Obholzhof mit üppiger Blumenpracht

Blüten-Prunk auf Tiroler Balkonen

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Sie gehört zum Tiroler Sommer wie die Berge und das Wandern: die üppige Blütenpracht rund um die alten Bauernhöfe. Der Wilde Kaiser ist eine der Regionen, in denen die Menschen ihre Blumenverliebtheit besonders zelebrieren – und dafür manchmal begehrte Preise gewinnen.

Sebastian Höhn

Der Berliner Journalist und Fotograf sieht Tirol aus den Augen des... Zum Autor

Wer mit Blumen begrüßt wird, der fühlt sich willkommen. In Tirol geht es den Urlaubern im Frühjahr und Sommer ganz besonders so, denn in vielen vor allem kleineren Orten bestimmen Blumen das Bild. Ein üppiges, manchmal fast pompöses Bild. Sie blühen in ausladender Fülle vor den Balkonen der alten Bauernhäuser, sie säumen die Straßen und Wege und lassen die Kräutergärten in bunter Farbenpracht erstrahlen. Es ist eine alte Tradition in Tirol, die Dörfer auf diese Weise zu schmücken.

In manchen Regionen ist diese Gepflogenheit besonders augenfällig. Immer wieder gewinnen Tiroler Dörfer Wettbewerbe wie etwa die „Entente Florale“. Die Gemeinden dürfen dann zum Beispiel den Titel „Schönstes Blumendorf Europas“ tragen. Zuletzt war Söll an der Reihe, im Jahr 2013. Der Ort liegt nah am Wilden Kaiser, wo die Blumenverliebtheit sehr ausgeprägt ist. Vielleicht deshalb, weil die dort typischen, wuchtigen Unterinntaler Bauernhöfe so viel Platz vor ihren großen, umlaufenden Balkonen haben? So jedenfalls erklärt es sich Maria Feger aus Scheffau am Wilden Kaiser.

Die 54-jährige bewirtschaftet mit ihrem Mann den Obholzhof und ist – natürlich – blumenvernarrt. Man sieht es schon von weitem, wenn man über die angrenzende Wiese zum Grundstück kommt: Ein Meer von Geranien und Petunien leuchtet unter den Fenstern des 500 Jahre alten Bauernhofs mit dem typischen Glockenstuhl auf dem Dachfirst. Blaue, rote, pinke und weiße Blüten. Davor ein über 100 Jahre alter Nussbaum. Es ist eine wahre Pracht.

„Die Blumen sind einfach meine Leidenschaft“, sagt Maria Feger. 200 blühende Pflanzen habe sie an den Balkonen und rund ums Haus. Neben den Geranien auch Margeriten und Rosen, hinten im Bauerngarten Dalien, Ringelblumen und Kornblumen, zwischen Kräuter- und Gemüsebeeten. Das mache ganz schön viel Arbeit. Im Frühjahr einpflanzen, später regelmäßig gelbe Blätter auspflücken, zweimal pro Woche düngen, Rosen schneiden. Und natürlich wässern: Abends, wenn ihr Mann im Stall beschäftigt ist, gießt sie unten die Blumen, vormittags auf den Balkonen. „Aber nie in der prallen Sonne“, sagt sie. Denn Wassertropfen auf den Blättern wirken, wie jeder Gärtner weiß, wie Brenngläser und schaden so der Pflanze. Auf den Balkonen, sagt die Bäuerin, habe sie mittlerweile eine automatische Bewässerung installiert. Das erleichtere ihr die Arbeit sehr, bei so vielen Blumen.

Urkunde

2010 erhielt Maria Feger eine Silber-Medaille der Aktion „Tirol blüht“, die vom Forum „Blühendes Tirol“ vergeben wird.

Im Jahr 2010 hatte sich Maria Fegers Arbeit mal so richtig ausgezahlt. Sie erhielt eine Silber-Medaille der Aktion „Tirol blüht“, die vom Forum „Blühendes Tirol“ vergeben wird. Ausgezeichnet wurden die Blumen, die Hofansicht und der Rasen. „Das war für mich wie ein Sechser im Lotto“, sagt die Bäuerin. Die Freude darüber ist ihr noch heute anzuhören. „Ich war vollkommen überrascht.“ Die Gemeinde habe an dem Wettbewerb teilgenommen. Sie selbst würde nie auf die Idee kommen, sich um eine solche Auszeichnung zu bewerben, sagt Maria Feger bescheiden. „Ich mache das für meine Familie, die Gäste und für mich.“

Hat sie eine Lieblingsblume? Geranien, wenn sie voll blühen, möge sie besonders, ebenso Oleander. Aber eigentlich liebe sie alles, was blüht, sagt Feger. „Ich glaube, das liegt uns Tirolerinnen einfach im Blut.“

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