Typberatung für Trailsurfer: Welches Mountainbike-Revier passt zu mir?

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Sage mir, was du gerne fährst, und ich sage dir, wo du es findest. Trail-Präferenzen hängen von der Tagesverfassung ab. Doch egal wonach einem der Sinn steht, nach der schnellen Afterwork-Runde oder dem Baller-Trip mit Freunden, in Tirol findet jeder seinen Hometrail.

Steffen

Der passionierte Downhill-Biker Steffen Arora erobert die Berge am... Zum Autor

Entspanntes Trailsurfen in Nauders

Mit den 3-Länder Enduro Trails hat die Region Nauders im Tiroler Oberland Großes geschaffen. Vier Bergbahnen bedienen derzeit insgesamt zwölf Trails. Tendenz steigend, denn Nauders baut das Streckennetz auch heuer weiter aus. Was diese Region so einzigartig macht, ist die gut ausgebaute und weit verzweigte Infrastruktur. Dadurch entsteht auch an wundervollen Tagen nie das Gefühl, in einem überlaufenen Bikepark zu sein. Im Gegenteil, das weitläufige Gebiet macht Begegnungen mit anderen Bikern abseits der Liftstationen zur Seltenheit. Der Eindruck, den Berg allein für sich zu erkunden, ist hier Dauerzustand. Naturerlebnis trifft in Nauders auf Fahrspaß. Die Strecken bieten alles von herausfordernden Schlüsselstellen bis zum speedigen Flow.

Besonders hervorzuheben sind die unfassbar spaßigen Varianten, die den Mutzkopf herabführen. Wer nach dem Gerry Trail nicht mindestens zwei Stunden Dauergrinsen muss, der geht zum Lachen vermutlich in den Keller. Ein absolutes Muss ist auch der 3-Länder Trail. Zwar setzt der einen kurzen Uphill von der Schöneben Bergstation kommend voraus, doch der ist für wirklich jeden Tretmuffel machbar. Die Belohnung ist unvergleichlicher Trail-Spaß inmitten einer kitschig schönen Gebirgslandschaft. Und der schiere Fakt, mit dem Trailbike auf einer Abfahrt drei Länder zu befahren, lässt den Stoked-Level explodieren.

Fazit: Chilliges Trailsurfen mit Naturerlebnis – geeignet sowohl für Einsteiger mit Trail-Erfahrung als auch für Profis.

I only ride park in Serfaus-Fiss-Ladis

Wir bleiben im Oberland. Denn das bietet mit dem Bikepark Serfaus-Fiss-Ladis alles, was Park Rats begehren. Schulausflugs-Feeling in der Liftschlange, Jumptrails und Mutproben. Dank der Streckenvielfalt ist zwar auch in Serfaus-Fiss-Ladis etwas für Naturliebhaber dabei, doch dafür wird kaum jemand die 35 Euro Tagesgage bezahlen. Wer hierher kommt, der will Whistler-Feeling, der will Waldautobahnen mit Airtime-Garantie, der will Northshores und Anliegerkurven. Der Bikepark gilt als einer der gepflegtesten Österreichs, was dem Fahrspaß sehr zuträglich ist. Dank der Ausrichtung auf Familien und Einsteiger bedarf es keinerlei Vorkenntnisse. Im Shop an der Talstation kann zudem alles gemietet werden, das man noch nicht besitzt, um als vollausgestatteter Downhiller durchzugehen.

Das Muss für jeden Serfaus-Fiss-Ladis Trip sind einerseits die Jumpline „Strada del Sole“, die dank moderater Linienführung auch weniger versierten Parkshreddern gefahrlose Airtime auf mehr als 40 Sprüngen garantiert. Und natürlich die ultimative alpine Bike-Mutprobe: der Hüttendrop an der Bergstation, der schon jetzt hunderte Facebook-Profilfotos ziert.

Fazit: Spaßiges Trail-Geballer im Gondelakkord – perfekt für Groß und Klein.

