Hohe Kunst, luftige Kultur. Die neue Kunsthalle „arlberg1800“ in St. Christoph am Arlberg.

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Gleich vorweg: Das Schöne an diesem Projekt ist die Leidenschaft, die dahinter steckt. „arlberg1800“ ist mehr als eine Kunsthalle. Mehr als ein Konzertsaal. Es ist ein Wagnis, ein Liebhaber-Projekt. Es ist ein Versuch und gleichzeitig ein Manifest. Es ist ein Stück Tirol mit einem offenen Blick in die Welt.

Kristina

Kristina Erhard war schon viel unterwegs, am liebsten in Afrika.... Zum Autor

Manche Wintersportorte sind in der Nebensaison ein wenig verschlafen, da wird gebaut und gehämmert und sich auf die kommende Saison vorbereitet. St. Christoph am Arlberg, unterhalb der Passhöhe zwischen Tirol und Vorarlberg gelegen, könnte ein solcher Wintersportort sein. Mehr als eine Million Touristen besuchen den Arlberg jährlich, in der Zwischenstation jedoch kommen eher wenige, auch wenn der erste Schneefall leise dämpfend die laute Saison ankündigt.

Drahtseilkunst.

Bis in die 1960er-Jahre war der Arlberg eine reine, romantisierte Sommerdestination, dann begann die Vermarktung als Wiege des Wintersports in großem Stil. Heute gelte es, diese Zwangskopplung aufzubrechen, sagt Florian Werner. Werner ist Betreiber des Fünf-Sterne-Hotels Hospiz am Arlberg, das als erstes Haus im Ort auf eine 600-jährige Geschichte zurückblickt. Ein wuchtiger, mittelalterlich Bau, sehr charmant, auf eine nostalgische Art und Weise. Trotzdem oder gerade deswegen: Florian Werner hat sich in den Kopf gesetzt, eine Kunsthalle und einen Konzertsaal zu errichten, in einem Skiort auf 1.765 Meter Seehöhe.

Florian Werner hat ntergebracht sind. seinen Traum vom höchstgelegenen Konzertsaal der Alpen wahr gemacht. Foto: Klaus Andorfer

Florian Werner hat seinen Traum von der höchstgelegenen Konzerthalle der Alpen wahr gemacht. Foto: Klaus Andorfer

Kunst als vielleicht lang unterdrückte Bauchentscheidung? Werner, selber ein Malender, beherbergt schon seit 2008 in seinem mondänen Hospiz am Arlberg junge Artists in Residence, beraten ließ man sich von der Wiener Agentur section.a. Ausgestellt wurde die sich schnell ansammelnde Kunst im Hotel, musste aber auf die Befindlichkeiten erholungsaffiner Gäste Rücksicht nehmen, die ungern von unerwarteten „Interventionen“ verschreckt werden. Heute nicht mehr. Ende November wurde das Kunst-Konzert-Konglomerat feierlich eröffnet. Die Baukosten betrugen 26 Millionen Euro. Der Vergleich mit Werner Herzogs Film „Fitzcarraldo“, in dem sich Titelheld Klaus Kinski in den Kopf setzt, ein Opernhaus im Amazonas-Dschungel zu bauen, kommt nicht von ungefähr. Im Zuge der Eröffnung wurden sowohl Kinski als auch die Handlung des Films des Öfteren erwähnt.

Sinnliche Rundungen.

Die 250 Quadratmeter große Konzerthalle, ausgelegt für 213 Besucher, ist mit sanft gebogene Eichenholzlamellen ausgekleidet. Überspannt von einer nach oben auf den Vorplatz hinaus schwingenden Decke erinnert sie mehr an das Innere eines Kreuzfahrtschiffs als an urige Hüttenromantik. Auch die Wände des Eingangsbereichs, der Bar und der Kunsthalle biegen sich um die jeweiligen Ecken. Kein Zufall, wie Architekt Jürgen Kitzmüller erklärt: „Diese Rundungen waren mir sehr wichtig. Einerseits hat Kunst für mich etwas Weiches, Sinnliches, andererseits entsteht so eine intuitive Wegeführung, für die man keine Hinweisschilder braucht.“

Steinway-Flügel und Top-Akustik – „arlberg1800“ lockt internationale Elite. Art Garfunkel gab hier im Winter sein einziges Österreich-Konzert. Foto: Elias Hassos

Steinway-Flügel und Top-Akustik – „arlberg1800“ lockt internationale Elite. Art Garfunkel gab hier vergangene Woche sein einziges Österreich-Konzert. Foto: Elias Hassos

Sowohl der Konzertsaal als auch die 8 Meter hohe Kunsthalle nebenan – die „Kathedrale“ wie sie der Architekt nennt – halten über Fenster Kontakt mit der Außen- und Bergwelt, vorbeistapfende Skitouristen können vom Gehweg aus einen Blick auf Kunst als auch Steinway-Flügel werfen. Kitzmüller ist beim „arlberg1800“ ein dauerhaft wirkendes Innenraum-Ensemble gelungen, das sich diskret unter dem Vorplatz duckt – und im Winter zusätzlich unter bis zu 4 Metern Schnee.

´Eva Beierheimers Arbeit „Punctum Archimedis“ – das Eingangstreppenhaus – führt hinab zur Kunstund Konzerthalle. Foto: arlberg1800

Eva Beierheimers Arbeit „Punctum Archimedis“ – das Eingangstreppenhaus – führt hinab zur Kunstund Konzerthalle. Foto: arlberg1800

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