Der Finne Peetu Piiroinen am Sprung zum zweiten Platz beim Air + Style 2015.

Air und Style: über das Yin und Yang des Snowboardens

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Seit 1994 ist der legendäre Air + Style Snowboard Contest ein Aushängeschild im Innsbrucker Veranstaltungsprogramm. Am Samstag, den 6. Februar steht er wieder an. Im neuen Festival-Outfit und erstmals mitten in Innsbruck. In der Olympiaworld Innsbruck werden die 24 besten Snowboarder der Welt auf einer 42 Meter hohen Monsterrampe um den „Ring of Glory“ kämpfen und mit ihrem Sport abermals in neue Dimensionen vorstoßen.

Luca

Als Tiroler und Italiener in einem legt Luca besonders viel Wert... Zum Autor

42 Meter Höhe, 285 Tonnen Material, 30.000 Einzelteile.

Die neue Rampe des Air+Style Snowboard Festivals sprengt bereits jetzt alle Superlative. So was hat Innsbruck noch nie gesehen: Direkt unter dem Schatten des Patscherkofels, im Olympiaworld-Areal neben dem Tivoli-Fußballstadion, erhebt sich die Konstruktion, die auf dem ersten Blick stark an eine riesige Achterbahn erinnert. Ihre Silhouette ist auch aus der Ferne kaum zu übersehen.

Opel Air + Style Ramp 2016 front (c) Air + Style

Die neue Rampe des Air+Style Snowboard Festivals sprengt bereits jetzt alle Superlative: 42 Meter Höhe, 285 Tonnen Material, 30.000 Einzelteile.

Alles begann mit einem Front Flip

Die Erfolgsgeschichte des Air + Style Snowboard Contests begann mit einem Salto vorwärts, einem Front Flip des Schweizers Reto Lamm. Damit gewann er den ersten Contest im Jänner 1994. Seit damals steht Air + Style für die weltweit größte Show im Snowboard-Sport. In der Disziplin „Big Air“ und fallweise in der „Quarter Pipe“ wurden stets neue Trends lanciert, richtungsweisend für die gesamte Community.

Gewann 1994 mit einem Front Flip die Premiere von Air + Style. (Foto: Air + Style)

Mit diesem Front Flip gewann Reto Lamm 1994 die Premiere von Air + Style.

Air versus Style

Dass man als Freestyler unter den Snowboardern nicht nur auf sportliche Höchstleistungen setzt, sondern auch immer auf eine gehörige Portion Kreativität und Ästhetik, war von Beginn an ein Leitgedanke dieses Sports. Als dessen repräsentativster Event drückt der Air + Style es sogar mit seinem Namen aus. Die perfekte Synthese zwischen „Air“, dem Sprung, und „Style“, der Ästhetik, wird angestrebt. Demnach gewannen nicht immer die schwierigsten Sprünge, sondern meist auch die schönsten. Für mich ein Paradebeispiel war der Siegessprung vom Schweden Ingemar Backman im Jahr 1998. Sein Switch Backside 540 mag damals nicht so schwierig gewesen sein wie die Sprünge seiner Finalkonkurrenten, aber hey, sah der gut aus!

Ingemar Backman 1998 (c) Air + Style

Backmans stylischer Sprung zum Triumph 1998.

Mehr Rotationen, mehr Punkte?

Die Balance zwischen Air und Style setzte sich als Grundphilosophie der Freestyle-Szene noch für einige Jahre durch. 900°, zweieinhalb Rotationen: Mehr benötigte man bis Mitte der Nuller-Jahre nicht um beim wichtigsten Contest zu gewinnen. Es musste halt verdammt gut aussehen. Erst in der Münchner-Phase des Air + Style Contests setzten sich zunehmend schwierigere Sprünge durch. Athleten wie Travis Rice, David Benedek, Shaun White und Kevin Pearce setzten neue Standards: mehrfache Überkopfrotationen und Umdrehungen um 1260°, also dreieinhalb Mal um die eigene Achse, wurden zum Muss.

Der Norweger Stale Sandbech gewann Air + Style 2015 mit einem Backside Triple Cork 1440 Indy und einem Frontside 1080 Indy. (Foto: Air + Style)

Der Norweger Stale Sandbech gewann den Air + Style Contest 2015 mit einem Backside Triple Cork 1440 Indy und einem Frontside 1080 Indy.

Quantensprünge: Triple Corks und mehr

Zehn Jahre später scheint die Freestyle-Szene unter den Snowboardern sich ganz klar Richtung immer unglaublicheren sportlichen Höchstleistungen hinzubewegen. Wie sehr der Style darunter leidet, ist bereits seit einigen Jahren Gegenstand hitziger Diskussionen. Tatsache ist, dass man bei den prestigeträchtigsten Events wie dem Air + Style oder den X-Games mittlerweile nur noch mit Kombinationssprüngen aus mehrfachen Überkopfrotationen und mindestens vier Umdrehungen vorne mitmischen kann. Und die Evolution ist rasend. Genügten beim Air + Style in Peking, im Dezember 2015, Max Parrot noch Backside und Frontside Triple Cork 1440 Mutes um zu gewinnen, so musste er für seinen Sieg bei den X-Games in Aspen am vergangenen Wochenende, bereits einen unfassbaren Cab Triple Cork 1800 auspacken (siehe Video unten). Das entspricht in etwa einer fünffachen Umdrehung mit dreifacher Überkopfrotation.

Uh, wow! Our current tour leader @maxparrot just landed gold at @xgames big air. Heavy. Congrats Max!!!

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Air + Style verschiebt die Grenzen des Möglichen

Wesentlich für diese sich so rasant entwickelnde sportliche Leistungsexplosion sind die Dimensionen und Beschaffenheit der neuen Rampen. Bei den X-Games erreichte Max Parrot Höchstgeschwindigkeiten von zirka 75 Stundenkilometern. Er sprang knapp 30 Meter weit und musste bei der Landung Belastungen von 15 G (das Dreifache eines Formel 1 Piloten in der Kurve) aushalten. Solche Leistungen wären am Bergisel niemals möglich. Deshalb auch die Übersiedlung und die neue Monsterrampe.

+INNSBRUCK Thomas Oehler (@tom_oehler) tests out the jump in Innsbruck. #airandstyle #innsbruck #airandstyle2016 📸 @bause.at

A photo posted by Air + Style (@airandstyle) on

Was uns also am Samstag beim ersten Air + Style in der Olympiaworld erwartet, sind noch nie dagewesene Leistungsdimensionen des Snowboard-Sports. Athleten wie Max Parrot, Mark McMorris und Yuki Kadono werden uns Zuschauer an die Grenzen des Möglichen heranführen. Darauf dürfen wir uns freuen. Doch ich persönlich hätte auch nichts dagegen, wenn auf einmal ein Ingemar Backman auf dieser Monsterrampe auftauchen würde, um einen einfachen fetten ultrastylischen 540 hinzuknallen. Nur ein Traum. Ein Traum von „Air“ und „Style“, dem Yin und Yang des Snowboardens.

Mehr Infos zum Snowboardevent der Superlative findet ihr hier.

Fotos: Air + Style

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