Weihnachtsbaum (c) Tourismusregion Alpbachtal

Bitte einen echten Tiroler! Auch zu Weihnachten.

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Weihnachten ohne Christbaum? Nie und nimmer!

Alle Jahre wieder … ist es für meine Familie und mich ein ganz besonderes Erlebnis, unseren Christbaum zu kaufen. Schließlich ist er über die Feiertage unser stiller aber umso spektakulärer Mitbewohner.

Fabienne

Fabienne ist Tirol Werberin aus Leidenschaft. War früher ständig... Zum Autor

Bis an die Zimmerdecke muss er reichen, schön buschig sein, aber keinesfalls perfekt – denn meistens entscheiden wir uns für ein Exemplar mit einem klitzekleinen Makel, wie heuer mit einem leichten Knick in der Krone. Aber es sind nicht nur die äußeren Werte, die in Sachen Christbaum zählen. Für uns ist es ein Muss, dass unser Baum ein echter Tiroler ist.

Ehrensache für die Jungs, dass sie beim Christbaumkauf mit anpacken.

Ehrensache für die Jungs, dass sie beim Christbaumkauf mit anpacken.

 

Tirol isch lei oans … auch beim Christbaum
Die Tiroler gelten ja ohnehin als ziemlich patriotisch,  und so verwundert es nicht, dass diese emotionale Verbundenheit auch in Sachen Christbaum immer stärker zum Tragen kommt. Schon Wochen vor Heilig Abend machen sich viele Tiroler auf, um ihren ganz persönlichen Baum auszuwählen – entweder bei einem der zahlreichen Christbaummärkte oder noch besser: direkt im Wald. Denn immer mehr Menschen kaufen nicht „irgendeinen“ Baum von „irgendwoher“, sondern legen Wert darauf, dass sie zu Weihnachten einen Baum mit Herkunftsgarantie in der Stube oder im Wohnzimmer stehen haben.

Ein besonderes Erlebnis, den eigenen Christbaum direkt beim Bauern aus dem Wald zu holen. (c) Tiroler Christbaum Tunelhof

Ein besonderes Erlebnis, den eigenen Christbaum direkt beim Bauern aus dem Wald zu holen. (c) Tiroler Christbaum Tunelhof

 

20 Jahre Tiroler Christbaum
Diesen Trend haben auch einige Tiroler Bauern frühzeitig erkannt und angefangen, sich auf den Anbau von Christbäumen zu spezialisieren – letztes Jahr feierte der Verein Tiroler Christbaum sein 20jähriges Jubiläum und für viele Mitglieder ist das Geschäft mit den Christbäumen mittlerweile der Haupterwerb. Laut Forstreferentin Christina Gruber werden in Tirol um die 160.000 Weihnachtsbäume gekauft, davon sind immerhin schon rund 30.000 Bäume „gewachsen und veredelt“ in Tirol. Dass diese heimischen Christbäume ein wenig mehr kosten als die importierten, nehmen die Konsumenten gerne in Kauf.

Ausschließlich heimische Bäume erhalten das Markenzeichen „Tiroler Christbaum“. Die Schleife enthält außerdem Namen und Adresse des Produzenten. (c) Tiroler Christbaum Tunelhof

Ausschließlich heimische Bäume erhalten das Markenzeichen „Tiroler Christbaum“. Die Schleife enthält außerdem Namen und Adresse des Produzenten. (c) Tiroler Christbaum Tunelhof

 

Schließlich ist die Aufzucht eines Christbaums eine Wissenschaft für sich: die drei bis vier Jahre alten Setzlinge haben eine Größe von 15-20 cm – bis daraus eine zimmerhohe Tanne geworden ist, braucht es rund zehn Jahre, viel Know-How, Arbeit und Geduld. Und trotz der naturnahen Aufzucht auch ein bisschen Dünger, denn nur durch diesen bekommen die Nadeln ihre schöne grüne Farbe. Sonst hieße es wohl: Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, wie gelb sind deine …

Alle Setzlinge werden händisch gepflanzt. (c) Tiroler Christbaum Tunelhof

Alle Setzlinge werden händisch gepflanzt. (c) Tiroler Christbaum Tunelhof

 

Nicht alle Bäume wachsen von selbst kerzengerade in die Höhe, deshalb kommen auch Zangen und Zweigregler zum Einsatz, um ihnen eine möglichst optimale Form zu geben. (c) Tiroler Christbaum Tunelhof

Nicht alle Bäume wachsen von selbst kerzengerade in die Höhe, deshalb kommen auch Zangen und Zweigregler zum Einsatz, um ihnen eine möglichst optimale Form zu geben. (c) Tiroler Christbaum Tunelhof

