Fein sein, beieinander bleiben: Roller-Scheller-Paar bei der Imster Fasnacht

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Mit heiligem Ernst beim unheiligen Fasnachtstreiben — hunderte Imster Männer und die ganze Stadt fiebern dem 31. Jänner 2016 entgegen. Mit dem Mittagsläuten beginnt um Punkt 12 Uhr nach vier Jahren wieder das Schemenlaufen.

Irene Heisz

Die Journalistin, Autorin und Moderatorin Irene Heisz schreibt am... Zum Autor

Die Frage aller Fragen stellt Fasnachtsobmann Uli Gstrein am 6. Jänner 2016 bei der Vollversammlung.
Sie ist rein rhetorischer Natur: „Welle mir huire in d’Fasnacht giahn?“ Dennoch donnert die Zustimmung
aus hunderten Männerkehlen durch den Saal, als ob es ums Leben ginge. Und irgendwie tut es das ja auch für die Imster Burschen und Männer, die alle vier Jahre in die Fasnacht gehen. Am 31. Jänner 2016 werden vor den Augen Zehntausender Zuschauer wieder Roller und Scheller, Sackner und Spritzer, Hexen und Bären ihre Kreise durch Imst ziehen.

Das Schemenlaufen ist eine der größten und traditionsreichsten der zahlreichen Fasnachten in Tirol. Die Anfänge liegen genauso im Dunkeln wie der ursprüngliche Zweck. Wie bei fast jedem sehr alten Brauchtum mischen sich wohl vorchristliche und christliche Traditionen, ist ein Schuss Auflehnung gegen Autoritäten dabei, geht es zumindest auch darum, die Austreibung des harten Winters durch den verheißungsvollen Frühling zu feiern. Jedes Fasnachtsdorf hat seine eigene Tradition, seine eigenen typischen Figuren, seine eigenen strengen Regeln. Mit einem Faschingsgschnas oder Karneval im landläufigen Sinn hat das alles wenig zu tun. Und die Fasnacht ist eine sehr ernste, körperlich enorm anstrengende Pflicht, die in Fasnachtler-Familien von Generation zu Generation weitergetragen wird.

Markus Neuratuer und sein Sohn Sando bilden am 31. Jänner 2016 wieder eines von 55 Roller-Scheller-Paaren bei der Imster Fasnacht. Foto: Verena Kathrein

Markus Neuratuer und sein Sohn Sando bilden am 31. Jänner 2016 wieder eines von 55 Roller-Scheller-Paaren bei der Imster Fasnacht. Foto: Verena Kathrein

Wenn Markus Neurauter und dessen Sohn Sandro am frühen Morgen des 31. Jänner ihre wertvollen geschnitzten Larven herrichten und ihre Kostüme anlegen, dann tun sie das im stolzen Bewusstsein, zu den zentralen Figuren der Imster Fasnacht zu gehören: Um die Roller-Scheller-Paare gruppieren sich alle anderen Figuren. Zu den rund 900 Auserwählten (das sind 10 Prozent aller Imster!) zu zählen, die bei der Fasnacht mitlaufen dürfen, ist nicht selbstverständlich. Der Andrang ist so groß, dass das Fasnachtskomitee Zugangsbeschränkungen beschließen musste. Hätte Sandro nicht schon als Kind bei der „Buabefasnacht“ mitgewirkt, die jeweils zwei Jahre vor der Erwachsenenfasnacht stattfindet, hätte er mit 16 Jahren gar nicht erst zu den Großen wechseln dürfen. Und sollte der junge Mann eines Tages leichtsinnigerweise aus Imst wegziehen (und sei es nur ins benachbarte Tarrenz), würde er damit auch sein Recht verwirken, in die Fasnacht zu gehen.

„Schlusskroas“ der Imster Fasnacht am Stadtplatz, Foto: Melitta Abber

„Schlusskroas“ der Imster Fasnacht am Stadtplatz, Foto: Melitta Abber

 

In der Reihe „Fein sein, beieinander bleiben“ stelle ich verschiedene Tiroler Gemeinschaften vor.

Leben in Tirol

1 Kommentar

  • Imschter
    Ausgesprochen schlechter Artikel...