Kairo, New York, St. Nikolaus: Spannendes Produktdesign von Nina Mair

------

Ein schlichtes Schild in einem malerischen Innenhof im Innsbrucker Stadtteil St. Nikolaus: NINA MAIR – ganz schnörkellos – steht dort, viel mehr weist nicht darauf hin, dass in diesem kleinen Studio Produktdesign entsteht, das rund um die Welt begeistert. Eine Badewanne aus Walnussholz zum Beispiel, elegante Beistelltische, Stühle aus Messing und Leder oder Seifenschalen aus pastellfarbenem Silikon. Hinter den Entwürfen, den Ideen und ihrer Umsetzung steht Nina Mair. Die Tirolerin hat in Innsbruck und Florenz Architektur studiert und etablierte gemeinsam mit zwei Partnern das Designlabel „Pudelskern“. 2012 gründete sie ihr eigenes Label für Produkdesign und Architekur.

Rosanna

Rosanna Battisti fährt gerne weg und kommt gerne wieder – vor... Zum Autor

Möbelstücke, die immer schöner werden

Als ich Nina Mair in ihrer Werkstatt besuche, steckt sie mitten in den Vorbereitungen für die Mailänder Möbelmesse – dem „Salone del Mobile“ – dem wichtigsten Event der Branche. Dort wird sie ihre neue Kollektion präsentieren, eine Linie, die vom geschäftigen Treiben und dem Leben auf den Straßen Kairos inspiriert ist.

Dieser Kontrast ist spannend: Eine lebhafte, laute, quirlige Millionen-Metropole wie Kairo dient der Innsbruckerin als Inspiration –gefertigt wird dann aber in Tirol, in einem ruhigen Hinterhof und umgeben von mächtigen Bergzügen. „Diese verwurzelte Produktion ist mir wichtig, ich versuche so gut wie möglich mit heimischen Produzenten zu arbeiten.“

Nina Mair_Portrait_2016

Nina Mair lebt und arbeitet in Tirol. Inspiration holt sie auf Reisen zu Metropolen wie Kairo oder New York.

Das ist nicht bei allen Komponenten möglich, gelingt aber immer wieder – so kommen die Holzarbeiten für die neue Kollektion von einer Osttiroler Tischlerei oder das Leder für den Stuhl „Tilda“ von einer österreichischen Gerberei. „Ein Merkmal von meinen Produkten ist sicher, dass wir versuchen, die Materialien authentisch zu verarbeiten und es wenig dekorative Elemente gibt. Meiner Meinung nach werden die Stücke schöner mit der Benützung: Es ist nicht dramatisch, wenn Leder leichte Kratzer bekommt oder mit der Zeit speckig wird – darin liegt eigentlich die Qualität der Produkte.“

Der Stuhl "Tilda" von Nina Mair.

Der Stuhl „Tilda“ von Nina Mair.

Von Innsbruck in die Welt

Ein großes Lager sucht man bei Nina Mair vergeblich: Sie fertigt die meisten Stücke auf Anfrage, deshalb dauert es nach Bestellung sechs bis acht Wochen, bis man etwa am Stuhl Tilda Platz nehmen kann. „Wir bekommen die Komponenten von den unterschiedlichen Herstellern, bei uns wird es dann zusammengebaut – assembled – verpackt und in die Welt hinausgeschickt.“

Apropos in die Welt hinausschicken: Macht erst das Reisen kreativ? „Ich versuche ganz einfach die Eindrücke, die ich woanders sammle, in eine zeitgenössische Sprache zu übersetzen. Für mich ist es total wichtig, viel zu reisen und auch Eindrücke außerhalb der Berge zu sammeln.“

Nina Mair_Eingang

Nina Mairs Atelier liegt mitten in St. Nikolaus, Innsbruck.

Tirol bietet für Nina Mair einen guten Gegenpol: Innsbruck, erzählt sie, ist ihre Homebase, das Gefühl der Metropole bekomme sie woanders. Was Innsbruck so lebenswert macht, ist für Nina Mair vor allem die Natur. „Es passiert schon immer wieder, dass ich einen Straßenzug entlanggehe, auf diese Bergwand zu, es ist schönes Wetter – dann ist das nach wie vor ein beeindruckendes Gefühl und ich denke mir: Wow, ich habs wirklich schön.“

Für sie findet auch die Kreativität immer mehr Platz in der Alpenstadt: „Da entwickelt sich eine schöne Szene.“ Trotz allem bleibt Innsbruck aber recht beschaulich – mit allen Vor- und Nachteilen. „Ich lebe und arbeite wahnsinnig gern da, aber vom Tiroler Markt alleine könnte ich nicht leben.“ Deshalb ist Nina Mair im letzten Jahr mit einem Webshop online gegangen. „Von Innsbruck in die Welt, vielleicht könnte man es so nennen.“

„Man denkt vom großen Maßstab bis ins kleinste Detail“

Neben Produktdesign macht Nina Mair auch Architekturprojekte und Innenarchtitektur. Welcher Arbeitsbereich ist ihr am liebsten? „Produktdesign ist unmittelbarer: Man baut einen Prototyp im Maßstab 1:1 und sieht sofort, wie das Produkt dann aussieht. Archtiktur ist viel abstrakter.“ Präferenzen hat sie trotzdem keine: „Die Grenzen sind zum Teil fließend: Wenn man einen Wohnraum entwickelt, dann überlegt man automatisch schon, welche Möbel man braucht, damit es auch gemütlich wird.“

Mittlerweile hat Nina Mair mit ihren Designs zahlreiche renommierte Preise gewonnen. Welches Kompliment für ihre Arbeit kann man ihr noch machen?

„Ich war einmal in New York und habe in einem Schaufenster zufällig einen Teppich von mir entdeckt, das war sehr aufregend und es hat mich sehr gefreut . Für mich ist es am schönsten, wenn meine Produkte gern genutzt werden und oft in Verwendung sind.“

Fotos (c) Nina Mair

Seifenschalen aus Silikon.

Eine Badewanne aus Walnussholz.

Eine Badewanne aus Walnussholz. Alle Fotos (c) Nina Mair

Weitere Infos findet ihr unter www.ninamair.at

 

Keine Kommentare