9 Dinge, die eine Freeride-WG von einer normalen WG unterscheiden

------

Wallner Nadine, Schipflinger Sabine, Astrid Geiger. Fein säuberlich fädeln sich die Namen der drei Sportstudentinnen an der Türklingel eines Innsbrucker Wohnblocks untereinander auf. Ein ganz normaler Tag, eine ganz normale Wohngemeinschaft. Wir sind zum Essen eingeladen. Während die WG-Bewohnerinnen Tortillas speisen, plaudern sie über Sabines Reha nach ihrem Wirbelbruch beim Skifahren am Gletscher und diskutieren über die aktuellen Schneebedingungen. Worüber man eben so spricht in einer normalen WG…

Michael

Michael Gams ist in seiner Freizeit viel im Land unterwegs: Beim... Zum Autor

Nadine legt sich eine Tortilla am Teller zurecht und schaufelt etwas Gemüse mit Sauce drauf. Sie hat 2013 und 2014 die Freeride World Tour gewonnen, 2015 war sie verletzt. Ein offener Schien- und Wadenbeinbruch beim Skifahren in Alaska. Sabine und Astrid schenken Multivitaminsaft ein. Die beiden sind ebenfalls erfolgreich bei Freeride-Contests unterwegs. Nur das Studium leidet etwas darunter. Ein ganz normaler Abend in einer fast normalen WG. Im Gespräch verraten die drei Freundinnen dann doch noch einige Unterschiede zu normalen Wohngemeinschaften:

Unterschied 1: Der Start ins WG-Leben

Wie seid ihr zu einer Wohngemeinschaft geworden?

Nadine: Eigentlich haben wir uns beim Aufnahmetest fürs Sportstudium kennengelernt.
Sabine: Da sind wir vor der Uni auf der Stiege gehockt und haben uns über Freeride Contests unterhalten. Und  das nächste Mal war dann in Hochfügen bei einem Freeride-Contest.
Nadine: Irgendwann habe ich dann mal diese Wohnung hier von einem Kollegen gecheckt und Sabine angerufen: „Hey ich hab‘ eine Wohnung!“
Astrid: Ich bin verspätet dazugekommen. Nadine und ich kennen uns auch vom Skifahren und von unserer gemeinsamen Schulzeit in Vorarlberg. Ich suchte eine Wohnung in Innsbruck und durfte in Nadines Zimmer bleiben, während sie auf Skireisen und Contests war.
Nadine: Dann ist unsere andere Mitbewohnerin mit ihrem Freund zusammengezogen und ihr Zimmer wurde frei für Astrid.

Unterschied 2: Verhaltensauffälligkeit bei Schneefall

Nadine Wallner_Soelden_Christoph Schoech_RB Content Pool

Nadine verlässt die WG auch gerne mal für einen Fototermin, wenn’s geschneit hat. (Foto: Christoph Schöch, Red Bull Content Pool)

Was passiert in eurer WG, wenn es mal so richtig schneit?

Sabine: Nadine ist dann meistens schon am Arlberg und gar nicht mehr in der WG.
Astrid: Dann weinen wir zuerst mal. Und danach besuchen wir Nadine am Arlberg. (alle lachen)

Was macht man da? Kaffeetrinken?

Sabine: Nein! Skifahren von früh bis spät – bis der Lift zusperrt.

Unterschied 3: Wenig gemeinsame Zeit

Wie oft seid ihr gemeinsam unterwegs?

Astrid: Wir waren vergangenen Herbst einmal am Stubaier Gletscher zusammen Skifahren.
Sabine: Einen richtig geilen Powdertag hatten wir aber zu dritt noch nie. Das wäre noch ein Ziel. Es ist schwierig, dass wir alle drei zusammenkommen. Entweder ist irgendeine von uns unterwegs – oder verletzt.
Nadine: Heuer im Frühwinter war Sabine verletzt…
Sabine: … und letztes Jahr war Nadine verletzt.

Unterschied 4: Die Inneneinrichtung

Wie viele Paar Ski gibt’s in eurer WG?

Sabine: Über 10.
Astrid: Über 15.
Nadine: Mehr. Ich habe Ski im Auto, Ski zuhause, Ski hier. Ihr auch.
Astrid: Ja jede von uns hat mindestens vier Paar.
Nadine: So wie andere Schuhe haben, haben wir Ski.
Astrid: Genau, das ist wohl der größte Unterschied zu einer normalen WG!
Nadine: Wobei, viele Schuhe gibt’s hier auch. Ich frag mich immer, wem die alle gehören. Sabine?

Unterschied 5: Powdern statt Party

Partys feiern und lange schlafen oder früh aufstehen und powdern – was ist euch lieber?

Astrid & Nadine: Eindeutig powdern gehen!
Sabine: Beides!

Little #outtake from yesterdays #photoshoot!! 📷@bausetom #scott2luvit#fischerskis#powpow#mountains#nottoobad😊

A photo posted by SABINE SCHIPFLINGER (@sabineschipflinger) on

Bild oben: Sabine mal abseits der WG (und abseits der Pisten) in der Axamer Lizum.

Unterschied 6: Ohne Heizung Autofahren

Astrid: Wenn wir zusammen Skifahren gehen, ist es ganz wichtig, dass nicht Nadine fährt. Nadine heizt nämlich nicht beim Autofahren.
Nadine: Weil ich der Meinung bin, du musst dich schon vorbereiten auf die Außentemperatur. Denn wenn du mit der Jacke im Warmen hockst und dann aussteigst, ist’s erst recht kalt.
Sabine: Aber darunter leiden Nadines Mitfahrerinnen sehr!
Nadine: Ich hocke immer fertig angezogen im Auto. Am Parkplatz steige ich dann nur noch aus, nehme die Ski und bin weg. Es ist lästig, wenns so warm ist.
Astrid: Möglicherweise ist das der Grund, dass wir Qualifier fahren und Nadine auf der World Tour. (lacht)

Unterschied 7: Das Wohnzimmer mit einer Weltmeisterin teilen

Sabine, Nadine, Astrid und ein ganz normaler Abend in ihrer Freeride-WG.

