Blick von der Salvenkapelle auf die Berge

Wiedergefundenes Pistenglück: Zurück auf die Ski in Tirol

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Ein Wiedereinstieg auf die Ski ist einfacher als gedacht, Susi erzählt uns in diesem Gastbeitrag wie es sich anfühlt wenn man nach Jahren (endlich) wieder auf der Skipiste steht:

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Alpenpanorama Hohe Salve Tirol Winter

Ich stehe oben. Um mich herum ist alles weiß, mein Blick schweift über unzählige Berggipfel bis zum Horizont. Irgendwie ging bis hierher alles ganz einfach: Im Sportgeschäft bei der Talstation verpasst man mir innerhalb von Minuten die passende Skiausrüstung. Kurz danach steige ich schon in die Gondel, dann direkt in einen Sessellift und – schwups – stehe ich auf einem 2.000m hohen Berg, mitten in diesem weißen Zeug, von dem ich die letzten Jahre kaum etwas zu Gesicht bekommen hatte.

Die verschneiten Berghänge, die anderen Skifahrer, die Snowboarder, die Berghütten, die klobigen Stiefel an meinen Füßen und die Bretter darunter – ein bisschen komisch fühlt es sich schon an, nach über 13 Jahren auf einmal wieder auf Skiern zu stehen. Aber auch seltsam vertraut.

Damals überragten mich meine alten Ski noch um gute 15cm, jetzt halte ich knallbunte, seltsam breit geformte Bretter in der Hand, die mir gerade mal bis zur Brust reichen.

Als ich zum letzten Mal Ski unter meinen Füßen hatte, gab es noch keine Carving Ski. Niemand außer Skirennfahrern trug Helme und es gab überall Schlepplifte. Vorbei die Zeiten, in denen der Moment des Ein- und Ausstiegs im Lift zur unablässigen Reifeprüfung des eigenen Skikönnens mutierte: Heute ist alles voller Sessellifte, die nicht nur zum Ein- und Aussteigen abbremsen, sondern zum Teil auch noch beheizt sind! In meinen Augen ein paar Argumente mehr, endlich wieder mit dem Skifahren anzufangen.

Und wo könnte ich das besser, als an dem Ort, wo alles begann? In Tirol hatte ich im zarten Alter von vier Jahren Skifahren gelernt und dort auch später zahlreiche Skiurlaube und Skiwochenenden verbracht. Viele Skigebiete in guter Reichweite von meiner süddeutschen Heimat plus Alpenpanorama plus Tiroler Schmankerln – mir erschien es völlig logisch: Mein Wiedereinstiegs-Wochenende würde in Tirol stattfinden oder gar nicht.

Und so stehe ich eine Bahn-, Taxi- und Bergbahnfahrt später auf der Hohen Salve im Skigebiet Wilder Kaiser-Brixental bei Söll, dem größten zusammenhängenden Skigebiet Österreichs. Doch das ist gerade nebensächlich, denn bereits diese eine, weiße, steile Piste vor mir ist erst einmal genug.

5 Kapelle Gipfel Hohe Salve Tirol

Zum Glück habe ich den fesch-sympathischen Skilehrer Patrick an meiner Seite, der mich jeden Tag für ein paar Stunden beim Wiedereinstieg coacht – von Tipps zur richtigen Skitechnik bis Mut machen. Zum Start fahren wir auch gleich rauf auf den Berg und nehmen uns in der Nähe der Mittelstation eine einfache blaue Piste vor – inklusive Bergpanorama und ohne Anfängerhügel-Schmach.

Etwas nervös bin ich trotzdem, als es dann endlich losgeht und ich mich auf meinen geliehenen Carvern den Hang hinter Patrick hinuntergleiten lasse. Etwas wackelig fühlt es sich an und ich merke, dass ich mich erst mal wieder herantasten muss.

