Blick übers Tannheimer Tal

Wo es ganz einfach ist, loszulassen: Schneeschuhwandern im Tannheimer Tal

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Im Tannheimer Tal kann es, muss es aber nicht immer das Skifahren auf der Piste sein. Es gibt auch andere, mindestens so schöne Möglichkeiten, sich in tiefwinterlicher Natur fortzubewegen – mit Schneeschuhen zum Beispiel. Ein Winterspaziergang mit dem Berg- und Skiführer Leo Ammann.

Irene Heisz

Die Journalistin, Autorin und Moderatorin Irene Heisz schreibt am... Zum Autor

Wir gehen los. Ich zunächst tapsig wie ein Bärenjunges auf seinem ersten Ausgang. Zum ersten Mal auf Schneeschuhen, muss ich mich noch bewusst darauf konzentrieren, meine Schritte leicht breiter zu setzen als üblicherweise. „Lass dir Zeit“, sagt Leo Ammann, „geh langsam und gleichmäßig. Wir haben doch keinen Stress, oder?“ Neugierig von mir befragt, wie das denn sei auf Schneeschuhen, hat der Berg- und Skiführer irgendwann gemeint: „Dann gehen wir halt eine Runde. Zieh anständige Schuhe und einen Skianzug an, Schneeschuhe und Stöcke bring’ ich mit.“

 „Lass dir Zeit. Geh langsam und gleichmäßig. Wir haben doch keinen Stress“, lautet das Credo von Berg- und Skiführer Leo Amman, Foto: privat

„Lass dir Zeit. Geh langsam und gleichmäßig. Wir haben doch keinen Stress“, lautet das Credo von Berg- und Skiführer Leo Amman, Foto: privat

 

Es ist später Vormittag und sehr kalt, der über Nacht frisch gefallene Schnee knirscht bei jedem Schritt unter meinen Schneeschuhen. Der Himmel über dem Tannheimer Tal hat dieses tiefe Eisblau, das es nur im Jänner gibt, die gleißende Sonne lässt die nur vermeintlich rein weiße Welt um uns herum in allen Facetten glitzern und hat schon genug Kraft, im lichten Mischwald hie und da eines der flaumig weißen Pudelmützchen von einem Tannenzweig zu lösen. Während ich urlaubsbedingt lange geschlafen und gemütlich gefrühstückt habe, hat Leo Ammans Arbeitstag bereits um 5 Uhr begonnen. Für 28 der insgesamt 140 Kilometer Langlaufloipen im Tannheimer Tal ist Leo zuständig. Wenn es nachts geschneit hat, müssen die Spuren für die Skater und die Langläufer im klassischen Stil in aller Früh frisch präpariert werden. Ist über Nacht kein Neuschnee dazu gekommen, verlagert sich die Arbeitszeit der Loipenpräparierer in die Abendstunden. Täglich rund sechs Stunden lang verbringt Ammann auf dem Pistengerät.

Winterlandschaft im Tannheimer Tal

Befreit durchatmen: Das Tannheimer Tal ist ein stilles Winterparadies für Menschen, die beim Wandern und Langlaufen Hektik und Stress weit hinter sich lassen.

Nur kein Stress

Auf Langlaufskiern und auf Schneeschuhen ist Leo nur privat unterwegs, auf Skitouren führt der 60-Jährige auch Gäste. „Ich arbeite schon mein ganzes Leben lang in und mit der Natur“, erzählt er, während wir gemächlich bergan stapfen. „Schon als kleiner Bub war ich mit dem Großvater auf der Jagd und mit dem Vater im Sommer auf den Bergmähdern. Was man über die Natur weiß, wird von Generation zu Generation weitergegeben. Für mich war das wahrscheinlich so, wie für viele Kinder heute der Computer ist.“ Ich spüre, wie meine Muskeln warm und geschmeidig werden. Mein Atem geht tief und gleichmäßig, große Ruhe und gelassene Freude breiten sich in mir aus. „Das ist doch Entspannung pur“, findet Leo. „Und fit bleibt man auch. Außerdem kriegt man in der Höhe einen klaren Kopf. Hier heroben ist es ganz einfach, loszulassen.

Am Ziel unseres Schneeschuh-Spaziergangs angekommen, gönnen wir uns, träge an die sonnenwarme Holzwand des Berggasthofes Adlerhorst gelehnt, einen heißen Tee und eine Jause mit Hirschspeck, den die Wirtsleute selbst räuchern. Unter uns breitet sich das idyllische Hochtal aus, mein Blick wandert über den Haldensee tief unten im Tal hinauf zur Krinnenspitze. „Bist du“, frage ich Leo, „eigentlich eher ein Winter- oder ein Sommermensch?“ Die Antwort kommt ohne Zögern: „Mich tunkt jede Jahreszeit schön! Im Sommer mag ich die langen Tage, das viele Grün. Aber ich liebe auch die langen Nächte im Winter, den frühen Feierabend, zu spüren, wie die Natur und der eigene Körper ein bisschen zurückschalten. Und dann, wenn ab Jänner, Februar langsam alles wieder zum Leben erwacht… Man kann sagen: Das Schöne am Winter ist – auch! – die Vorfreude auf den Frühling.“

Mehr Infos zum Schneeschuhwandern im Tannheimer Tal: www.tirol.at

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