Achtsamkeit für Anfänger

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Unter den Füßen knirscht der Schnee, die Sonne bringt das Licht im Wald zum Tanzen und die Luft schmeckt süß nach Tannennadeln. Weit entfernt ist Vogelfiepen zu vernehmen und von den Ästen altehrwürdiger Bäume fallen leise schwebend kleine Eiskristalle zu Boden. Alles scheint verzaubert, magisch. Und doch steckt keine Magie hinter diesem Zauber, sondern zwei einfache Zutaten: Achtsamkeit und die Schönheit der Tiroler Natur.

Julia

Julia König bändigt zwei kleine, aber umso wildere Jungs und ist... Zum Autor

Seit einigen Jahren schon findet der Buddhismus immer mehr Anklang, seine Lehren werden in ganz Europa praktiziert. Yoga, Meditationen und zahlreiche fernöstliche Praxen sind längst keine exotischen Übungen mehr, sondern Teil einer europäischen Alltagskultur oder zumindest zu einem starken Trend geworden. Mit dabei: die Lehre der Achtsamkeit.

Wie Wikipedia mir erklärt, hat Achtsamkeit nur bedingt etwas mit Konzentration zu tun – vielmehr geht es dabei um das Innehalten. Zu Sein, wo man gerade ist, alle Eindrücke ganz wertfrei wahrzunehmen und auf sich wirken zu lassen. Achtsamkeit ist das „gegenwärtige Erleben, gekennzeichnet durch Neugier, Offenheit und Akzeptanz.“ (Bishop et al., 2004)

So wundert es mich nicht, dass so viele Menschen heutzutage nach Achtsamkeit streben – sind wir doch im Alltag mit einem solchen Überfluss an Eindrücken konfrontiert, dass wir damit nur umgehen können, indem wir diese Eindrücke sortieren, bewerten, ablegen und mit Scheuklappen durch den Tag gehen. Und dadurch entgeht uns so einiges…

Die größten Lehrmeister in Sachen Achtsamkeit sind Kinder. Gefühlte Ewigkeiten können sie sich mit einem abgefallen Blatt oder einem moosbewachsenem Stock beschäftigen, auf der Suche nach Waldgeistern selbst die kleinste Höhle entdecken (nicht zuletzt ist „Ich seh etwas, was Du nicht siehst“ ein beliebtes Kinderspiel, bei dem die Kleinen praktisch unschlagbar sind) und sie sind vor allem eins: in der Gegenwart.

Wir wohnen in einem kleinen Ort direkt am Berg und der Wald ist unser liebster Spielplatz. Mit den Kindern gemeinsam schaffen wir jeden Tag aufs Neue kleine Wunder: es entstehen Waldhäuser, Piratenschiffe, Waagen, gelegte Labyrinthe und Steinmännchen aus jenen Dingen, die uns der Wald gibt: Tschurtschen (oder Tannenzapfen), Steine, Stöcke und Moos, im Winter auch mal Eiszapfen.

Es ist nicht nur der Zeitvertreib, weshalb wir es im Wald so lieben…Genau diese Dinge zu erschaffen ist auch so wunderbar sinngebend und entspannend. Zu sehen, was da ist und etwas nur für den Moment zu machen, nur für sich, ohne gefallen zu wollen, ohne beeindrucken zu müssen, sondern einfach nur, um es zu tun. Weil man stehen bleibt und die Landschaft sieht, sie betrachtet und dabei ganz und gar auch in das Kleine eintaucht.

Ich bin dankbar, dass ich hier leben darf, denn dieses Land im Gebirg kann einen manchmal schon fast zur Achtsamkeit zwingen: hier bringt die Natur zwischen mächtigen Bergwelten filigrane Blumen hervor. Hier legt sich Schnee sanft wie eine weiche Decke über Wiesen und Wälder. Hier findet man Orte, an die kein Straßenlärm und kein Handyempfang dringen. Hier kann ich eintauchen und durchatmen, bestaunen und mich voller Demut über die vielen kleinen und großen Dinge freuen, die uns die Natur zum Geschenk macht.

Winter im Ötztal

 

Tipps

Man muss nicht weit weg fahren, um achtsam zu sein – aber die Übung gelingt im Urlaub garantiert leichter, als in der Hektik des Alltags. Hier meine persönlichen Urlaubstipps für Achtsamkeits-Urlaub in den Alpen:

•    Meine intensivste Achtsamkeitserfahrungen habe ich am Jakobsweg gemacht! Mit der richtigen Portion Gemütlichkeit wird das Gehen zur Meditation und Achtsamkeit fällt besonders leicht. Zwei Etappen bieten für mich ganz besondere Naturerlebnisse: auf der Etappe zwischen Itter und Breitenbach gelangt man, nach einem Aufstieg durch einen recht finsteren Wald, auf ein Hochplateau, das einen mit einer Weitsicht sondergleichen beschenkt; und auf der Etappe zwischen St. Anton am Arlberg und St. Christoph am Arlberg durchquert man die wunderschönen Maienseen, die ganz versteckt durch ihren Kontrast zwischen den schroffen Berggipfeln und weichen Graspolstern bestechen.
•    Einige Tiroler Regionen haben sich auf Urlaubsaktivitäten spezialisiert, bei denen man sich ganz auf sich und die umgebende Natur besinnen kann – sie nennen sich die Winterzauberregionen.
•    Bei einer Nature-Watch-Wanderung begibt man sich auf die Suche nach besonderen Naturschätzen – eine gute Übung in Sachen Achtsamkeit, denn die braucht es, um Murmeltiere, besondere Kräuter und die Naturwunder im Wassertropfen zu entdecken.
•    Yoga-Urlaub wird unter anderem im AlpenRetreat in Nassereith angeboten und im Wanderdorf Brixen im Thale führen „ruhige Pfade“ zu ganz besonderen Kraftorten.

1 Kommentar

  • BirgitBauerEnnemosrr
    Der Gamskogel ich trainiere und besteig ihn wie vor 45 Jahren…wenns sein muss auf allenVieren und 3 Wochen Muskelkatet