das mit Grund. Moderne Architektur war sehr lange ein ungeliebtes Stiefkind in Tirol, entwickelte sich wenn dann eher an versteckten Orten im Alpenland (man denke nur an das wunderbare verrückte Haus „Ufogel“ von Peter Jungmann in Osttirol). Inzwischen aber ist die moderne (und nachhaltige) Architektur omnipräsent im Land. Vor allem in Innsbruck und – viel wichtiger – maßgeblich durch Tiroler Architekten mitgeprägt. Eine schwere Geburt, aber eine, die Daniel Fügenschuh miterleben und auch mitprägen wollte.

„Um die Jahrtausendwende wurde plötzlich viel entworfen“, erzählt der Architekt. Wie Pilze schossen die Bauwerke namhafter internationaler Architekten aus dem Boden. „Einige davon sind natürlich wirkliche Eyecatcher“, führt er weiter aus. Da hat er recht. Natürlich (und fast schon ein alter Hut) sind die Stationen der Hungerburgbahn und die neue Bergisel-Sprungschanze von Zaha Hadid herausstechend – sowohl materialmäßig als auch formal. Hadid übernimmt zwar alpine Strukturen, löst sie aber aus ihrem ureigensten Ambiente und transportiert sie in den urbanen Raum, wo sie einzig als ästhetische Zitate übrig bleiben. Bei der Verwendung des Baumaterials bricht sie komplett mit dem traditionellen Gedanken, Material aus der Umgebung zu nützen, und setzt ausschließlich auf die visuelle Erscheinung.

Neue Innsbrucker Moderne. Zu sehen an einem Stadthaus in St. Nikolaus. Foto: Daniel Fügenschuh

Neue Innsbrucker Moderne. Zu sehen an einem Stadthaus in St. Nikolaus. Foto: David Schreyer

Modern mit grünem Gewissen.

Schön und gut für einen Anfang in die richtige Richtung modernerer Architektur in Tirol, aber Daniel Fügenschuh setzt dem wortwörtlich einen Hut auf. „Mir ist es wichtig, zusätzlich zu einer gewissen Moderne auch nachhaltig und vor allem mit Materialien aus der Region zu arbeiten“, erzählt der Architekt. Dabei herausgekommen ist ein faszinierendes Stadthaus im Innsbrucker Stadtteil St. Nikolaus, bei dem Fügenschuh gekonnt die Moderne mit dem „Alten“, mit der Tiroler Tradition, verbindet. Wenngleich auf schon ziemlich städtischem Niveau, da es sich bei dem Gebäude mit – nunmehr – Aufsatz um eine Stadtvilla der letzten Jahrhundertwende handelt. Aber vielleicht genau deswegen ist die Architektur von Daniel Fügenschuh so wegweisend und gleichzeitig so tirolerisch. Er bezieht die Landschaft mit ein, und Landschaft bedeutet Raum. Dieser kann durchaus städtisch sein und antwortet auch formal auf die Strukturen des Ambientes und betont mit den Baukörpern die Topografie der Landschaft.

Stadthaus mit "Hut", das Stadthaus bekommt einen schlichten Aufbau, der so eine visuelle Symbiose zwischen Alt und Neu eingeht. Foto: Daniel Schreyer.

Stadthaus mit „Hut“, das Stadthaus bekommt einen schlichten Aufbau, der so eine visuelle Symbiose zwischen Alt und Neu eingeht. Foto: David Schreyer.

Animation Stadt.

Ein ähnlich sensibles Beispiel hat Daniel Fügenschuh bereits vor einigen Jahren mit der Innenstadtbelebung von Kufstein vorgelegt. „Inmitten der alten Innenstadt wird der Besucher von einer bewusst reduziert gestalteten Architektur empfangen“, erklärt er. Klare Linien, natürliche Materialien und warme Farben sind die Quintessenz dieses Projekt und die Simplizität sein wichtigstes Stichwort. Fügenschuh setzt auf eine „entschleunigte Welt“ aber in einer multifunktionalen Auslebung. Weg von der sogenannten „Grünen Wiese“ der 1980iger Jahre, auf denen riesige, unpersönliche Einkaufszentren am Rande der Stadt entstanden sind, hin zu einer durchmischten und genutzten Innenstadt. „Die Stadt als Spielfeld der kreativen Interventionen nutzen“, so würde es der Innsbrucker Architekt nennen.

Die Stadt als Spielfeld der kreativen Interventionen nutzen - Innenstadterneuerung Kufstein. Foto: Christian Flatscher.

Die Stadt als Spielfeld der kreativen Interventionen nutzen – Innenstadterneuerung Kufstein. Foto: Christian Flatscher.

Fazit.

Eines ist gewiss: Die Tiroler Architektur ändert sich, Stile werden vermischt, neu interpretiert und – dem ökologischen Gewissen entsprechend – nachhaltig interpretiert. Ganz vorne dabei: Daniel Fügenschuh, der Akzente dort setzt, wo man es vielleicht nicht erwarten würde und genau deswegen eine Tiroler Vorreiterrolle annimmt.

1 Kommentar

  • judith
    hallo, ich denke die Fotos sind von David Schreyer und nicht von Daniel Schreyer!? LG Judith