Adlerweg, Lechtaler Alpen

Auf den Spuren der Adler Alpingeschichten: Lechtaler Alpen

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Der Adlerweg biegt in die Zielgerade nach St. Christoph am Arlberg ein und der Wanderer erwandert sich im letzten Gebirgszug des Nordtiroler Adlerwegs die Lechtaler Alpen. Die Lechtaler, mit über 20 Alpenvereinshütten geben Stoff zum Erzählen, der Bau dieser Hütten, die Versorgung und die Erschließung der einzelnen Wanderwege machen diese Gebirgsgruppe neben der landschaftlichen Schönheit so vielseitig und liebenswert. Hier die einzelnen Geschichten nun im Detail:

Michael

Der begeisterte Kletterer Michael Walzer ist in seiner Freizeit... Zum Autor

Versorgung auf der Anhalter Hütte (Adlerweg Etappe 18: Lorea Hütte – Anhalter Hütte)
Alpiner Komfort kann bescheiden sein und dennoch alle Wünsche erfüllen. In der Anhalter Hütte sorgen das kalte, klare Wasser aus der eigenen Quelle und ein kleines solarverstärktes Blockheizkraftwerk für die Erfüllung der Hygienebedürfnisse. Frisch gewaschen kann man sich an den Tisch setzen und eine gute Tiroler Mahlzeit genießen. Dabei ist diese einfache Schutzhütte mit urigem Charakter (originale Stubentäfelung aus der Gründerzeit vor 100 Jahren), eines der wenigen Alpenvereinshäuser, zu denen es weder eine Forststraße noch eine Materialseilbahn gibt. Die Grundversorgung erfolgt einmal pro Saison mittels Hubschrauber, ansonsten werden Lebensmittel und Material mit dem Rucksack hinaufgetragen. Trotz dieser extremen, abgeschiedenen Lage wechselte die Anhalter Hütte in ihrer hundertjährigen Geschichte (sie wurde im Juli 1912 eröffnet), nur einmal den Besitzer und wenige Male die Hüttenwirte. Der Kaufbeurer Fritz Mossauer blieb 16 Sommer, von 1940 bis 1970 führten Franz und Anna Stricker die Wirtschaft, seit 1970 heißt Carmen Kathrein hier die Gäste willkommen.

Foto: Carmen Kathrein/Anhalter Hütte

Foto: Carmen Kathrein/Anhalter Hütte

 

Die Ampeln am Hahntennjoch (Adlerweg Etappe 19: Anhalter Hütte – Hanauer Hütte)
Das Hahntennjoch ist ein Passübergang von Imst ins Lechtal. Die Straße wurde 1969 für den Verkehr freigegeben und ist mit 1.894 Meter einer der höchsten Straßenpässe der Alpen. Kein Wunder, dass Motorradfahrer die sich nach oben schraubenden Serpentinen lieben, noch dazu, da die 29 Kilometer lange Strecke herrliche Aussichten offeriert. Die Straße weist Steigungen bis zu 18, 9 Prozent auf, das schreckt auch ambitionierte Radfahrer nicht ab. Durch ihre exponierte Lage ist die Straße allerdings bedroht von Naturgewalten – Steinschlag, Muren, Lawinen. Vor allem bei Unwettern steigt die Murengefahr drastisch. Im Jahr 2004 wurde deshalb ein automatisiertes System mit zwei meteorologischen Mess-Stellen am Hahntennjoch und auf der Muttekopfhütte installiert, verbunden mit funkgesteuerten Ampeln. Bei drohender Gefahr schalten sie sofort auf Rot und bewirken die Sperre der Straße.