 

Die jungen Zweige – eine süße Nascherei für Rehe und Hirschen
Neben der permanenten Pflege haben die Christbaumbauern auch mit äußeren Einflüssen wie Hagel oder Frost zu kämpfen, und manchmal reicht es schon, wenn sich ein Vogel auf einen noch jungen, zarten Zweig setzt, dass dieser abbricht und das optimale Erscheinungsbild des Baumes beeinträchtigt. Und auch das Wild liebt die süßlich schmeckenden Tannen, sodass die Christbaumwälder eingezäunt werden müssen. In Tirol stellen die vielen steilen Anbauflächen laut Gruber noch eine zusätzliche Herausforderung dar, denn die untersten Zweige passen sich dem Gelände an und wachsen demnach nicht gleichmäßig ausladend in alle Richtungen. Deshalb geben die Bauern dem Baum oft noch zwei, drei Jahre länger Zeit zu wachsen, damit sie dann die unterste, unregelmäßige Schicht der Zweige abschneiden können. Diese Zweige und jene von nicht ganz so schönen Bäumen werden übrigens als Schmuckreisig verkauft.

Auch zu viel Schnee kann eine Last für die jungen Bäume sein. (c) Tiroler Christbaum Tunelhof

Auch zu viel Schnee kann eine Last für die jungen Bäume sein. (c) Tiroler Christbaum Tunelhof

 

Die Frage des richtigen Zeitpunkts …
Bevor sich die Tiroler Christbaumbauern ans Ernten (ja, das nennt man tatsächlich so!) der Christbäume machen, werfen sie einen Blick in den Mondkalender. Das wohl bekannteste Zeichen ist jenes der drei Tage vor dem elften Vollmond im Jahr. „Optimal ist das Zeichen Zwilling-Krebs um den Vollmond herum“ sagt Johannes Astner, Obmann des Vereins Tiroler Christbaum. „Bis Vollmond geht am meisten Feuchtigkeit in die Nadeln. Wenn die Bäume dann geerntet werden, behalten sie die Feuchtigkeit besser, die Nadeln bleiben länger frisch und fallen nicht so schnell ab.“ Außerdem rät er, beim Kauf darauf zu achten, dass der Stamm bis ganz unten noch mit Rinde bedeckt ist, denn der Baum kann nur über diese weiter Feuchtigkeit aufnehmen. Zum Aufstellen empfiehlt sich übrigens ein Ständer mit Seilzug, darin stehen die Bäume sicher und stabil.

Bereit für den großen Auftritt – die Christbäume werden ins Tal gebracht. (c) Tiroler Christbaum Tunelhof

Bereit für den großen Auftritt – die Christbäume werden ins Tal gebracht. (c) Tiroler Christbaum Tunelhof

 

Traditionell, modern oder ein wenig Kitsch?
Und zu guter Letzt geht’s endlich ans Schmücken! Hier sind die Geschmäcker genauso verschieden wie die Bäume selbst – manche mögen es traditionell mit Strohsternen und roten Äpfeln, manche kreieren einen wahren Kindertraum mit nostalgischem Schmuck, Zuckerkringeln und Sternspritzern. Ich persönlich mag es am liebsten klassisch-elegant mit einem silber-geschmücktem Baum, auch wenn meine Kinder viel lieber Kugeln in allen Farben des Regenbogens hätten und Süßigkeiten, die sie sich vom Baum holen können… Aber ich kann auch nichts dafür, dass das Christkind Jahr für Jahr die silbernen Kugeln aus dem Keller holt und den Baum damit schmückt …Und spätestens, wenn wir von der Kindermette ins Haus kommen, die Tür zum Wohnzimmer öffnen und den ersten Blick auf unseren strahlenden Mitbewohner mit seinen Gaben darunter werfen dürfen, spielt es auch für die Jungs keine Rolle mehr, ob er mit silbernen Kugeln oder buntem Gehänge geschmückt ist. Und Leckereien gibt es in diesen Tagen auch sonst genug.

Geschmückter Christbaum

PS: Wusstet ihr, dass …
… sich mit einem heimischen Christbaum auch ein Beitrag zur Entlastung der Umwelt leisten lässt? Die weite Anlieferung entfällt. Während des Wachstums wird von einem Hektar Christbaumkultur in einem Zeitraum von zehn Jahren 95 bis 143 Tonnen Kohlendioxyd verbraucht. Zusätzlich produzieren die Bäume im selben Zeitraum 70 bis 105 Tonnen Sauerstoff und filtern Staubpartikel aus der Luft.

Brauchtum, Winter

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