Wenn der Bully brummt: Einmal im Cockpit eines Pistenbullys mitfahren

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Einmal selbst miterleben, wie die Pisten in einem Skigebiet präpariert werden – das wünschen sich nicht nur Kinder. In ein paar Tiroler Skigebieten darf man zu den Pistenbullyfahrern mit ins Cockpit steigen. Ich habe es selbst ausprobiert.

Eva

Mit der Kamera in der Hand entdeckt Eva Thöni Tirol. Die... Zum Autor

Um 16:15 Uhr treffe ich Pistenbullyfahrer Leo bei der Talstation der Schönjochbahn in Fiss. Nachdem die obligatorische Frage „Vo wem bisch du?“ (bedeutet: Wer sind deine Eltern?) beantwortet wurde, kann es losgehen. Unser Pistenbully hat auch eine Winde, wir werden also auch die steileren Pisten befahren. Angst habe ich keine, aber ein wenig aufgeregt bin ich schon :)

Pistenbully Fahrer Leo

Pistenbullyfahrer Leo mit seinem Kässbohrer PistenBully Polar 600, der mehr wiegt als zwei ausgewachsene afrikanische Elefanten oder zehn VW Golf.

Los geht’s! Volle Konzentration beim Präparieren

Leo muss jetzt voll konzentriert sein. Wenn die Pistenbullyfahrer mit der Präparierung loslegen, sind immer noch Skifahrer auf der Piste, die ihre letzte Abfahrt machen. Während wir mit unserer 14 Tonnen schweren und knapp 500 PS starken Pistenraupe unterwegs zur Kerbbodenabfahrt sind, erzählt Leo von seiner Arbeit: „Das Gerät zu bedienen ist nicht schwierig. Die Herausforderung besteht darin, gute Pisten zu machen, die lange halten.“

Besonders viel Arbeit gibt es, wenn es wärmer ist. Dann müssen die Fahrer zuerst mit der Schaufel den Schnee wieder nach oben schieben, bevor die Fräse zum Einsatz kommt. Ein Schneemessgerät im Cockpit zeigt an, wie dick die Schneeschicht ist und wo ausgebessert werden muss. Die Rückfahrkamera nützt heute nichts, sie ist zugeschneit.

Pistenbully Flotte Fiss

Treffpunkt für die Pistenbully-Tour an der Talstation der Schönjochbahn in Fiss.

Angeseilt bergauf und bergab

Im Skigebiet Serfaus-Fiss-Ladis sind insgesamt 34 Pistenbullys zur Präparierung im Einsatz. Das erfordert eine genaue Abstimmung, wer für welchen Abschnitt zuständig ist. Leo fährt ein Gerät mit Winde, er kann sich entlang der Piste an verschiedenen Stellen einhängen und präpariert dann am Seil hängend. Der Pistenbully würde die meisten Abfahrten zwar theoretisch ohne Seil schaffen, aber dann wird die Piste nicht so schön, erklärt mir Leo. Schnee hochschieben ist aber ohne Winde trotz der vielen Pferdestärken des Bullys auf den steileren Pisten nicht mehr möglich. Das Fahren am Seil benötigt ein wenig Übung, man muss gut aufpassen, dass man keine Schneelanze erwischt. Und natürlich muss man konzentriert bleiben und darf keinen Pistenabschnitt vergessen.

Pistenbully Fiss

Wenn die Fahrer mit ihrer Arbeit beginnen, machen die Skifahrer ihre letzte Abfahrt.

Atemlos durch die Nacht: Mit Humor geht’s leichter

Leo ist schon den achten Winter als Pistenbullyfahrer im Skigebiet Serfaus-Fiss-Ladis angestellt. Mit 50 Jahren ist er der älteste in seinem Team, ein paar der Fahrer sind aber schon 15 Jahre oder länger dabei. Die Stimmung unter den Kollegen ist gut, erzählt er mir. Dass alle für einen Schmäh zu haben sind, merke ich dann auch gleich. Als Helene Fischer durch das Radio trällert, ertönt kurze Zeit später ein „Atemlos durch die Nacht“ in voller Lautstärke durch den Funk. Leo grinst, er kennt das.

Was er an seinem Job besonders schätzt, ist das selbstständige Arbeiten. „Es gibt zwar ideale Abläufe, aber wichtig ist nur, dass meine Pisten am nächsten Tag passen.“ Und auch die Arbeitszeiten kommen dem Hobby-Sportler sehr entgegen, er schafft pro Winter zwischen 70 und 80 Skitouren! Ein normaler Arbeitstag startet für Leo um 16.00 Uhr, nach dem gemeinsamen Abendessen um 21:00 Uhr präparieren die Fahrer bis 1 oder 2 Uhr in der Nacht, je nach Schnee. Danach benötigt die Piste noch rund sechs Stunden, um fest zu werden.

Das Cockpit ist sehr geräumig, ich fühle mich gleich wohl!

Das Cockpit ist sehr geräumig und bietet mehr als genug Platz für mich als Beifahrerin.

Im Winter auf der Piste, im Sommer auf der Alm

Was fragen Leo eigentlich die Gäste, die er sonst mitnimmt? Leo erzählt, dass die meisten natürlich sehr interessiert an den technischen Daten zum Pistenbully sind. Sie wollen aber auch wissen, was er im Sommer macht, wenn er nicht Pistenbully fährt. Leo war über zehn Jahre lang Hüttenwirt des Hohenzollernhaus bei Pfunds, seit vergangenem Sommer ist er auf der Alm. Er genießt es, zwei verschiedene Jobs zu haben – so wird es nie langweilig. Mit seinen Gästen im Cockpit redet er aber über alles, von Politik bis Wirtschaft, und auch über die Frauen :).

Während der Fahrt bleiben wir immer wieder stehen, damit Leo das Seil an verschiedenen Stellen neben der Piste einhängen kann. Als wir das erste Mal über die Kuppe fahren, halte ich mich doch lieber fest. Aber Leo hat alles im Griff und die Fahrt macht richtig Spaß. Es ist schon längst dunkel und Leo fährt mich wieder zur Talstation. Er hat allerdings noch einige Stunden Arbeit vor sich.

Pistenbully Nacht

20 Zentimeter Neuschnee: Ideal für eine perfekte Piste!

In diesen Skigebieten könnt ihr im Pistenbully mitfahren:

Serfaus-Fiss-Ladis (bei der Buchung dazusagen, wenn ihr auch im Pistenbully mit Winde mitfahren möchtet)
Hochzeiger, Pitztal
Lermoos, Tiroler Zugspitzarena
Hintertuxer Gletscher (Pistenbully selbst fahren in der Test-Area)

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A video posted by Jan Keller (@jankellervanleeuwen) on

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