Falkenhütte, Adlerweg Etappe 09

Auf den Spuren der Adler Alpingeschichten: Das Karwendel

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Der „Weg ist das Ziel“, auf dem Adlerweg begegnet man unzähligen Zielen, Ziele die auf diesem Weg Geschichte geschrieben haben!
Das Karwendelgebirge, als der dritte große Gebirgszug auf dem Adlerweg, birgt Geschichten von Bergsteigergrößen wie Hermann Buhl, dem Gipfelsammler Hermann von Barth, dem Neubau der Lamsenjochhütte oder der 1. Alpinen Gesellschaft, der Wilden Bande, rund um das Stempeljoch. Die einzelnen Meilensteine am Weg nun aber im Detail:

Michael

Der begeisterte Kletterer Michael Walzer ist in seiner Freizeit... Zum Autor

Die Lamsenjochhütte und die Lawine (Adlerweg Etappe 08: Erfurter Hütte – Lamsenjochhütte)
Am 11. März 1908 erreichte die Vorstandschaft der DAV Sektion Oberland ein dramatisches Telegramm: „Bin gewesen alles ruiniert auf Lamsen – Wastl“. Was war passiert? Eine Staublawine hatte die erste Lamsenjochhütte, die gerade erst eine Saison in Betrieb gewesen war, mitgerissen. Auch der später legendär gewordene Bergführer und Wirt der Falkenhütte, der „Lamsenwastl“ (Sebastian Schrettl), der sich intensiv am Bau beteiligt hatte, war am Boden zerstört. Aufgeben? Das kam für die alpinen Erschließungs-Pioniere nicht in Frage. Vier Wochen später beschloss die Generalversammlung der DAV Sektion Oberland einstimmig den Wiederaufbau. Am 26. und 27. Juni 1909 wurde die neue Hütte 200 Meter östlich des alten Standortes feierlich eröffnet und zwar unter so großem öffentlichen Interesse, dass nunmehr eine Besucherlawine mit Sonderzügen von München heran rollte. Dieser hielt die Hütte stand, das Ehepaar Kofler blieb bis zum Jahr 1938 Hüttenpächter.

Foto: DAV Sektion Oberland/Archiv

Foto: DAV Sektion Oberland/Archiv

 

Größte Wandbergungsaktion Österreichs (Adlerweg Etappe 09: Lamsenjochhütte – Falkenhütte)
Die Laliderer Wände wurden im Jahr 1911 von den Wiener Brüdern Guido und Max Mayer und den beiden Dolomitenführern Angelo Dibona und Luigi Rizzi erstbestiegen. Nach einer zweitägigen, alle Kräfte fordernden Klettertour inklusive Nachtstunden im Biwak standen die vier Alpinisten auf dem Gipfelgrat. Nicht alle, die hier ihr Kletterkönnen herausforderten, beendeten ihr Unterfangen so erfolgreich wie dieses Team. 1979 fand in den Laliderer Wänden die größte Wandbergungsaktion Österreichs statt. Sie hielt drei Tage lang viele Ortsstellen der Tiroler Bergrettung in Atem. Auch eine Gruppe Bergführer – gerade zur Ausbildung auf der Stripsenjochhütte – eilte zu Hilfe, wodurch schließlich mehr als 200 Kräfte im Einsatz waren. Zwei junge deutsche Kletterer gerieten aufgrund eines plötzlichen Schlechtwettereinbruchs in der Mitte der Lalidererwand (Schmid-Krebsführe) in Bergnot. Trotz Schneesturm und höchster Lawinengefahr konnten sie aufgrund der vorbildlichen Zusammenarbeit aller Beteiligten und dem erstmaligen Einsatz von 800 Meter langen Stahlseilen in Sicherheit gebracht werden. Dreimal suchte man die ganze Wand umsonst ab, weil man die beiden aufgrund des brutalen Wetters nicht lokalisieren konnte. Beim vierten Mal wurden die beiden erreicht und erstmals in der Geschichte der Bergrettung wurden vier Personen – die Verunfallten und zwei Retter – zugleich abgeseilt.

