Adlerweg, Etappe 2

Auf den Spuren der Adler Alpingeschichten: Wilder Kaiser

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Wer am Adlerweg wandert, begibt sich auf die Spuren alpinistischer Pionierleistungen. Im Kaisergebirge erzählt man sich die wildesten Geschichten, u.a. vom Extremkletterer Alexander Huber, den Kletterpionieren Helmut Kiene und Reinhard Karl, oder vom Hüttenwirt Kaindl Much, aber mehr dazu gibt’s hier!

Michael

Der begeisterte Kletterer Michael Walzer ist in seiner Freizeit... Zum Autor

Der Schleier Wasserfall (Adlerweg-Etappe 01: St. Johann – Gaudeamushütte)
Er stürzt am Fuß der Maukspitze über eine 60 Meter hohe Felswand schäumend in die Tiefe. Was für die einen ein spektakuläres Naturschauspiel, ist für die anderen eine alpine Herausforderung. Sie klettern nach oben, während der Wasserfall ihren heißen Rücken kühlt. Der bekannte Extremkletterer Alexander Huber, der den Wilden Kaiser oft als seine zweite Heimat bezeichnet, meint dazu sogar: „Ich habe am Schleierwasserfall einen neuen Horizont erreicht!“ Was macht den Schleierwasserfall so einzigartig? Huber: „Er besticht durch sein extremes Gelände. Die weit überhängende Wand ist sensationell, dadurch stürzt der Wasserfall relativ weit entfernt von der Wand in die Tiefe. In diesem Gelände zu klettern, schaut nicht nur abgefahren aus, sondern ist auch ein unbeschreibliches Gefühl!“ Hinter dem Tropfenschleier des Schleierwasserfalls befindet sich übrigens ein trockener Platz, wo man rasten kann. Dort entspringt aus einer dunklen Spalte eine Quelle, die so frisch und klar ist, dass sie auch Silberbründl genannt wird. Wenn man zur richtigen Zeit dort ist, so verkündet die Sage, fließt echtes Silber hervor. Aber wann ist die richtige Zeit?

(c) Michael Meisl

(c) Michael Meisl

 

Kiene und Karl schaffen den VII. Grad (Adlerweg-Etappe 02: Gaudeamushütte – Hintersteiner See)
Die Wände im Wilden Kaiser waren immer schon ein Prüfstein der Kletterelite. 1977 schrieben die bundesdeutschen Freikletterpioniere Helmut Kiene und Reinhard Karl hier Klettergeschichte. Bis dahin glaubte niemand, dass man schwierigere Routen als den VI. Grad klettern könnte. Aber am Wilden Kaiser ging es dann doch noch um einiges wilder zu: knallharte Risskletterei, alles frei, keine Haken… Kiene und Karl nahmen die Herausforderung an und erreichten mit ihrer Erstbegehung der Pumprisse am Fleischbankpfeiler die erste offizielle Bewertung mit dem alpinen VII. Grad. Sie öffneten damit die Schwierigkeitsgrade nach oben. Die Pumprisse wurden dadurch fast so berühmt wie Reinhard Karl, der als erster Deutscher den Mount Everest bestieg, und Helmut Kiene, dessen Solo-Begehungen ihn als einen der führenden Alpinisten der 1970er Jahre auszeichneten.

(c) Reinhard Karl_Archiv Kubin

(c) Reinhard Karl_Archiv Kubin

Die Erstbesteigung der Kaindlnadel (Adlerweg-Etappe 03: Hintersteiner See – Kufstein)
Die Kaindlnadel ist eine schmale, 15 Meter hohe Bergspitze zwischen Scheffauer und Zettenkaiser. Sie weist den Schwierigkeitsgrad IV- auf und ist nur über einen drei Meter hohen Überhang zu erreichen. Der Wirt der Kaindlhütte, Kaindl Much, hatte den damals noch namenlosen Gipfel immer vor Augen und träumte davon, ihn einmal zu besteigen. Eines Tages schien die Gelegenheit günstig und er wagte es, mit Erfolg! Als er droben stand, schickte er seinen Gästen, die von der Hütte aus nach ihm Ausschau hielten, einen fröhlichen Juchezer. Das war im Jahre 1909 und der Kaindl Much war 70 Jahre alt. Die markante „Nadel“ wurde nach ihm benannt. Die Nachahmung der Tour ist nur exzellenten Kletterern empfohlen, einkehren in der gemütlichen Kaindlhütte auf der Steinbergalm kann jedoch jeder.

(c) Renate und Michael Gruber

(c) Renate und Michael Gruber

 Neben den Geschichten die man sich auf den ersten drei Etappen erzählt, gibt es natürlich noch unzählige weitere im Kaisergebirge, die einen in den Bann ziehen. Auf dem Adlerweg folgen jedoch noch weitere, die auf jeden Fall erzählt werden wollen … mehr dazu aber in meinem nächsten Blogbeitrag!

 

 

Allgemeine Info zum Wilden Kaiser
Sein wesentlichster Charakterzug liegt bereits im Namen. Wild, das heißt hier soviel wie: felsig, steil, bergsteigerisch und klettertechnisch herausfordernd. Der Wettersteinkalk verleiht ihm sein silbrig-glänzendes und mitunter tatsächlich vornehmes Aussehen. Aber das Kaisergebirge zwischen Kufstein und St. Johann in Tirol, das zu den Nördlichen Kalkalpen gehört, ist eine vielfältige Gesteinsfamilie. Es gibt auch einen Bruder namens „Zahmer Kaiser“. Das ist der Softie in der Familie: Er ist bis obenhin grün mit Latschen (Bergkiefern) bewachsen und auf guten Forstwegen leicht begehbar.

Einheimische Burschen kraxelten schon auf die kaiserlichen Gipfel, bevor die offiziellen Erstbesteiger durch solche Pioniertaten bekannt wurden. Allerdings entwickelten Routiniers wie Hans Dülfer, die der Münchner Kletterszene angehörten, neue Klettertechniken und berichteten in Artikeln und Büchern darüber. Hand Dülfer schulte seine Fingerfertigkeit auch als hervorragender Pianist und gilt als der erste Techniker am Berg. Er erfand das „Schrägabseilen“ und den Dülfer-Abseilsitz. Seine Begehungen im Kaisergebirge zählen heute noch zu den klassischen Kletterrouten der Nördlichen Kalkalpen.

Alle Adlerweg-Etappen im Wilden Kaiser gibt’s hier:Adlerweg-Etappen im Wilden Kaiser

 

 

1 Kommentar

  • Piotr
    Da bin I grad auf dem Weg. 3 Etappen schon hinter mir. Der Weg ist ein Traum :-)