Gemeinsam mit hunderten anderen Langläufern gleiten die Teilnehmer von Skimarathons mitten durch die Bergwelt. (Foto: TVB Olympiaregion Seefeld)

Was fasziniert Dich an Volkslangläufen? Erfahrungen eines Hobbysportlers.

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Jedes Jahr laufen tausende Hobbysportler bei den Tiroler Volkslangläufen mit. Ob Pensionist oder Studentin, Hausfrau oder Angestellter, ob 20 Kilometer, 42 Kilometer oder noch weiter – warum machen so viele Menschen bei diesen Skimarathon-Bewerben mit? Was ist es, das sie daran fasziniert? Wir haben mit einem der vielen Hobbylangläufer gesprochen, um der Faszination von Volkslangläufen auf die Spur zu kommen.

Michael

Michael Gams ist in seiner Freizeit viel im Land unterwegs: Beim... Zum Autor

Der Massenstart.

Mit seinem schwarzen Langlaufdress und der weißen Mütze geht Lukas in der Masse unter. Vor, hinter und neben ihm fädeln sich hunderte andere Langläuferinnen und Langläufer wie an Perlenschnüren auf. Dann fällt der Startschuss. Stöcke stechen in den Schnee. Skier schießen vorwärts. Wie ein riesiger Vogelschwarm ziehen die Langläufer davon. Mittendrin: Lukas. „Lukas, geht schon…“ rufen ihm wildfremde Leute vom Loipenrand aus zu, die seinen Namen am Trikot lesen. Der Ganghoferlauf, einer der größten Volkslangläufe Tirols, hat begonnen.

Lukas (Nr. 73) beim Start des 3-Täler-Laufs am Achensee.

Lukas (Nr. 73) am Start eines Volkslanglaufs. In diesem Fall ist es der 3-Täler-Lauf am Achensee. (Foto: Achensee Tourismus)

„Wenn Du am Start stehst, es wird runtergezählt und die Leute feuern dich an – das ist schon cool.“ Lukas, 31 Jahre alt und aus Salzburg stammend, lebt und arbeitet in Tirol als Ingenieur bei einem internationalen Betrieb. Das Langlauf-Fieber packte ihn vor zehn Jahren das erste Mal, als er im Fernsehen die Wettbewerbe der Nordischen Kombinierer bei den olympischen Spielen mitverfolgte. „Das hat mir beim Zuschauen so gefallen, dass ich einfach mit dem Langlaufen angefangen habe“, sagt er.

Die ersten Kilometer in der Loipe.

Lukas liegt gut im Rennen. Gleichmäßig schnauft er den Hang hinauf, gleitet schnell vorwärts. „Zu schauen, wie gut man ist, wie man sich verbessert – das gefällt mir schon“, sagt Lukas. Wie er so da sitzt und den Rennverlauf erzählt, schaut er eigentlich sehr entspannt und so gar nicht nach einem Wettkampftypen aus.

Irgendwann merkte er, dass es interessant wäre, sich mit anderen zu messen. Genauer gesagt war es irgendwann im Jahr 2008, als Lukas ein Jahr lang in Schweden lebte, wo Langlaufen Nationalsport ist. Er meldete sich dort für den Wasalauf an – mit jährlich zehntausenden Teilnehmern eine der größten Langlaufveranstaltungen weltweit. Als Lukas 2010 nach Tirol übersiedelte, nahm er zum ersten Mal am Ganghoferlauf in Leutasch (Olympiaregion Seefeld) teil – über die volle Skating-Distanz von 42 Kilometern.

Gemeinsam mit hunderten anderen Langläufern gleiten die Teilnehmer von Skimarathons mitten durch die Bergwelt. (Foto: TVB Olympiaregion Seefeld) Ganghoferlauf

Gemeinsam mit hunderten anderen Langläufern gleiten die Teilnehmer von Skimarathons mitten durch die Bergwelt. (Foto: TVB Olympiaregion Seefeld)

Atemlos durch die Natur.

Plötzlich wird die Luft knapp. Lukas muss seinen Rhythmus verlangsamen, die Beine schwächeln, das Herz pumpt mit gefühlten 200 Schlägen. „Bis dahin war ich ziemlich gut platziert und dann bin ich komplett K.O. gegangen. Das war zu weit für mich, aber ansonsten trotzdem ein super Erlebnis.“ Wenn Lukas das so erzählt, wird einem schon beim Zuhören die Luft knapp.

Da habe er gemerkt, dass die Langdistanz nichts für ihn sei und deshalb auf die Kurzdistanz gewechselt. Das sind 20 Kilometer im Skating-Stil. In Tirol hat Lukas seither schon mehrmals an Volkslängläufen teilgenommen: Beim Koasalauf, beim Drei-Täler-Lauf, der Raiffeisen-Steinöl-Trophy und eben beim Ganghoferlauf.

Lukas in einer Dreiergruppe beim Ganghoferlauf. (Foto: Lukas Vogl)

Lukas (Mitte) in einer Dreiergruppe beim Ganghoferlauf. (Foto: Lukas Vogl)

Das Ziel.

Lukas läuft nach etwas mehr als zwei Stunden als Achter seiner Altersklasse über 42 Kilometer Skating durchs Ziel. Er hat den Ganghoferlauf geschafft. „Spätestens beim dritten Rennen der Saison weißt Du, wo Du stehst.“ Er kenne die Leute schon, die ungefähr gleich gut seien wie er. „Und ich schaue schon immer, wo ich schneller oder langsamer war als die.“ Aber eigentlich gehe es ja um nix, sagt Lukas: „Das ist ja auch der Sinn und Zweck von so einem Volkslanglauf, dass wirklich jeder da mitlaufen kann.“ Vom Supersportler bis zur gemütlichen Seniorin.

Lukas zählt wohl eher zu den Ersteren. An durchschnittlich 50 Tagen zieht er im Winter seine Bahnen auf Langlaufskiern. Er liebt die Natur. Wohl deshalb wohnen er und seine aus Schweden stammende Freundin beim Achensee, wenige Meter von der Loipe entfernt. „Das Langlaufen war sicher einer der Gründe, warum wir von Innsbruck hierher gezogen sind.“

Vor zwei Jahren haben er und seine Freundin zum ersten Mal gemeinsam den Ganghoferlauf absolviert, erzählt Lukas, „aber diesmal über die halbe Distanz.“

Der Drei-Täler-Lauf am Achensee vor beeindruckender Kulisse. (Foto: Achensee Tourismus)

Der Drei-Täler-Lauf am Achensee vor beeindruckender Kulisse. (Foto: Achensee Tourismus)

Schaut zu oder macht selbst mit: Volkslangläufe in Tirol

Die meisten Skimarathons/Volkslangläufe finden in Tirol zwischen Jänner und März statt. Falls ihr zuschauen oder selbst teilnehmen wollt, findet ihr hier nähere Infos und Termine: www.tirol.at/langlaufevents

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