Foto: Walter Spitzenstätter

Foto: Walter Spitzenstätter

 

Gipfelsammler Hermann von Barth (Adlerweg Etappe 10: Falkenhütte – Karwendelhaus)
Bei dieser Etappe kommt man am Kleinen Ahornboden am Hermann von Barth-Denkmal vorbei. Allein der Standort weist schon darauf hin, dass es sich dabei um eine Gedenktafel für einen Bergsteiger handeln muss. Stimmt! Hermann von Barth (1845 – 1876) war ein Rechtsgelehrter und Naturwissenschaftler aus den bayrischen Voralpen, der als Erschließer des Karwendels bekannt wurde. Dabei kam es ihm nicht auf besuchertaugliche Forstwege an, sondern auf herausfordernde Gipfelerlebnisse. Im Sommer 1870 bestieg er als Alleingänger 88 Gipfel, darunter zwölf Erstbesteigungen: u.a. die Birkkarspitze, Kaltwasserkarspitze, Lalidererspitze, Große Seekarspitze, Grubenkarspitze, Dreizinkenspitze, Östliche Karwendelspitze, Vogelkarspitze, Wörner und Kuhkopf. Einige Hütten, Wege und Gipfel wie zum Beispiel die Barthspitze im Karwendel wurden nach ihm benannt. Der Bartgeier allerdings nicht.

Adlerweg Etappe 10_Hermann von Barth Huette

Hermann Buhl und das Karwendel im Winter (Adlerweg Etappe 11: Karwendelhaus – Hallerangerhaus/-alm)
Der Innsbrucker Extrembergsteiger Hermann Buhl (1924 – 1957) war der erste Mensch auf dem Nanga Parbat und gehörte zu den Erstbesteigern des Broad Peak im Karakorum zwischen Pakistan und China. Der Ausnahme-Alpinist, der in seiner Kindheit und Jugend als schwächlich gegolten hatte, bereitete sich speziell im Karwendelgebirge auf seine Expeditionen vor. Dazu nützte er vor allem die Wintermonate, um in schneereicher Höhe für die schwierigen Bedingungen auf den Achttausendern zu trainieren. Für eine Überschreitung aller 25 Gipfel der Gleirschkette im Karwendel benötigte er trotz des tiefen Schnees ohne Ski nur insgesamt 33 Stunden. Buhl gilt als ein Vorreiter des „Alpinstils“. Dabei werden auch Achttausender mit einer kleinen Seilschaft, ohne Fremdhilfe, ohne vorher präparierte Route und in einem Durchgang vom Basislager zum Gipfel und zurück bestiegen. Verpflegung und Ausrüstung wie Biwakzelte tragen die Bergsteiger selber mit. Auf den Einsatz von Flaschensauerstoff wird verzichtet. Im Karwendel kein Problem – die Luft ist auch auf den höchsten Gipfeln gehaltvoll und erfrischend.

Die wilden Burschen der „Wilden Bande“ (Adlerweg Etappe 12: Hallerangerhaus/-alm – Innsbruck)
1878 wurde am Stempeljoch die „1. Alpine Gesellschaft Wilde Bande“ gegründet. Sie erwies ihrem Namen alle Ehre und baute unter schwierigsten Bedingungen unter anderem die Bettelwurfhütte im Jahr 1893. Auch der „Wilde-Bande-Steig“ vom Lafatscherjoch auf das Stempeljoch ist dieser engagierten Vereinigung von Bergfexen zu verdanken. Über das Stempeljoch auf 2.215 Metern wurde übrigens unter großen Mühen geschlägertes Holz (Stempel) aus den Karwendeltälern transportiert. Es wurde zum Absichern der acht Hauptstollen des Salzbergwerkes im Halltal gebraucht, weil das Haselgebirge sehr brüchig ist. Bis zum Stempeljoch transportierten Tragetiere das Holz, vom Joch aus wurde es auf Schneefeldern ins Isstal getriftet. Mit dem Bau der Eisenbahn (1858) wurde der anstrengende und sehr gefährliche Holztransport über das Stempeljoch eingestellt.