Sabine, Nadine, Astrid und ein ganz normaler Abend in ihrer Freeride-WG.

Wie hat Nadines Weltmeistertitel euer WG-Leben verändert?

Nadine: Blöde Sprüche musste ich mir anhören…
Sabine: …wo bleibt’s Geld?
Astrid: …können wir auch mal mit dem Auto fahren?
Nadine: Ich versuche natürlich, gesponserte Sachen mit meinen WG-Mitgliederinnen zu teilen. Kleidung, Skifelle, Repschnüre und so weiter. Das teile ich gern mit Leuten, die mir lieb sind.
Astrid: Es ist gar nicht so einfach, mit der Nadine wo hinzugehen, weil sie so viele Leute kennt.
Nadine: In der Szene selber triffst Du immer wieder dieselben Leute und jeder kennt über eine Ecke den anderen. Ich war in Neuseeland in Wanaka und es kam mir vor, als ob ich zuhause am Berg hocke.

Müsst ihr jetzt mit Nadine mehr Zeit für Autogramme einkalkulieren?

Sabine: Nein, im Gegenteil. Wir waren mal zu dritt in der Stadt unterwegs und plötzlich ruft Nadine: „das ist der Bode Miller! Da müssen wir uns ein Autogramm holen.“
Nadine: Seine Frau war auch dabei und hat uns fast getötet mit ihrem Blick. Dann sind wir lieber weitergegangen…

Gibt’s trotzdem Fan-Anfragen an Dich, Nadine?

Nadine: Ich bekomme am Arlberg spezielle Guiding-Anfragen von Leuten, die mit mir Skifahren gehen wollen. Sowas schon. Oder auf Facebook habe ich oft Autogramm-Anfragen, ob ich irgendwas verschicken kann. Oder sie fragen mich, ob ich Single bin, wo ich wohne. Einer hat geschrieben, er klettert gern und ob ich ihm nicht mal zeigen könnte, wie’s Klettern geht. Letzten Freitag bin ich mit der Bergbahn raufgefahren und ein Deutscher meinte zu mir: „Du bist die Nadine, oder?“ Und ich: „Ja, und wer bist Du?“ Ich kenne gerne viele Leute, aber wenn Du nicht mal eine Wurstsemmel kaufen kannst, ohne dass Dich wer erkennt – nein, das braucht niemand von uns.

Unterschied 8: Bei Freeride-Contests gegenseitig die Daumen drücken

FWT Nadine Wallner Fieberbrunn 2014 (c) Red Bull Content Pool

So verdient sie das Geld für ihre Miete in der WG: Nadine 2014 bei der Freeride World Tour in Fieberbrunn. (Foto: Red Bull Content Pool)

Was macht ihr am 6. März 2016?

Nadine: Ich werde wohl einen Contest fahren. (Freeride World Tour in Fieberbrunn, Tirol)
Astrid: Und ich werde mit Sabine reden, ob wir dort zuschauen. Es steht mal im Kalender.
Sabine: Wir schauen dann Nadine zu, wie sie hoffentlich g‘scheit runterfährt.
Astrid: 2015 beim Open Faces Freeride Contest in der Axamer Lizum sind Sabine und ich gefahren, Nadine hat zugeschaut.

Unterschied 9: Philosophieren übers Skifahren

Fällt euch noch was ein, das euch von einer normalen WG unterscheidet?

Astrid: Wir philosophieren schon übers Skifahren, aber irgendwann ist dann auch mal fertig und wir reden über das Leben.
Sabine: Wenn wir Abende haben, wo wir zusammen kochen oder so, dann hocken wir oft ewig zusammen und reden über alles, was uns halt so einfällt. Da muss nicht unbedingt Skifahren das Thema sein.
Sabine: Eigentlich sind wir eine normale WG.
Nadine: Ich weiß nicht. Im Einzelnen sind wir nicht normal, glaube ich. (alle lachen)
Sabine: Psst. Wir hatten ausgemacht, das sagen wir nicht…
Astrid: Eigentlich bin ich die Normalste. Sabine hat da ein komisches Ding hinten im Rücken, Nadine hat sich letztes Jahr das Bein gebrochen. Ich bin ganz gesund und bleibe das auch hoffentlich.
Sabine: Ich glaube, wir sind trotzdem eine normale Mädels-WG. Auch wenn wir alle drei viel Skifahren. Im Großen und Ganzen sind wir eigentlich eine verrückte, normale Mädels-WG, wie jede andere auch.
Nadine: Ich denke auch. Bei mir geht’s in der WG nicht darum, ob da jetzt jeder Ski fährt. Wenn man zusammen wohnt, dann ist das was anderes.
Sabine: Ich bin ja nicht mit der Nadine zusammengezogen, weil sie Weltmeisterin geworden ist.
Astrid: Also ich schon! (Gelächter)

Tipp der Redaktion: Falls ihr Nadine in Action erleben wollt, bietet sich die nächste Gelegenheit bei der Freeride World Tour in Fieberbrunn am 6. März 2016.

2 Kommentare

  • Marco
    Unterschied 10: Man trägt den ganzen Tag Mützen, auch beim Essen?!
  • Michael
    Michael
    Hi Marco, ja das stimmt! So spart man Heizkosten ;-)