Foto: Amt der Tiroler Landesregierung/Michael Strigl

Foto: Amt der Tiroler Landesregierung/Michael Strigl

Der Uhde-Bernays-Weg (Adlerweg Etappe 20: Hanauer Hütte – Württemberger Haus)
Das ist wohl der interessanteste, aber trotzdem nicht allzu anstrengende Zugang zur Hanauer Hütte. Er führt von Gramais über den herrlich gelegenen Kogelsee und die Kogelseescharte und wurde nach Prof. Hermann Uhde Bernays benannt, der das Parzinngebiet erforschte. Die Sektion Hanau dankte ihm damit, dass er sich für die Veröffentlichungen des Tourengebiets um die Hanauer Hütte verdient gemacht hatte und damit maßgeblich zur frühen Bekanntheit des schönen Parzinngebietes beigetrug. Im Rahmen seiner Recherchen absolvierte er auch die Erstbesteigung der Hanauer Spitze. Die Eröffnung des Weges erfolgte 1909 gleichzeitig mit der Einweihungsfeier eines neuen Zubaus zur Hanauer Hütte, deren Bau im Jahr 1896 fertig gestellt wurde. Viele Jahre später, im Jahr 1941, wurde von der Zentrale des Deutschen Alpenvereins angeordnet, dass die nach Uhde-Bernays benannten Markierungen und Wegnamen sofort zu entfernen seien, da er der Stiefsohn eines Juden sei. Die Rehabilitierung erfolgte spät, aber doch. Mittlerweile trägt der Weg wieder den Namen dieses bemerkenswerten Mannes.

 

Der Alpinist Anton Spiehler (Adlerweg Etappe 21: Württemberger Haus – Memminger Hütte)
Die Memminger Hütte auf dem Lechtaler Höhenweg gehört dem Deutschen Alpenverein, Sektion Memmingen. Sie liegt auf 2.242 Meter, am Adlerweg und am Europäischen Weitwanderweg E5, unter der Parseierspitze (3.036 Meter), dem höchsten Berg der Lechtaler Alpen. Ihr Entstehen verdankt sie der Initiative des bayrischen Alpinisten Anton Spiehler, der in den Jahren 1885 -1886 ihren Bau engagiert vorantrieb. Anton Spiehler gilt als Erschließer der Lechtaler und Allgäuer Alpen. Nach ihm sind der Spiehler Turm östlich der Parzinnspitze auf 2.550 Meter, der Spiehlerkamm über der oberen Seewiese, der Spiehlerweg zur Augsburger Hütte und die Spiehlerscharte (Allgäuer Alpen) benannt. Trotz der Abgeschiedenheit der Memminger Hütte und der damit verbundenen schwierigen Lieferwege gibt es dort frischgekochtes, gutbürgerliches Essen. Auch selbst gebackene Kuchen und vegetarische Gerichte werden zur Stärkung der Wanderer und Bergsteiger aufgetischt.

 

Die Geierwally und die Geieradler (Adlerweg Etappe 22: Memminger Hütte – Ansbacher Hütte)
Die Saxer Wand ist eine 2.690 Meter hohe Felswand bei Madau in den Lechtaler Alpen. Sie wurde bekannt durch die legendäre Geierwally, mit bürgerlichem Namen Anna Stainer-Knittel. Das war eine berühmte Porträt- und Blumenmalerin und diente Wilhelmine von Hillern als Vorlage für den Heimatroman „Die Geierwally“, der auch verfilmt wurde. Sehr populär ist jene Szene, als sie siebzehnjährig als unerschrockene Bergsteigerin an einem Seil hängend eine steile Felswand – eben die Saxer Wand – hinunterklettert, um den Horst eines Lämmergeiers, auch Geieradler genannt, auszuräumen. Im 19. Jahrhundert war das eine übliche Praktik, es wurden dadurch Attacken der Adler auf die Schafherden der Dorfleute verhindert. Allerdings erledigten diese gefährliche Arbeit ansonsten nur Männer. Die junge Frau, die im Film Waltraud heißt, packt das Geieradler-Junge in ihren Rucksack, zieht es bei sich zuhause auf und wird fortan Geierwally genannt. In der romantischen Bernhardschlucht bei Elbigenalp gibt es jeden Sommer im Rahmen der „Geierwally-Festspiele“ zwischen steilen Felsflanken Freilichtaufführungen von Theaterstücken, zum Beispiel von Felix Mitterer.