Foto: Peter Steindl

Foto: Peter Steindl

Die Kletterkünstlerin Karwendelbahn (Adlerweg Etappe 14: Innsbruck – Solsteinhaus)
Die senkrechte Martinswand westlich von Innsbruck ist ein Dorado für Kletterbegeisterte. Aber es klettert in diesem Gebiet noch jemand zugkräftig immer höher hinauf: Die Karwendelbahn bzw. Mittenwaldbahn. Sie legt zwischen Innsbruck und Hochzirl knapp zwölf Kilometer und 600 Höhenmeter zurück und passiert dabei acht Tunnels. Der kürzeste ist 26 Meter, der längste – der Martinswandtunnel – knapp zwei Kilometer lang. Weiter führt die Bahn nach Seefeld, Mittenwald und Garmisch. Sie wurde nach Plänen von Josef Riehl erbaut, im Oktober 1912 eröffnet und ist ein Beispiel für hervorragende Ingenieurskunst. Als eine der ersten mit hochgespanntem einphasigem Wechselstrom betriebenen Bahnen hatte sie großen Einfluss auf die Entwicklung des elektrischen Bahnbetriebes in Mitteleuropa.

Fotos: Stadtarchiv_Stadtmuseum Innsbruck

Fotos: Stadtarchiv_Stadtmuseum Innsbruck

Der Wildreichtum der Leutasch (Adlerweg Etappe 15: Solsteinhaus – Leutasch/Ahrn)
Leutasch bei Seefeld ist vor allem für seine schöne Bergwelt und ein weitreichendes Netz an Winterlanglaufloipen bekannt. Die Gemeinde besteht aus 16 Weilern, deren Anfänge ins 12. Jahrhundert zurückreichen. Damals errichteten Bauern aus dem Inntal im Hochtal auf 1.100 Meter Seehöhe am Fuß der Hohen Munde sogenannte Schwaighöfe. Das Wort Schwaige, bairisch Schwoag, leitet sich vom Mittelhochdeutschen sweige für „Sennerei, Herde, Viehhof“ ab. Sicher besaßen diese ersten Leutascher und ihre Nachkommen auch Vieh, aber sie lebten vor allem vom Wald- und Wildreichtum. Im 19. und 20. Jahrhundert zog das Gebiet große Jagdherren an wie Herzog von Altenburg, Fürst Fürstenberg, Baron von Neurath und Ludwig Ganghofer. Heute noch kann man zur Brunftzeit Ende September in der Leutasch die Hirsche röhren hören. Und die Leutascher Restaurants sind bekannt für ihre Wildspezialitäten. Zum Beispiel serviert man im Frühherbst Hirschgulasch mit Eierspätzle und Preiselbeerschaum oder Hirschrücken mit glasierten Kastanien.

Foto: Kulturhaus Ganghofermuseum Leutasch

Foto: Kulturhaus Ganghofermuseum Leutasch

Beim nächsten Blog geht’s in das etwas weniger bekannte aber nicht weniger imposante Wettersteingebirge, mit dem höchsten Berg Deutschlands, der Zugspitze.

Allgemeine Info zum Karwendelgebirge
Der Naturpark Karwendel ist der größte Naturparks Österreichs, gekrönt von Felsen und Bergen mit zum Teil legendärem Ruf, wie zum Beispiel die Laliderer Wände, die Falkengruppe, Großer Bettelwurf, Frau Hitt.

Vier ausgedehnte Gebirgsketten ziehen sich von Westen nach Osten, ergänzt durch zahlreiche Seitengruppen, nach Norden hin erhebt sich ein weitläufiges Vorgebirge. 125 Karwendelberge übersteigen die 2.000er-Grenze. Höchste Erhebung für den Gipfelsieg: Die Birkkarspitze mit 2.749 Meter.

 Alle Adlerweg-Etappen im Karwendel gibt’s hier: Adlerweg-Etappen im Karwendel

Adlerweg, Wandern

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