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5 Gerüchte übers Wintercamping und warum ihr es trotzdem versuchen solltet

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Wintercamping. Brrr. Bei Wintercampen denken viele an unbequeme Nächte, kalte Füße und Nässe. Ich will nicht bestreiten, dass Wintercampen eher was für den abenteuersuchenden Wintersportler ist aber, glaubt mir, ausprobieren muss man es schon einmal!
Mirte

Mirte van Dijk kommt aus Holland aber sucht ununterbrochen nach... Zum Autor

Camping im Sommer ist eine Lieblingsbeschäftigung vieler. Ihr denkt euch wahrscheinlich: denn wer will schon bei minus 10 Grad auf seiner Luftmatratze schlafen, nach einem Skitag in seinem (un)bequemen Campingstuhl relaxen und mit dem Gaskocher Kaiserschmarren kochen? Ihr werdet euch wundern wie komfortabel Wintercamping sein kann ;-)

Ob mit dem Expeditionszelt oder im riesigen Wohnmobil, ich habe Tirol und seine Campingplätze schon auf verschiedenste Arten kennengelernt. Ich kann es euch nur empfehlen und darum möchte ich jetzt mit ein paar Missverständnissen aufräumen.

Camping Stubai, Neustift – Foto: Bartolomedia

1. Campingplätze sind nicht schön
Wie bei Hotels gibt es auch bei Campingplätzen verschiedene Preis- und Komfortklassen. Im Stubaital gibt es einen Campingplatz mit Whirlpool, in St. Anton am Arlberg hat man ein eigenes Badezimmer und in Fieberbrunn schläft man direkt an der Skipiste. Außerdem gibt es eigentlich auf allen Wintercampingplätzen beheizte Räume zum Trocknen der Skikleidung, Wlan und eine gute Skibusverbindung. Wenn man es lieber etwas ruhiger mag dann gibt es auch genügend Campingplätze die nicht direkt neben einem Skigebiet liegen. Hier hat man meist einen größeren Stellplatz und kann sich abends den Sternenhimmel anschauen und gemütlich mit den Nachbarn vor dem Schlafengehen einen Schnaps trinken.

2. In einem Wohnmobil hat man nicht alles was man braucht
Ein Wohnmobil hat eine Heizung, genügend Sitzmöglichkeiten, eine Küche, Verstaumöglichkeiten für Kleidung und Gepäck und auch ein gutes Bett. Oft gibt es auch ein eigenes WC oder sogar eine Dusche. Der größte Vorteil an einem Wohnmobil ist, dass man quasi sein eigenes Haus dabei hat. Wenn es also im nächsten Tal mehr schneit kann man einfach weiterziehen!
Beim Ausleihen eines Wohnmobils solltet ihr darauf achten, dass es für einen Winterurlaub ausgelegt ist. Und wenn ihr euer eigenes Wohnmobil dabei habt macht es unbedingt winterfest (Winterreifen, Scheibenfrostschutzmittel, …). Alles zusammengerechnet kann das immer noch billiger sein als in einem Hotel zu übernachten.

3. Campen ist unpraktisch
Das kommt natürlich darauf an. Wenn man mit Zelt und Rucksack in die Berge wandert ist das etwas anderes als mit dem Wohnmobil durch sein Lieblingstal zu fahren.
Der erste Vorteil ist aber, dass man den Luxus hat mehrere Skigebiete zu besuchen. So bekommt man richtig das Gefühl auf Reisen zu sein und die Region besser kennen zu lernen. Außerdem ist auf einem Campingplatz meistens noch ein Platz frei, man muss also nicht vorher reservieren und kann Ankunft und Abfahrt flexibel gestalten.
Das ganze Gepäck zum Hotelzimmer tragen? Auch das ist beim Campen nicht notwendig. Etwas Ruhe nach einem anstrengenden Tag auf der Piste? Das klappt hier super. Und wo die Socken normalerweise im Hotelzimmer stinken kann man sie hier einfach in den Trockenraum hängen.
Immer noch nicht überzeugt? Wie wäre es mit einem „privaten“ Parkplatz direkt beim Skigebiet? Schon oft durfte ich mit dem Wohnmobil direkt an der Liftstation parken weil es zu groß für die normalen Parkplätze war ;-).

4. Mit dem Wohnmobil kommt man nicht überall hin
Letzten Winter habe ich in fünf Wochen ungefähr 30 Skigebiete in Tirol besucht, mit einem riesigen Wohnmobil. Ich bin also viele Kilometer über Berge, durch Täler, Tunnel, Waldwege und Wohngegenden gefahren. Während der Vorbereitung hatte ich Angst vor dem Gefälle, dass die Wege nicht schneefrei sind oder dass ich es nicht schaffe das Wohnmobil ohne Kratzer durch die Dörfer zu manövrieren. Nach dem ultimativen Test am Stubaier Gletscher, wo ich bei -20 Grad ohne Schneeketten die Bergstraße hochfahren konnte, wusste ich dass ich zu Unrecht besorgt war. Ein Wohnmobil ist sicher und lässt sich leichter lenken als man denkt. In den Dörfern hat man, wenn man etwas Acht gibt, normalerweise keine Probleme und die Hauptstraßen sind fast immer schneefrei.

5. Man ist abgeschirmt
Ja und nein. Wenn man will, kann man ganz für sich sein. Aber auf einem Wintercampingplatz – Wintercamping ist ein gemeinsames Hobby – bekommt man immer Hilfe und kann auf einen Kaffee vorbei kommen. Du streichelst den Hund der Nachbarn, machst ein Feuer am Grill, hilfst jemandem beim Aufhängen der nassen Skikleidung, spielst mit dem Kindern oder fragst einfach nach dem Weg. In allen Situationen wirst du merken, dass der Kontakt viel unkomplizierter abläuft als in einem Hotel wo sich viele Gäste in ihren Zimmern zurückziehen. Weil der Platz in einem Wohnmobil etwas kleiner ist als in einem Hotelzimmer spielt sich einfach viel mehr draußen ab. Man kann also sehr leicht neue Leute kennen lernen.

Nach einem guten Frühstück rauf auf den Berg in Kitzbühel – Foto: Bartolomedia

Gibt es also gar keine Nachteile? Natürlich schon, aber für mich überwiegen die Vorteile und das einmalige Erlebnis auf einem Campingplatz. Und der Luxus? Jeden Tag ein neues Skigebiet zu erkunden, das ist doch mehr als genug Luxus!

Die Aussicht vom Camping Mayrhofen – Foto: MVD Media

Reiseberichte, Winter

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