Doch schon nach wenigen Minuten beginnt mein Körper sich zu erinnern: an längst vergessen geglaubte Bewegungsabläufe, das Gleiten auf dem Schnee, das Gefühl der Bretter unter meinen Füßen. Es ist tatsächlich ein bisschen wie Fahrradfahren, oder Schwimmen – einmal zurück im Sattel (bzw. Wasser) merkst du, dass du es eigentlich nie verlernt hast. Du musst dich nur trauen und auf deinen Körper hören.

Nach zwei, drei Abfahrten kommt dann auch Schwung in die Sache. Auch mein Gehirn erinnert sich wieder, warum mir Skifahren damals so Spaß gemacht hat: Es ist diese unschlagbare Kombination aus Bewegung in freier Natur und Geschwindigkeit, gepaart mit Bergpanorama-Ausblicken und Hütten-Feeling.

Tirol Schnaps Verköstigung

Essen Tirol Hotel Hochfilzer Soell

Beschwingt von den ersten Erfolgen kehre ich am frühen Nachmittag etwas müde, aber voller Stolz und guter Laune zum Hotel zurück. Beim Wiedereinstieg auf die Ski soll man es lieber nicht übertreiben und so genieße ich den restlichen Tag zwischen Wellness-Bereich und leckerem Schlemmer-Menü aus lokalen Zutaten, besuche einen fast 500 Jahre alten Almbauernhof und steigere meine gute Laune noch bei einer kleinen Tiroler Schnaps-Verköstigung mit Bauer Simon. Später lasse ich den Abend bei einer Schneeschuhwanderung im Mondlicht ausklingen (was ich im Gegensatz zu Skifahren noch nie vorher gemacht habe.)

Schon am nächsten Tag fühle ich wieder ein bisschen wie ein alter (Ski)Hase, als ich wie selbstverständlich mit meinen Skiern in der Hand zur Gondel stapfe. Schon ein paar Abfahrten unter Anleitung später fangen die blauen Pisten an, mich zu langweilen. Zu meiner neuen Lieblingspiste wird eine längere, steilere rote Piste, bei der ich mich so richtig konzentrieren muss und Kraft brauche, aber auch aus wie aus einem Guss hinunterheizen kann. So stelle ich mir das vor!

Ich werde abenteuerlustiger und teste andere Pisten auf der Suche nach der besten, mit dem meisten Schnee und dem schönsten Ausblick. Den finde ich ganz oben, auf dem Gipfel der Hohen Salve, der nicht umsonst Aussichtsberg heißt: Vor mir erstreckt sich ein Alpenpanorama wie eine Fototapete, durch die sich Paraglider schrauben. Angeblich 70 Dreitausender kann man von hier oben bestaunen.

Dummerweise ist der einzige Weg auf Skiern hinunter die schwarze Piste. Fies sieht sie von hier oben aus, steil und vereist. Und doch will ich es jetzt wissen und beschließe, sie zum Endgegner meiner Wiedereinstiegs-Challenge zu machen. So schwer kann das schon nicht sein! Unser fescher Privatskilehrer Patrick will mir zeigen, wie man sie fährt.

Und so stehe ich kurze Zeit später oben am Steilhang und nehme meinen Mut zusammen. Die Super-Skifahrer zischen derweil links und rechts an mir vorbei. Ein bisschen mulmig ist mir schon. Doch dann halte ich vorsichtig auf den Steilhang zu und muss tierisch kanten und mich konzentrieren, um auf dem schattigen Hang nicht wegzurutschen. Aber es geht! Irgendwie!

Der Rest bis zur Mittelstation kommt mir vor wie ein Kinderspiel. Ich bin voll drin im Flow und halte kein einziges Mal mehr an.

Was für eine Fahrt! Was für ein Wochenende! Ich kann (wieder) Skifahren!

Und auf einmal freue ich mich wieder auf den Winter.

 

Susi MaierSusi Maier ist stets fernwehgeplagte Reisebloggerin und immer auf der Suche nach neuen Abenteuern und außergewöhnlichen Reiseerlebnissen, über die sie in ihrem Blog www.blackdotswhitespots.com berichtet. Nach einem Skiunfall will die Stuttgarterin diesen Winter bereits den zweiten Wiedereinstieg auf die Ski wagen – natürlich in Tirol.

 

 

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