Die Galzigbahn im Schneegestöber.

Ein Tag im Schnee: Skifahren in St. Anton am Arlberg

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Dichtes Schneetreiben, coole Freerider und eine lange Wintersporttradition – die Reise führt uns diese Woche nach St. Anton am Arlberg, einem der weltweit ältesten Skiorte. Hier ist Rosanna, 29, aufgewachsen. Sie begleitet uns als Guide einen Tag lang durch das Skigebiet und ihren Heimatort. Unterwegs begegnen wir einem Skiführer, einer Gruppe von Freeriderinnen und erkunden das charmante Ortzentrum von St. Anton am Arlberg.

Michael

Michael Gams ist in seiner Freizeit viel im Land unterwegs: Beim... Zum Autor

Hier findet ihr unsere gesammelten Empfehlungen für einen gelungenen Tag im Schnee in St. Anton am Arlberg.

8:00 Uhr // Bahnhof St. Anton am Arlberg

Als Treffpunkt mit unserem Guide Rosanna wählen wir den Bahnhof. Er hat in St.Anton am Arlberg eine besonders große Bedeutung für Einheimische und Gäste. Von hier gelangt man schnell in alle Welt – und wieder zurück. Alle Intercity- und Railjet-Züge halten hier, zu Fuß sind es nur wenige Schritte zum Ortskern und ins Skigebiet.

Unser St.Anton-Guide Rosanna arbeitet im Sozialbereich und reist gerne. Heute zeigt sie uns die Gegend, in der sie zuhause ist – eines der weltweit bekanntesten Skigebiete und ein schmucker Ort, der seinen Charme weitgehend behalten hat.

08:30 Uhr // Der Schneehexer

Wenn es in St. Anton schneit, dann richtig. Jung und Alt versuchen dann, mit so genannten „Schneehexen“ der Schneemassen Herr zu werden. So wie dieser Herr, Jahrgang 1927 und der Großvater von Rosanna.

09:00 Uhr // Hotel Arlmont

Modernes Ambiente im Hotel Arlmont.

Wer in St. Anton eincheckt, hat die Wahl zwischen traditionell geführten Spitzenhotels, schönen Appartmenthäusern oder modernen Designunterkünften. Rosanna zeigt uns ihren Tipp für Freunde moderner Architekter, das Hotel Arlmont: „Ich finde, das Hotel bildet einen guten Kontrast zu diesem doch traditionellen Skiort. Erstens ist die Lage direkt neben der Nasserein-Bergbahn natürlich ein Traum. Zweitens habe ich selbst im Sommer dort bei einer Hochzeit von Freunden mitgefeiert. Das Personal hat sich dabei sehr um die Gäste bemüht.“ Gemütlich und mit sehr gutem Restaurant ist Rosannas zweiter Tipp, der Waldhof.

09:30 Uhr // Sportshop SkiWest

Wir begleiten Rosanna zum wohl kleinsten Sportshop am Arlberg (SkiWest) den ihr Vater betreibt. Im Skikeller macht er das Skiservice noch händisch und führt außerdem eine Auswahl der Tirol-Shop-Modekollektion. Die Sportshop-Dichte in im Ortszentrum von St. Anton ist hoch: Alber Sport, Intersport Arlberg (2x), Sporthaus Jenewein (Sport 2000), Skisport Fauner. bieten hier die passende Ausrüstung für Freerider, Snowboarder und alle anderen Wintersportbegeisterten.

Rosannas Vater beim Skiservice.

10:00 Uhr // Galzigbahn

Vom Ortszentrum (und auch vom Bahnhof) ist es nur ein Schneeballwurf bis zur Skipiste. Zu Fuß spazieren wir zur Talstation der Gondelbahn, die auf den 2.184 Meter hohen Galzig fährt. Schon im Jahr 1937 führte hier die erste Seilbahn hinauf. 2006 eröffnete die neue, arichtektonisch spektakuläre Galzigbahn. Ein Riesenrad im Inneren der Talstation hebt unsere Gondel in die Höhe, wir schweben bergwärts.

Schnee-Architektur: Die Galzigbahn in St. Anton am Arlberg.

10:30 Uhr // Der Skiguide

#powderday in @stantonamarlberg ❄️❄️❄️

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Wer Arlberg sagt, denkt meist auch an Tiefschneeabfahrten. Und das zu Recht, wie der Blick aus der Gondel bestätigt, die uns durchs dichte Schneetreiben hinauf auf den Galzig bringt. Neben uns sitzt der 30 Jahre alte Skiführer Daniel Federspiel. Wir sprechen mit ihm über die aktuelle Schneelage, das Schöne an seinem Beruf und warum auch erfahrene Skifahrer den Arlberg am besten mit einem Skiführer erkunden sollten.

