Was man beim Klettern fürs Freeriden lernt – Freerider Björn Heregger im Interview

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Klettern ist das liebste Sommerhobby des Freeride-Profis Björn Heregger. Im Interview spricht der angehende Bergführer darüber, was Klettern mit Freeriden gemeinsam hat, weshalb er heute keinen Rennanzug mehr tragen würde und wieso Sport und Mode aus seiner Sicht gut zueinander passen.

Michael

Michael Gams ist in seiner Freizeit viel im Land unterwegs: Beim... Zum Autor

Björn, Du bist in Kärnten aufgewachsen. Wann warst Du das erste Mal Freeriden in Tirol?

Im Winter 2002/2003, da war ich in Obergurgl für eine Saison als Skilehrer. Den darauf folgenden Winter verbrachte ich am Arlberg. Da ist es richtig losgegangen. Ich hatte gerade die Schule beendet und ging dort als „Skibum“ auf Saison. Tagsüber ging ich Skifahren, ab vier Uhr nachmittags machte ich Snowboardservice.

Warum bist du dann in St. Anton am Arlberg geblieben?

Natürlich auch, weil dort meine Freundin wohnt. Ich war lange in Innsbruck, habe da studiert und gewohnt, bin aber immer wieder am Arlberg Ski gefahren. Jetzt gehe ich in der Früh zu Fuß zum Lift, brauche kein Auto. Das ist schon ein Riesenvorteil. Und vor allem ist der Arlberg so groß, dass man nicht wirklich wohanders hinfahren muss.

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Dass wir Dich in einer Kletterhalle fotografiert haben, hat natürlich einen Hintergrund: Du bist begeisterter Kletterer. Was kann man beim Klettern fürs Freeriden lernen?

Ich bin ein relativ fauler Trainierer. In der Kraftkammer und bei irgendwelchen Übungen verliere ich relativ schnell die Motivation, weil ich das früher als Skirennfahrer lange gemacht habe. Danach musste ich mir einen Weg suchen, wie ich trotzdem fit bleibe – so kam das Klettern ins Spiel, weil es die Rumpfkraft sehr gut trainiert und mir irrsinnig Spaß macht. Die große Parallele zum Freeriden: Sowohl beim Klettern als auch beim Freeriden muss man sich seine Route sehr gut einprägen, wenn man keine Überraschungen erleben will.

Was trägt ein Freerider im Alltagsleben? Anzug und Krawatte wohl eher nicht, nehme ich an.

Nein, Anzug und Krawatte eher selten. Ganz normal, wie jeder andere auch. Nichts Spezielles. Jeans meistens. Eher leger. Es sollte schon gut aussehen, also ich schaue schon, dass es nicht lumpig ist, aber es sollte halt bequem sein.

Für unser Fotoshooting an der Kletterwand hast Du Dich sogar mit einem Sakko ins Seil gehängt – wie klettertauglich war denn dieses Outfit?

Beim Klettern kann man eigentlich alles anziehen, das spielt keine Rolle. In der Halle sowieso, da kann kaum was passieren, außer dass es zu warm wird und Du anfängst, zu schwitzen. Ich würde mal bezweifeln, dass sich das Jackett als Klettermode durchsetzt, aber zu anderen Anlässen würde ich es schon tragen, weil es auch sehr bequem ist.

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Immer für ein Späßchen zu haben: Björn Heregger im Sakko am Seil.

Mode und Sport – ein Widerspruch?

Überhaupt nicht. Man sieht es ja aktuell, dass viele Hersteller von Outdoorbekleidung sehr stark in den Modemarkt preschen. Zum Beispiel die Hosen und die Skijacken, die man nach außen hin sichtbar trägt, sollten schon gut aussehen. Wenn es nur funktional ist, heißt das noch lange nicht, dass ich mich darin auch wohl fühle. Ich würde nie eine Hose oder eine Jacke anziehen, die zu eng ist. Da würde ich mich einfach nicht wohl fühlen. Oder wenn die Farben nicht schön harmonieren, würde ich mich auch nicht wohl fühlen. Insofern hat das schon mit Mode zu tun.

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Gibt es ein Kleidungsstück, in dem Du Dich mal total unwohl gefühlt hast?

Früher bei Skirennen fahren war‘s der Rennanzug. Aber das wird auch irgendwann zur Gewohnheit, dass du bei minus 15 Grad in einem hauchdünnen Rennanzug durch die Gegend fährst. Jetzt wär’s für mich nicht mehr denkbar, dass ich sowas anziehe.

Hast Du beim Freeriden schon mal ein wichtiges Bekleidungsstück vergessen?

Ja. Da komme ich meistens drauf, wenn es zu spät ist. Meistens sind es so Kleinigkeiten wie das zweite Paar Handschuhe oder die zweite Brille im Rucksack. Wenn die erste anläuft, hat man dann nichts mehr dabei zum Tauschen. Oder zum Beispiel ganz wichtig im Winter für mich ist der Neckwarmer. Das ist so ein Ding aus Fleece und Neopren und ganz fein, weil es die Halsgegend gut abdichtet. Wenn es richtig schneit und kalt ist, dann ist der Neckwarmer schon sehr wertvoll.

Die coolen Kleidungsstücke, die Björn für unser Fotoshooting getragen hat, gibt’s übrigens im Tirol Shop zu erwerben. Weitere Sportlerinterviews und -Portraits  lest ihr im Tirol Shop Sommerkatalog 2016, unter anderem mit  Skeleton-Vizeweltmeisterin Janine Flock, Mountainbike-Profi Lisi Osl, Triathlon-Olympiasiegerin Kate Allen und Fußballtrainer Klaus Schmidt.

 

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