Nordkette: Runter kommen sie alle

Masochismus ist Grundvoraussetzung, um am berüchtigten Nordkette Singletrail Glücksgefühle zu erleben. Zur Strecke selbst ist nicht viel zu sagen: sie ist steil und verblockt, unterbrochen nur von extrem steilen Passagen mit schier unüberwindbaren Felsstufen. Abwechslung bieten loser Schotter und tückische Wurzeln. Und weil scheitern erst richtig bitter wird, wenn einen dabei möglichst viele Menschen beobachten, verläuft der Nordkette Singletrail direkt unter der Seilbahntrasse. Wie viele Bilder und Videos strauchelnder oder verschämt am Trail kauernder Biker die Myriaden von Touristen bei ihrem Seegruben-Ausflug schon geschossen haben, ist nicht überliefert. Dieses Leiden ist jedenfalls Teil der Nordkette-Erfahrung.

Der Trail selbst ist naturbelassen und spricht nicht klassische Downhiller an. Denen ist er zu kurvig und zu langsam. Der Nordkette Singletrail richtet sich eher an die Oldschool-Rider, die Herausforderungen lieben. Schlüsselstellen – und derer gibt es auf der Nordkette unzählige – wieder und wieder fahren, bis der Fuß nicht abgesetzt werden muss. Das ist die Herausforderung, die man lieben muss, um diesen Trail zu schätzen. Dafür wird man hier immer an seine Grenzen stoßen. Auch nach Jahren, weil sich der Trail ständig verändert. Er erodiert, es entstehen neue Lines, neue Sprünge. Die Nordkette beschert bei jeder Auffahrt dieses wohlige Kribbeln im Bauch und nach jeder Abfahrt einen Adrenalinrausch, wie wirklich kein anderer Trail in Tirol. Dazu braucht diese Strecke weder Mega-Jumps noch sonstigen Klimbim – die Mutprobe ist das Runterkommen.

Fazit: Trail für Kämpfer, die keine 15 Meter Doubles springen, aber es dennoch wissen wollen.

Alles im Flow, alles in Kirchberg

Weniger schroff – dank sanfter Grasberge – präsentieren sich die Kitzbüheler Alpen. Das hat zur Folge, dass hier auch die Trails viel sanfter und flowiger ausfallen. Die Heimat von Mountainbike-Star Lisi Osl ist bergauf wie bergab ein lohnendes Ziel. Der nach ihr benannte und mit ihr zusammen gebaute Lisi Osl-Trail auf dem Gaisberg lädt auch bislang Uphill-zentrierte Biker ein, erste Trail-Erfahrungen zu sammeln. Sanfte Anliegerkurven, moderates Gefälle und keinerlei größere Hindernisse machen die perfekte Mischung aus. Es bedarf keiner Fullys, um am Lisi Osl-Trail Spaß zu haben. Auch 29er und Hardtails sind hier Trail-Waffen der Wahl. Zudem eignet sich der Trail perfekt, um erste E-Bike-Versuche zu wagen.

In der Region gibt es zahlreiche Verleihstationen, die auch modernste Trail-Versionen mit E-Motor anbieten. Wer dann auf den Geschmack kommt, der kann die etwas knackigere Variante, den Gaisberg Trail, versuchen. Allerdings empfiehlt sich dafür zumindest ein Fully. Immerhin fanden auf dieser Strecke schon österreichische Meisterschaften im Downhill statt. Krönung des flowigen Trail-Angebotes in der Region Kitzbüheler Alpen ist der Fleckalm Trail. Mit 7,5 Kilometern, der längste Trail Tirols. Er ist so gebaut, dass auch weniger versierte Trailbiker hier Spaß haben. Allerdings ist Kondition gefragt, denn die Länge hat es in sich.

Fazit: Biken für Blumenkinder inmitten saftiger Wiesen und grüner Wälder.

Hier findet ihr einen Überblick der Singletrails in Tirol: www.tirol.at/singletrails

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