Traktor fahren und Melken lernen – Bauer für drei Tage

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Haben wir uns nicht alle schon mal gefragt, wie das wäre, als Landwirt zu arbeiten? Früh morgens das Vieh im Stall zu versorgen und abends spät vom Feld heimzukommen? Im Osttiroler Virgental kann man das einfach mal ausprobieren. Drei Tage lang helfen Gäste den Bergbauern, als Praktikanten sozusagen. Und am Ende gibt’s sogar ein Zertifikat.

Sebastian Höhn

Der Berliner Journalist und Fotograf sieht Tirol aus den Augen des... Zum Autor

Um 6.30 Uhr klingelt der Wecker, dann geht es gleich runter auf den Hof. Geduscht und gefrühstückt wird später, denn zuerst steht die Arbeit im Stall an. Die Kühe und Schweine sind es gewohnt, gegen 7 Uhr Futter zu bekommen. Und das Ausmisten gehört natürlich auch dazu. Was für Regina Berger und ihren Mann übliche Morgenroutine ist, erscheint manchen ihrer Gäste wie ein kleines Abenteuer. Vor allem, wer aus der Großstadt kommt, hat meist keinen Bezug zur Arbeit in der Landwirtschaft, geschweige denn auf einem Bergbauernhof. Aber die Gastgeberin des Bartlerhofs im Osttiroler Virgental weiß: Das lässt sich schnell ändern.

Tagwache um 6.30 Uhr: Die Schweine und Kühe sind es gewohnt, gegen 7 Uhr Futter zu bekommen.

Tagwache um 6.30 Uhr: Die Schweine und Kühe sind es gewohnt, gegen 7 Uhr Futter zu bekommen.

Mit dem Programm „In 3 Tagen zur begeisterten Bäuerin / zum begeisterten Bauer“ verwandelt sie ihre Gäste im Nu zu Hobby-Landwirten, die Mistforke und Melkeimer manchmal gar nicht mehr aus der Hand legen wollen. Die Aktion haben sich die Bergers zusammen mit drei weiteren Bauernfamilien im Virgental ausgedacht, allesamt Partnerbetriebe des Nationalparks Hohe Tauern. Wer sich drei Tage lang als Hof-Praktikant bewährt, dem attestiert Regina Berger am Ende die Befähigung zum Hobby-Bauern. Per Zertifikat – und natürlich mit einem Augenzwinkern. Das Programm bieten neben dem Bartlerhof derzeit der Mortnerhof, der Klampererhof und der Stoanahof an.

Dabei gehe es natürlich nicht allzu streng zu, sagt Regina Berger. Die Arbeit solle ja der Erholung dienen. „Man kann sich das alles frei einteilen“, sagt sie. Und wenn mal einer nicht in den Stall wolle, helfe er eben anderswo, zum Beispiel im Kräutergarten oder beim Heumachen. Am Vormittag, nach dem kräftigenden Bio-Frühstück, wird die frisch gemolkene Milch weiterverarbeitet. „Wenn sie etwas abgekühlt ist, machen wir den Joghurt und parallel die Butter“, sagt die Bäuerin. Die Magermilch, die beim Buttern übrig bleibt, wird nicht etwa weggeschüttet, sondern zu dem verarbeitet, was Regina Bergers Spezialität ist: Graukäse. Typisch Tirolerisch, sehr mager, und mehrere Monate haltbar. Lang gelagert, kann er einen ähnlichen Geschmack wie Parmesan entwickeln. „Manche Gäste begeistert das so sehr, dass sie den Käse oder den Joghurt daheim nachmachen“, erzählt Berger. „Wir bekommen immer wieder Fotos geschickt.“

Dass die Gäste bei der Käseherstellung besonders große Augen machen, kann auch Anna Niederegger bestätigen, die Gastgeberin des Mortnerhofs. Bei ihr ist es allerdings eine Spezialität, die man eher mit Italien verbindet: Mozzarella. „Den machen wir jeden zweiten Tag frisch, und dafür interessieren sich die Leute am meisten“, sagt die Nachbarin von Regina Berger. Mozzarella ist vergleichweise schnell hergestellt, er braucht kaum Reifezeit. „Die Milch wird angesäuert, eingelabt, und dann machen wir Bällchen“, erklärt Anna Niederegger. Eine halbe Stunde in kaltes Wasser, fünf Stunden in leichter Salzlake liegen lassen – fertig ist er.

Für das Programm interessieren sich offenbar vor allem jene, die einen Kontrast zum eigenen Alltag suchen. „Es sind Manager dabei und Leute, die sehr im Stress stehen“, sagt Regina Berger. „Die kommen hier richtig runter.“ Und meistens würden sie auch gut mithelfen. Wie zum Beispiel die BMW-Managerin, die vor zwei Jahren da war und vollkommen begeistert gewesen sei.

Erinnerungsfotos Bauernhofurlaub

Nach dem Bauernhofurlaub bekommt Regina Bauer von ihren Gästen schöne Erinnerungsfotos zugeschickt.

Die Idee, die Gäste in drei Tagen zu begeisterten Bauern zu machen, sei gar nicht – wie man vielleicht denken könnte – als Marketing-Gag geplant worden, sagt Anna Niederegger. „Wir hatten einfach schon lange viele Urlauber, die großes Interesse an unserer Hofarbeit gezeigt haben.“ Die Idee habe deshalb nahe gelegen. Und tatsächlich ist die Nachfrage sehr groß. Regina Berger muss immer wieder Gäste vertrösten. Das liegt vor allem daran, dass die meisten für die Sommermonate anfragen, wo die Höfe am stärksten gebucht sind und es nur wenige Lücken gibt. Am besten passt es den Bauern von Anfang Mai bis Mitte Juni und Mitte September bis Ende Oktober. Dann ist nämlich besonders viel zu tun, und die Bauern können fleißige Helfer gut gebrauchen, vor allem in der Erntezeit oder beim Kartoffel-Setzen im Frühjahr. „Man muss sich für den Gast einfach viel Zeit nehmen, um alles gut erklären zu können“, sagt Regina Berger.

Die Gäste zahlen für das 3-Tages-Programm eine günstige Pauschale, die je nach Hof etwas variiert. Nach dem Bauer-Schnupperkurs fühlten sie viele von ihnen buchstäblich geerdet, sagt Regina Berger. Und: Die Arbeit der Bergbauern würden sie viel mehr wertschätzen.

Mehr Informationen zum Angebot: www.im-herzen-des-nationalparks.at

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