Frauenchor „Los a Moll“ aus Uderns im Zillertal, Foto: Verena Kathrein

Fein sein, beieinander bleiben: Frauenchor „Los a Moll“

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Chorsingen ist viel mehr als nur gleichzeitig die richtigen Töne zu treffen — wenn „Los a Moll“ aus Uderns zusammenkommen, verschmelzen einzelne Frauenstimmen zu einem großen Instrument.

Irene Heisz

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Mit Jugendchören ist das so eine Sache: Je länger die Mitglieder der Gesangsvereinigung die Treue halten,
desto mehr werden sie zwar ein Chor im Sinne der musikalischen Kompetenz, aber desto weniger trifft die Charakterisierung „Jugend“ zu. So erging es auch dem früheren Jugendchor Uderns. Irgendwann passte der Name nicht mehr und aus dem Jugend- wurde der Frauenchor „Los a Moll“, geleitet von Barbara Kainzner-Abendstein. Das Repertoire des viel gebuchten Chors reicht von spirituellem Liedgut über Pop-Rock-Arrangements bis hin zum Volkslied.

„Los a Moll“ kommt so manch einem vielleicht zunächst spanisch vor, ist aber, zumindest teilweise, Tiroler Dialekt. In vielen Gegenden Tirols, so auch im Zillertal, sagt man „Los amol zua!“, um jemanden zum Zuhören aufzufordern. Und dass jemand zuhört, ist ja ein durchaus erwünschter Effekt, wenn eine Gruppe von Menschen versucht, geordnet zu atmen, in derselben Dynamik zu schwingen, als Ganzes zu klingen, kurz: ein großes, vielstimmiges Instrument zu sein. Chorsingen bedeutet viel mehr als bloß die richtigen Töne zu treffen. Es ist eine echte Gemeinschaftsleistung, die nur gelingen kann, wenn sich Stärkere nicht eitel hervortun, sondern Schwächere mitnehmen und bereit sind, sich dem Kollektiv unterzuordnen. Außerdem ist Singen ausgesprochen gesund für Körper, Geist und Seele. Zärtlichkeit und Leidenschaft, abgründige Trauer und überschäumende Lebensfreude, Ehrfurcht und Andacht – so vieles, worüber man oft nur schwer reden kann, lässt sich hingebungsvoll besingen. Kein Wunder, dass gut 10.000 Tirolerinnen und Tiroler in mehr als 460 Chören regelmäßig den Mund weit aufreißen.

Jeden Mittwoch um 20 Uhr proben die Sängerinnen. Neben dem Üben darf aber keinesfalls das Beisammensein zu kurz kommen. Foto: Verena Kathrein

Jeden Mittwoch um 20 Uhr proben die Sängerinnen. Neben dem Üben darf aber keinesfalls das Beisammensein zu kurz kommen. Foto: Verena Kathrein

a-Moll übrigens ist die einfachste, in allen Epochen der Musikgeschichte am meisten verwendete Moll-Tonart und klingt durchaus nicht düster und dunkel, wie man landläufig assoziiert, sondern eher sanft und weich; seit 200 Jahren geistert auch die Zuschreibung „fromme Weiblichkeit“ durch die Musikgeschichte. Fromme Weiblichkeit? Klar, das können „Los a Moll“. Aber sie können’s beim Singen und bei geselligen Anlässen aller Art auch ganz profan und unternehmungslustig. Auch das ist nämlich ein Kennzeichen einer guten Chorgemeinschaft: Das Interesse aneinander verklingt nicht mit dem letzten Ton bei der Probe oder einer Aufführung.

In der Reihe „Fein sein, beieinander bleiben“ stelle ich verschiedene Tiroler Gemeinschaften vor.

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