Sitzungssaal des Gramaiser Gemeinderates, Foto: Verena Kathrein

Fein sein, beieinander bleiben: Gemeinderat Gramais

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Eine Gemeinschaft zu bilden, hat in der kleinsten Gemeinde Österreichs eine besondere Bedeutung: Wer sich in Gramais öffentlich engagiert, trifft zwangsläufig ständig auf Gleichgesinnte.

Irene Heisz

Die Journalistin, Autorin und Moderatorin Irene Heisz schreibt am... Zum Autor

Die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner von Gramais schwankt ständig. Naturgemäß. An einem Tag
werden 48 Köpfe gezählt, ein paar Wochen später nur 46, dann wieder 47… Gefahr, das von den Gramaisern
mit einem fast trotzigen Stolz getragene Prädikat „kleinste Gemeinde Österreichs“ zu verlieren, läuft das Dörflein
in einem Seitental des Lechtals im Bezirk Reutte so oder so nicht.

Wenn Bürgermeister Michael Fasser ein paar Mal im Jahr zur Gemeinderatssitzung lädt, mitunter auch an eine zum Sitzungstisch umfunktionierte Tischtennisplatte, braucht er keine allzu hitzigen politischen Debatten zu fürchten. Beschlüsse werden, berichtet Vizebürgermeisterin Silvia Schöpf, „meist einstimmig“ gefasst. Fünf Gemeinderäte, zwei Gemeindevorstände, die Vizebürgermeisterin und der Bürgermeister – mehr Menschen sind es nicht, die das Dorf politisch führen und verwalten. Man kennt einander oder ist gar mehr oder weniger nah miteinander verwandt; der gesamte Gemeinderat besteht aus der einzigen Liste, die zur letzten Wahl überhaupt angetreten ist: der „Gramaiser Liste“.

45 Einwohner hat Gramais im Lechtal, ein Fünftel der Bevölkerung sitzt im örtlichen Gemeinderat. Foto: Verena Kathrein

45 Einwohner hat Gramais im Lechtal, ein Fünftel der Bevölkerung sitzt im örtlichen Gemeinderat. Foto: Verena Kathrein

 

Ein so winziges Reservoir an Menschen, die sich für die Gemeinschaft engagieren wollen und können, bringt das interessante Phänomen mit sich, dass die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte einander wohl mehrmals die Woche an verschiedenen Sitzungstischen in unterschiedlichsten Funktionen gegenübersitzen – und damit verbunden ist mitunter wohl auch eine gewisse Ermüdung: Weder die Gramaiser Liste noch Michael Fasser werden zur Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl am 28. Februar 2016 erneut antreten. Ersatz hat sich bisher nicht gefunden. Damit bleibt der alte Gemeinderat vorläufig automatisch im Amt; voraussichtlich wird dann die Bezirkshauptmannschaft die Führung der Gemeinde übernehmen.

In der Reihe „Fein sein, beieinander bleiben“ stelle ich verschiedene Tiroler Gemeinschaften vor.

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