Foto: Liftgesellschaften Obergurgl-Hochgurgl

Eine Kreuzung aus Lifestyle, Motorrädern & Talstation – das Top Mountain Crosspoint.

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Die Zwillingsbrüder Attila und Alban Scheiber haben in Obergurgl ein Prachtstück an hochalpiner Architekturkunst geschaffen. Der futuristische Bau beherbergt neben Restaurant und Mautstation zum Timmelsjoch auch Europas höchstgelegenstes Motorrad-Museum. Ein langgehegter Wunsch der Bauherren ging damit in Erfüllung. Oder, wie es die beiden Brüder wohl ausdrücken würden: „Irgendwo mussten wir ja langfristig unsere Motorräder unterbingen, im Keller war auch kein Platz mehr.“

Kristina

Kristina Erhard war schon viel unterwegs, am liebsten in Afrika.... Zum Autor

Prae-Skriptum: Das Universum und die Vision der Scheiber-Familie.

Innen hui, außen pfui trifft auf das Gebäude in Form einer Schneewechte des Tiroler Architekten XY nicht zu. Foto: TVB Ötztal

Innen hui, außen pfui trifft auf das anschmiegsame, für seine Größe sehr gemütliche Gebäude des Tiroler Architekten Michael Brötz nicht zu. Foto: TVB Ötztal

Ich treffe Atilla Scheiber im Restaurant des Top Mountain Crosspoint: Draußen stürmt und schneit es, man möchte nicht meinen, dass alsbald Kolonnen von Bikern aus aller Welt die Timmelsjoch Hochalpenstraße stürmen werden. Auch Atilla selbst ist Biker aus Leidenschaft, mehr noch, Benzin würde durch seine Adern fließen. Nun ja, ganz nebenbei ist seine Familie wohl der Tourismuspionier im hinteren Ötztal, vor allem natürlich in Hochgurgl, wo wir uns augenblicklich auch befinden. Es kommt also nichts von ungefähr, auch nicht bei den visionären Zwillingen Attila und Alban Scheiber, die schon mit ihrem Relais & Chateaux Top Hotel, der futuristischen Top Mountain Star – Bar auf knapp 3.000 Meter Seehöhe und vor allem mit den Bergbahnen Hochgurgl touristische Meilensteine setzen. Immer das große Ganze im Auge habend. So erfüllt der, schon im November 2015 eröffnete Top Mountain Cross Point mit einem Investitionsvolumen von ca. 23 Millionen Euro verschiedene Funktionen: als Mautstelle am Fuße der Timmelsjoch-Hochalpenstraße, als Bedienungsrestaurant und als Talstation der neuen, modernen Zehner-Gondelbahn zum Kirchenkar auf 2.629 Meter Seehöhe, mit der sich für Skifahrer ein neuer Einstiegspunkt ins Skigebiet Hochgurgl-Obergurgl eröffnet. Das touristische Imeperium der Scheibers folgt seit jeher einem wirtschaftlich nachhaltigen Gedanken, der nicht einem gewissen Altruismus entbehrt. Oder wie es Attila erklärt: „Alles, was unsere Anlagen einnehmen, wird wieder ins Gebiet investiert. Das ist Tradition, seit 1961 wurde in Hochgurgl noch nie ein Cent aus dem Betrieb entnommen, einen wirtschafltichen Gewinn in klassischer Form gibt es für uns nicht. Die Aufwertung des Standorts ist unser Gewinn und auch die Zukunft von Hochgurgl.“

Motorrad, Gondelbahn, Mautstation und Gastronomie für den breitgefächerten Gaumen. Hier gibt es nichts, was es nicht gibt. Foto: Kristina Erhard

Motorrad, Gondelbahn, Mautstation und Gastronomie für den breitgefächerten Gaumen. Hier gibt es nichts, was es nicht gibt. Foto: Kristina Erhard

Von Außen auf Innen schließen.

Da Geld mitnichten alles bedeutet, begutachten wir das Äußere. Zum „Look“ des Top Mountain Crosspoint, dessen sperriger Name so gar nicht zum zwar mächtigen, doch seltsam filigranen Gebäude passen will. Und hier kommen wir zum ästhetischen Punkt. Der Tiroler Architekt Michael Brötz hat das multifunktionale Gebäude einer Schneewechte nachempfunden und man muss neidlos zugeben: Es ist ihm auch gelungen. Die Wechte als Ganzes wirkt ja in Natura schon bedrohlich, die einzelne Schneeflocke im Konstrukt gegensätzlich anmutig. Das ist wohl das Geheimnis des „Looks“ des Top Mountain Crosspoints: dominant die hochalpine Landschaft beherrschend, fast zart und einladend in seinen einzelnen Teilstücken. „Wir wussten schon lange, dass der alte Schlepplift, dessen Einstieg sich hier befunden hat, mal ersetzt werden muss,“ benennt der Geschäftsführer der Bergbahnen Hochgurgl nicht ohne Humor den Grund für diesen hochalpinen Prachtbau.

Das Gebäude ist einer Schneewechte nachempfunden. Das sieht man auch - auf eine sehr harmonische Weise. Foto: Liftgesellschaften Obergurgl-Hochgurgl

Das Gebäude ist einer Schneewechte nachempfunden. Das sieht man auch – auf eine sehr harmonische Weise. Foto: Liftgesellschaften Obergurgl-Hochgurgl

Post-Skriptum: die zwei Räder, die die Welt bedeuten.

Im Inneren wartet die nächste Überraschung: Seit Mitte April gehen die Brüder Scheiber nun mit dem liebevoll bestückten Motorradmuseum mit insgesamt 202 Exponaten aus über 100 Jahren auf einer Ausstellungsfläche von insgesamt 3.000 Quadratmetern in die Poleposition. Beim Anblick der vielen Motorräder aus allen Epochen wird Attilas Blick ganz weich: „Das war immer mein Traum und auch der meines Bruders. Jedes Motorrad hier hat eine Geschichte und nun haben wir nach fünf Jahren Entwicklungsphase endlich das perfekte Rahmenkonstrukt für unsere Schätze.“ Auch mir kommt das Staunen – Highlights wie eine Brough Superior von 1939, eine Laurin & Klement von 1905, eine Zweizylinder-Indian des Jahres 1912 oder die MV Agusta, Leihgabe von Giacomo Agostini, dem berühmten italienischen Motorrenfahrer, werden in dem hellen Ausstellungsraum, der ein wenig an eine kreisförmige Rennstrecke erinnert, perfekt insziniert. Wem bei all diesen Namen nicht das Herz höher schlägt: auch kein Problem, die Motorräder sind auf jeden Fall einen Besuch wert, ebenso wie das Restaurant, das einen ausgezeichneten Topfenstrudel serviert. Und dann weiter über das Timmelsjoch in das mediterrane Meran… sei es auf zwei oder vier Rädern. Aber nicht, ohne davor Maut für die Passstraße zu zahlen. „Wir sind moderne Straßenräuber“, schnunzelt Attila halbernst. Verständlich, irgendwie muss sich das Robin Hood-System der beiden Tourismuspioniere Alban und Attila Scheiber ja auch finanzieren.

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