Eine Karten-App zum Wandern: Brauche ich das wirklich?

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Als mir ein Freund das erste Mal seine Karten-App am Smartphone zeigte, bin ich neugierig geworden und habe selbst eine Karten-App ausprobiert. Was kann so eine App, das eine normale Wanderkarte nicht kann? Mein persönlicher Erfahrungsbericht.

Michael

Michael Gams ist in seiner Freizeit viel im Land unterwegs: Beim... Zum Autor

Was können Karten-Apps fürs Wandern eigentlich, das gedruckte Wanderkarten nicht können? Ich bin dieser Frage mal nachgegangen und habe eine Karten-App ausprobiert. Hier lest ihr meine Erfahrungen dazu. Dies ist übrigens kein Vergleichstest verschiedener Karten-Apps. Denn welche man nutzen möchte, ist meiner Meinung nach Geschmacks- und Geldsache.

Wie komme ich überhaupt zu einer Karten-App?

Im Selbstversuch ging das recht schnell. Grundvoraussetzung ist ein Smartphone. Ich wusste, dass mein Freund auf seinem Handy mit Android-Betriebssystem die Karten-App der Firma Kompass installiert hatte und schaute im App Store nach, ob sie auch fürs iPhone verfügbar ist. War sie.

Die App selbst kostet nichts, man zahlt allerdings für den Download von Kartenausschnitten. Die sind dafür dann auch ohne Internet-Verbindung am Handy verfügbar. Pro Ausschnitt werden, je nach Größe, zwischen zwei und drei Euro fällig. Oder man zahlt einmalig 30 Euro und kann sich dann alle gewünschten Kartenausschnitte unbegrenzt herunterladen.

Andere Apps wie zum Beispiel ape@map bieten übrigens zum Teil kostenloses Kartenmaterial.

Was sind die Vorteile so einer digitalen Wanderkarte?

Schnelle Orientierung: Wenn ich beim Wandern unterwegs mal schnell nachschauen möchte, ob ich bei der richtigen Abzweigung stehe, dann greife ich einfach mal zum Handy. Denn die App zeigt mir via GPS-Ortung ziemlich genau meinen aktuellen Standort als roten Punkt auf der Karte an.

Rumer Alm_Standort Karten-App

Kosten: Für eine gedruckte Karte einer Region zahle ich rund zehn Euro. Bei der App zahle ich einmal 30 Euro und kann mir individuelle Kartenausschnitte jeder beliebigen Region in Tirol (und anderswo) herunterladen.

Digitales Tourenbuch: Ich kann die Tour aufzeichnen und zuhause zum Beispiel nachschauen, wie viele Kilometer und Höhenmeter ich zurückgelegt habe. Die Tour kann ich als so genannte .gpx-Datei abspeichern und zum Beispiel einen Freund schicken, wenn er mal dieselbe Tour gehen möchte und auch eine Karten-App hat.

Platzsparend und aktuell: Mein Regal quillt schon über vor lauter Wanderkarten. Die digitale Karte braucht nur eines: Speicherplatz am Handy. Außerdem habe ich mit der App immer das aktuellste Kartenmaterial zur Hand.

Und die Nachteile?

Kein Überblick: Wenn ich eine größere Tour plane, mache ich das nach wie vor lieber mit einer herkömmlichen Wanderkarte. Die bietet einfach aufgrund ihrer Größe einen besseren Überblick.

Kartenlesen_Wanderer Huette_Adlerweg Gruttenhuette(c) Tirol Werbung_Jens Schwarz

Foto: TW, Jens Schwarz

Akku leer, Karte futsch: Die Aktivierung der GPS-Ortung frisst natürlich mehr Energie als üblich. Mir ist es auch schon passiert, dass das Handy leer und damit die digitale Karte futsch war. Zum Glück hatte ich noch eine herkömmliche Wanderkarte dabei.

Keine hundertprozentige Verlässlichkeit: Immer wieder mal verlor die App das GPS-Signal während meiner Wanderungen. Nach manchen Touren zeigte mir das Handy dann einfach einen geraden Strich von Punkt A zu Punkt B anstatt der tatsächlichen Route. Dumm gelaufen.

Karten-App_gerade Linie

Ablenkung von der Natur: Eigentlich gehe ich ja in die Natur, um mal nicht online zu sein und die Natur zu genießen. Meine Wanderpartner sind dann schon mal genervt, wenn ich das x-te Mal zum Handy greife, „nur um zu schauen, wo wir gerade sind…“

Soll ich in Zukunft nur noch Wander-Apps verwenden?

Mein Fazit: Nein. Denn eine herkömmliche Wanderkarte ist auch im Notfall immer griffbereit und nicht auf einen Akku angewiesen. Allerdings hat mir die Standortbestimmung mit der Wander-App oft geholfen, die richtige Abzweigung zu finden. Für mich ist sie eine sinnvolle Ergänzung zum normalen Kartenmaterial. Inzwischen schaue ich auch wirklich nur noch selten in der App nach, wo ich am Berg gerade bin… Ehrlich ;-)

Welche Erfahrungen habt ihr mit Karten-Apps? Ich freue mich auf eure Kommentare.

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