„Die letzten eineinhalb Wochen hat es ungefähr einen Meter geschneit und nächste Woche soll noch mehr kommen“, sagt Daniel. Er habe als Skiführer sein Hobby zum Beruf gemacht. Zur Frage, warum man am Arlberg einen Skiführer benötige, erklärt er: „Weil die Skirouten jedes Jahr anders sind. Viele Gäste kommen nur für eine Woche. Die Abfahrt am hinteren Rendl kann einmal eine Buckelpiste sein und ein anderes Mal liegt plötzlich ein Meter Neuschnee.“ Nur Ortskundige mit der entsprechenden Ausbildung und Erfahrung können in so einer Situation die Lawinensituation beurteilen und wissen, ob, wo und wie man einen Pulverschneehang fahren kann. Und sie wissen natürlich am besten, wo noch frischer Pulverschnee zu finden ist. Ortskundige Berg- und Skiführer buchen könnt ihr bei den Arlberger Skischulen.

11:00 Uhr // Galzig und Valluga

Heute wollten wir eigentlich noch höher hinaus – zur 2.809 Meter hohen Valluga, dem höchsten Gipfel am Arlberg. Unser Plan sieht vor, dass wir dort oben einige schöne Panoramafotos machen und dann wieder mit der Gondel hinunterfahren – ob des dichten Schneefalls und starken Windes kommen erste Zweifel daran auf. Die Abfahrt mit Skiern von der Valluga sei außerdem nur versierten Skifahrern in Begleitung von Berg- oder Skiführern erlaubt, erklärt Daniel. Wir wären schon froh, nur mit der Gondel hinauf und hinunter zu dürfen.

Am Galzig herrscht dichtes Schneetreiben, draußen weht der Wind und Daniel sagt – zu unserer Enttäuschung – dass die Vallugabahn heute aufgrund des Wetters geschlossen ist. Wir haben Glück: Rosanna war drei Tage zuvor bereits mit einer Freundin am Valluga-Gipfel und hat dort mit ihrem Handy einige Fotos geschossen. Die Aussicht von dort oben ist bei passendem Wetter beeindruckend, wie dieser Schnappschuss zeigt:

Aublick von der Valluga am 10. Jänner 2016. Foto: Rosanna Battisti

12:00 Uhr // Skipiste Nr. 1

Wir folgen Daniel auf der Piste Nr. 1 Richtung Sennhütte. Der Schnee ist ein Traum, die Sicht könnte besser sein.

Bei Schönwetter wären wir gerne Rosannas Empfehlung gefolgt und hätten einen Abstecher nach St. Christoph und Stuben am Arlberg gemacht. Ihr Tipp: „Ich fahre am liebsten vom Schindlergrat nach Rauz ab, das ist eine superlange Abfahrt, auf der man richtig Gas geben kann. Immer wieder kann man hier auch zwei, drei Schwünge im Tiefschnee ziehen. Wenn man sich dann in Rauz anstatt der Fahrt mit der Valfagehrbahn für die Weiterfahrt entscheidet, landet man in Stuben und kommt zu den Albona-Liften  –  da gibt‘s eine super Offpiste-Abfahrt! Ansonsten immer toll: Bachseite, das ist einfach (fast) immer gut, egal wie der Schnee sonst ist.“

Rosannas Panoramatipp: „Das schönste Panorama, abgesehen von der Valluga, gibt’s für mich bei der Fahrt mit der Schindlergratbahn und nach der langen Schussstrecke von der Ulmerhütte, wenn man den Patteriol (ein über 3.000 Meter hoher, markent aufragender Berg) in seiner ganzen Pracht bewundern kann.“

In St. Christoph bietet sich für Kulturinteressierte ein Abstecher in die Ende 2015 neu eröffneten Kunsthalle arlberg1800 an. Sie bietet Hochkultur vom Feinsten – und das am Arlbergpass in 1.800 Metern Höhe.

Die Installation "Bandoneon-Intensivstation" des Künstlers Constantin Luser in der Kunsthalle Arlberg1800. (Foto: Philipp Schuster)

Die „Bandoneon-Intensivstation“ des Künstlers Constantin Luser in der Kunsthalle Arlberg1800. (Foto: Philipp Schuster)

12:30 Uhr // Sennhütte

Wir verabschieden uns von Daniel und kehren zum Mittagessen bei der Sennhütte ein. Diese typische Arlberger Skihütte mit ausgezeichneter Küche ist auch ein perfekter Ort, um Après Ski zu feiern, wie uns Rosanna sagt: „Ich mag die Betreiber der Sennhütte, sie sind sehr freundlich, setzen sich gern her und reden mit einem. Es ist immer eine Gaudi, wenn man da ist. Hier gibt’s richtig klassischen Après Ski, das Essen schmeckt gut und die Sonnenterasse ist hier im Frühjahr das Highlight.“

Rosanna hat noch einen weiteren Tipp zum Essen im Skigebiet parat: „Ich gehe sonst ganz gerne in die Arlberg Thaja, die wurde komplett renoviert und diese Saison wieder eröffnet. Sie ist modern und rustikal zugleich, das Essen super.“

Die renovierte Skihütte Arlberg Thaja an einem Schönwettertag. (Foto: Arlberg Thaja)

Die renovierte Skihütte Arlberg Thaja an einem Schönwettertag. (Foto: Arlberg Thaja)

Wer in sprichwörtlich gehobenem Ambiente speisen möchte, sollte mal das Haubenrestaurant Verwallstube am Galzig – Europas höchstgelegenes Haubenrestaurant – besuchen. Küchenchef Bernhard Neuhold ist vor allem für seine ausgezeichneten Fischgerichte bekannt, jeden Donnerstag serviert er ein Candlelight Dinner. Hier haben schon Caroline von Monaco und das ehemalige spanische Königspaar Sophia und Juan Carlos I gespeist.

