Krippen – Eine kleine weihnachtliche Welt für zu Hause

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Beim Krippenaufstellen wird uns in Tirol oft besonders weihnachtlich zumute. Denn fast alle Familien holen kurz vor dem Heiligen Abend den Krippenberg und die Schachteln mit den Figuren aus dem Schrank. Dann werden vorsichtig die kleinen Hirten und Engel, Maria, Josef, das Christkind, Ochs und Esel aus dem schützenden Papier gewickelt und aufgestellt, bis alle Figuren an ihrem Platz sind und die Weihnachtsgeschichte in ihrer ganzen Herrlichkeit vor uns steht – in Farbe und 3D sozusagen.

Esther

Esther Pirchner beschäftigt sich beruflich  – aber vor... Zum Autor

Bibel ohne Worte

Krippe in Thaur (c) Tirol Werbung - Bernhard Aichner

Die Krippen haben uns Kindern erzählt, was in der Heiligen Nacht geschehen ist. Diese Bibeln ohne Worte gab es schon vor Jahrhunderten als Szenarien mit großen, bekleideten Figuren in den Tiroler Kirchen. Man musste also nicht lesen können, um zu erfahren, dass das Christkind in einem Stall auf die Welt kam, dass Ochs und Esel es mit ihrem Atem wärmten, dass die Hirten kamen und später die drei Weisen aus dem Morgenland – die übrigens mitsamt ihren schönen Kamelen und den Geschenken erst am 5. Jänner aufgestellt werden. Dass die Krippen aber nicht in den Kirchen blieben, hat mit einem Erlass Kaiser Josefs II. aus den 1780er-Jahren zu tun. Der fand die Darstellungen „allzu kindlich“ und verbot sie – was die katholischen Tiroler aber nur dazu bewog, sich Miniaturausgaben für daheim zu machen.

„Krippele schaug’n“

Krippenausstellung im Volkskunstmuseum (c) Tiroler Landesmuseen

Schon längst dürfen auch in den Kirchen wieder Krippen stehen, und es existieren sehr aufwendig gemachte, historische Exemplare, die ihr von der Vorweihnachtszeit bis Maria Lichtmess (2. Februar) anschauen könnt, beispielweise in den Pfarrkirchen von Axams, Tannheim, Hinterthiersee, Umhausen, Absam und in der Innsbrucker Servitenkirche. Die größte Sammlung von wertvollen kleinen und großen Krippen hat das Tiroler Volkskunstmuseum in Innsbruck – bis hin zur Videoinstallation, in der ihr euch selbst wie eine Figur auf dem Krippenberg fühlt, um die herum die anderen Figuren aufgestellt werden. Auch am Krippenpfad Imst, am Nassereither Krippenweg und in der Krippenherberge Wildermieming gibt es orientalische, Tiroler Krippen und anderes mehr zu bestaunen.

Ein ganz besonderes Erlebnis ist es aber, euch beim „Krippele Schaug’n“ in den Krippendörfern Tirols private Krippen anzusehen. Beim Krippenverein Thaur könnt ihr zum Beispiel Führungen in kleinen Gruppen vereinbaren oder euch darüber informieren, in welchen Häusern ihr euch anmelden und ohne Führung vorbeischauen könnt. Die Krippenbesitzer zeigen ihre Schätze gerne her, verraten euch die Besonderheiten ihrer Krippe und servieren euch möglicherweise noch einen Schnaps, bevor ihr euren winterlichen Rundgang durchs Dorf fortsetzt.

Wie werden Krippen gemacht?

Die Figuren der Krippen sind in Tirol meistens aus Holz geschnitzt, aber auch Lehmfiguren („Loammandeln“), Papier- und Bretterkrippen haben eine lange Tradition. Berühmte Schnitzer waren Johann Giner der Ältere (1756–1833) aus Thaur und Franz Xaver Nissl (1731–1804) aus Fügen im Zillertal. Bis heute stellen zudem begeisterte Hobbyschnitzer ihre eigenen Figuren her, noch öfter wird der Krippenberg selbst gemacht. Ihr dürft euch darunter aber keine Landschaft à la Modelleisenbahn vorstellen, sondern eine möglichst bibelgetreue Darstellung: „I brauch an Hirtenberg“, heißt es im Krippenvideo im Volkskunstmuseum, „der ist immer links herüben. Dann das wichtigste, die Geburtsgrotte. Herüben im rechten Eck die Stadt Jerusalem, wo die Könige später herunterreiten. Und noch a schöne Mooswiesen vor der Stadt.“ Ins Tirolerische übertragen darf die Landschaft trotzdem werden: In Nassereith, wo die Krippen von „Loammandeln“ bevölkert sind, ist der Krippenberg genauso steil wie die echten Berge hinterm Dorf.

Ochs, Esel und ein gefärbter Pudel

Schnitzerei, Adventmarkt Seefeld

Das Krippenbergbauen, Hintergrundmalen und Figurenschnitzen ist gar nicht so einfach. Darum treffen sich die Mitglieder der Krippenvereine oft zu Fortbildungen, um zu lernen, wie sie naturgetreue Palmen basteln, ihren Krippenberg anlegen oder den Stall für die Heilige Familie, Ochs und Esel bauen. Nicht einmal, wenn „Pudelfärben“ auf dem Programm steht, wird sich ein Krippenbauer wundern. Schließlich geht es dabei nicht um einen bunten Hund aus Bethlehem, sondern um getrocknetes, fein vermahlenes Moos, den Pudel, der eingefärbt und als Deckschicht auf den Krippenberg gestreut wird.

Ach ja, und wenn ihr im Zusammenhang mit Krippen von „Mandelbögen“ reden hört, dann dürft ihr euch keine Weihnachtskekse erwarten. Als Mandelbögen bezeichnet man die Papierbögen, auf die früher Krippenfiguren (kleine Männchen oder eben „Mandeln“) aufgedruckt waren. Die wurden angemalt, ausgeschnitten und zur besseren Stabilität auf Holzbrettchen geklebt – und schon hatte man eine einfache, aber hübsche Krippe fertig.

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