Foto: Tiroler Landesmuseum/Ferdinandeum Innsbruck

Foto: Tiroler Landesmuseum/Ferdinandeum Innsbruck

 

Mühsame Viehtriebe über die Jöcher (Adlerweg Etappe 23: Ansbacher Hütte – Kaiserjochhaus)
Die Almen in den hintersten Lechtaler Seitentälern, nördlich der Lechtaler Kammlinie, haben urtümliche, rätoromanische Namen: Almajur, Fallesin, Kridlon … Sie wurden wesentlich früher als das Lechtal vom südlich gelegenen Stanzertal aus besiedelt. Man verwendete dazu die gut gangbaren Jöcher: Alperschonerjoch, Kaiserjoch, Almajurjoch. Bis noch vor wenigen Jahren wurden im Frühjahr die Tierherden von Treibern und Hirten über die zumeist verschneiten Jöcher auf die Almen getrieben, im Herbst erfolgte der lange und anstrengende Marsch wieder zurück. Der erzeugte Käse (bis zu 80 Kilo-Laibe) und die Butter wurden von starken Männern in Schwerarbeit über die Jöcher heimgetragen. Flurnamen wie „Martereck“ zeugen noch von diesen Strapazen. Heute sind die Almen mit Bergstraßen vom Lechtal aus erschlossen, die Tiere werden auf der Straße über den Arlberg transportiert.

Die Bruderschaft St. Christoph (Adlerweg Etappe 24: Kaiserjochhaus – St. Christoph a. A.)
Heinrich Findelkind wurde tatsächlich vor einer Türe abgelegt, vor der Tür der Familie Mayr von Kempten, die bereits neun Söhne hatte. Der Stiefvater misshandelte seine Kinder, am schlechtesten ging es seinem Stiefsohn, der deshalb die Flucht ergriff. Er wurde von zwei Priestern zum Arlberg mitgenommen, wo er zuerst als Schweinehirte lebte und dann Schwertträger des frommen Ritters „Jackl“ in St. Jakob wurde. Am Arlberg verirrten sich damals viele Wanderer, wurden bei Unfällen schwer verletzt oder kamen im dichten Schneetreiben ums Leben. Heinrich und seine Knechte suchten sozusagen als Vorläufer der heutigen Bergrettung regelmäßig von der Passhöhe bis hinab ins Stanzertal nach Verunfallten und retteten vielen Menschen das Leben. 1386 wurde auf seine Initiative die Bruderschaft St. Christoph gegründet, ein Hospiz und eine Kapelle wurden gebaut. Im Jahr 1415 zählte die Bruderschaft bereits 2.000 Mitglieder, darunter Reiche und Arme, Adelige und einfache Leute, geistliche und weltliche Herren. 1784 wurde die Bruderschaft von Josef II aufgelöst, 1962 wurde sie wieder ins Leben gerufen. Heute zählt sie über 20.000 Mitglieder. Mit den Beitragszahlungen und Spenden werden in Not geratene Familien unterstützt.

Foto: Arlberg Hospiz Hotel

Foto: Arlberg Hospiz Hotel

Beim nächsten Blog geht’s auf den Osttiroler Adlerweg, der schönsten Verbindung Österreichs höchster Berge, dem Großvenediger und Großglockner.

Allgemeine Info zu den Lechtaler Alpen
Die „Lechtaler“ sind von besonders kerniger Natur. Sie beeindrucken mit einer Fläche von fast 1.000 Quadratkilometern und mit einer abwechslungsreichen, wunderschönen Landschaft, die sich aus dem unterschiedlichen Gesteinsaufbau ergibt. Der Großteil der Lechtaler Alpen liegt auf Tiroler Gebiet, ein kleiner Teil gehört zu Vorarlberg. Nahezu alle 600 benannten Gipfel sind imposant, aber nur einer hat die 3.000er Marke geschafft: die Parseierspitze mit 3.036 Meter.

Einen westlichsten Teil der Lechtaler Alpen bildet der Skigroßraum Arlberg. Hier wurde von Pionieren des Skilaufs wie Hannes Schneider das „Wedeln“ erfunden. Mit Ausnahme der Arlbergregion sind die Lechtaler Alpen jedoch fast ein reines Sommer-Revier mit Traumrouten für Wanderer und Bergsteiger.

Alle Adlerweg-Etappen in den Lechtaler Alpen gibt’s hier: Adlerweg-Etappen in den Lechtaler Alpen

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