Rosanna empfiehlt uns auch das Restaurant im Heimatmuseum nahe des Ortszentrums von St. Anton, in Sichtweite der modernen Galzigbahn-Talstation. Das Museum erzählt die Geschichten der Arlbergregion – von der Gründung des Hospiz St. Christoph im 14. Jahrhundert, vom einst ärmlichen Leben in dieser Region bis hin zum Bau der Arlbergbahn im 19. Jahrhundert und der wachsenden Bedeutung des Skisports und Tourismus im 20. Jahrhundert.

Heimatmuseum mit Café und Restaurant in St. Anton am Arlberg.

Heimatmuseum mit Café und Restaurant in St. Anton am Arlberg.

14:00 Uhr // Die Freeriderinnen

Ein Freeride Camp für Frauen in St. Anton am Arlberg.

Ein Freeride Camp für Frauen in St. Anton am Arlberg.

Am Arlberg kennt man sich. So passiert es, dass Rosanna in der Sennstube die in St.Anton bekannte Freeriderin und Skiführerin Geli Häusl erspäht. Geli ist mit einer sechsköpfigen Gruppe von Frauen unterwegs, die bei ihr einen mehrtägigen Freeride-Kurs gebucht haben. Direkt unterhalb der Sennhütte übt die Gruppe den Umgang mit der Lawinen-Sicherheitsausrüstung. Geli erklärt uns Näheres dazu.

Katharina aus München ist eine der Teilnehmerinnen des Freeride Camps. Sie freut sich über den frischen Powder und will auch nach dem Camp zwei Tage länger in St. Anton bleiben, um noch ein paar „coole Powderruns“ zu fahren, wie sie sagt.

15:00 Uhr // Der Ortskern

Wir beenden den Skitag und spazieren mit Rosanna durch St. Antons Fußgängerzone. „St. Anton versprüht einfach einen ganz besonderen Charme, und den hat es nie verloren“, sagt Rosanna, „auch wenn hier viel los ist – St. Anton hat sich das Besondere bewahrt. Hier spazieren die Leute morgens mit ihren Skiern vorbei, es gibt Sportshops, gemütliche Cafés, Bars und Restaurants. Der Ort lebt einfach. Ich treffe hier als Einheimische immer Leute, die ich kenne. Außerdem ist es für mich persönlich einfach das schönste Skigebiet, vor allem zum Offpiste Fahren.“

16:00 Uhr // Après Ski

St. Anton rühmt sich, den Begriff Après Ski erfunden zu haben. Tatsächlich treffen sich hier fast alle in einer der unzähligen Bars im Skigebiet und im Ort: Skiführer, Skilehrer, Freerider, Einheimische und Gäste feiern gemeinsam den Ausklang des Skitages. Rosannas Empfehlungen für Après Ski in St. Anton: „Das Krazy Kanguruh, wo man mehr englischsprachiges Publikum findet und der Mooserwirt – irgendwie find ich, das muss man mal gesehen haben. Was ich auch noch mag: die Sennhütte! Gemütlich, mit feiner Sonnenterrasse und Live-Musik, besonders am Samstag zu empfehlen, da wird auf den Bänken getanzt.“ Alle drei liegen direkt entlang der Skipiste Nr. 1 und sind kaum zu verfehlen. Beim Base Camp an der Galzig-Talstation schießen wir noch einige Fotos und verabschieden uns von Rosanna – bis zum nächsten Mal in St. Anton!

Après Ski beim Base Camp gleich neben der Galzigbahn-Talstation.

Après Ski beim Base Camp gleich neben der Galzigbahn-Talstation.

5 Kommentare

  • Jens Kjærgaard
    Ich freue mich auf Neuigkeiten aus Tirol
  • Marion
    Super Nachrichten und schoene Berichte
  • Jürgen Schön
    Einmal Arlberg- immer wieder Arlberg- 1958- heute!!!
  • illa35
    Schaut super aus bei euch! Meine neuen Head Ski stehen bereit und im Kalender werden die Tage auch immer weniger bis ich endlich los kann! http://www.ski-shop.ch
  • Marius Schwan
    Hallo Liebe Skifahrer, Falls ihr Interesse an Informativen Texten über Ski habt, dann seid ihr auf meiner Seite http://ski-kaufen.com/ genau richtig. Ich freue mich auf euren Besuch. Gruß Marius PS: Ski Heil :D