Ciao Schlepplift, Hallo 3S-Bahn.

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Uralt-Lifte sterben aus, zumindest in Tirol. Am Stubaier Gletscher schweben Wintersportler diese Saison mit einer neuen Drei-Seil-Gondelbahn bergauf, in St. Anton am Arlberg machen neue Gondelbahnen eine Passstraße beinahe überflüssig und in die Söldener Giggijochbahn steigen Rollifahrer barrierefrei ein. Schlecht für Schlepplift-Nostalgiker, gut für alle anderen.

Michael

Michael Gams ist in seiner Freizeit viel im Land unterwegs: Beim... Zum Autor

WLAN. Echtledersitze. Panoramaglasfenster. Designed by Pininfarina. In zwölf Minuten von 1.695 auf 2.900 Meter Seehöhe. Kostenpunkt: 60 Millionen Euro. Nein, das ist kein Luxus-Passagierjet, sondern eine der modernsten Gondelbahnen im ganzen Land: Die 3S-Eisgratbahn am Stubaier Gletscher. Windstabil gleiten dort 49 riesige Gondeln auf drei Stahlseilen bergwärts, in jeder der Gondeln können es sich bis zu 32 Wintersportler bequem machen. Zum Vergleich: Die alte Eisgratbahn brauchte doppelt so lang und musste bei starkem Wind aus Sicherheitsgründen immer wieder mal abgeschaltet werden. Und so sieht die Neue aus:

T-10! Only 10 days left until you can take your first ride with the #3s #eisgratbahn! ⛷🚠🚡 #stubai #visittyrol #lovetyrol #skifahren #kingdomofsnow #vorfreude #seilbahn #herbstskilauf

A video posted by Stubaier Gletscher (@stubai_glacier) on

Dass Skilift-Stationen heutzutage keine Betonbunker mehr sein müssen, haben viele von uns sogar schon im Kino festgestellt. Denn die Gaislachkogelbahn im Ötztaler Skigebiet Sölden war wegen ihrer futuristischen Architektur Schauplatz des letzten James Bond Streifens mit Daniel Craig.

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Im Film eine futuristische Klinik, in Wirklichkeit die Bergstation der Gaislachkogelbahn und ein Haubenlokal: Das iceQ hoch über Sölden. (Foto: Bergbahnen Sölden, Rudi Wyhlidal)

Diesen Winter bekommt die Gaislachkogelbahn mit der neuen Giggijochbahn Konkurrenz. Die bietet nämlich barrierefreien Zustieg für Rollifahrer, in jeder der 134 Gondelkabinen gibt’s Internetzugang via WLAN, Lautsprecher und Beleuchtung. So mancher Wintersportler wird da vielleicht gar nicht mehr aussteigen wollen, weil’s so gemütlich in den Gondeln ist. Die Berg- und Talstationen würden auf jeden Fall einen guten Drehort für den nächsten Science-Fiction-Blockbuster abgeben.

Szenenwechsel in den Westen Tirols: St. Anton am Arlberg war schon immer ein großes Skigebiet. Jetzt ist es riesig. Denn gleich vier neue Bahnen gondeln direkt von der Arlberg-Passtraße hinüber in den Nobel-Skiort Lech am Arlberg und hinauf zum Freerider-Treffpunkt am Albonagrat. Das Ganze hat einen weiteren positiven Nebeneffekt, denn die neue Flexenbahn macht die Autofahrt nach Lech überflüssig und spart nebenbei 120 Skibus-Fahrten pro Tag ein.

Während wir also doppelt so schnell wie bisher dem Berg entgegen schweben, können wir im Internet surfen, instagramen, whatsappen oder facebooken, was das Zeug hält. Allerdings müssen wir uns dabei beeilen, weil die Fahrt in diesen Raumschiffen nur noch wenige Minuten dauert. Die Sitzheizung wärmt uns den Hintern, bevor wir hinaus in die Kälte stapfen und Skifahren oder Snowboarden gehen.

Erinnert ihr Euch noch an den guten alten Schlepplift? Sturzfrei in einen Schlepplift einsteigen und tatsächlich oben ankommen – das war und ist die ultimative Bestätigung, um als Skifahrer oder als Snowboarder ernst genommen zu werden. Und wie steht’s eigentlich um den berühmten Ein(s)ersessellift? Die Jüngeren unter Euch kennen ihn vermutlich gar nicht mehr. Das ist der Lift, auf dem man einzeln und nach der Reihe den Berg hinaufkriecht, ganz auf sich allein gestellt. Da würde WLAN am Lift wirklich Sinn machen. Denn hier gibt’s ja keine Sitznachbarn, die einen ablenken. Und in einer halben Stunde Fahrzeit lassen sich die E-Mails vom Tag ganz entspannt abarbeiten.

Die schlechte Nachricht für alle Nostalgiker unter uns: Solche Lifte sind heute in Tirol ernsthaft vom Aussterben bedroht. Ob ich mich auch zu den Nostalgikern zähle? Fragt mich das bitte später nochmal – nach der ersten Fahrt mit der neuen 3-S-Bahn.

Noch nicht ganz ausgestorben, selbst am Stubaier Gletscher - der gute alte Schlepplift. (Foto: Stubaier Gletscher)

Er ist noch nicht ganz ausgestorben, selbst in modernen Skigbieten wie dem Stubaier Gletscher: Der gute alte Schlepplift. (Foto: Stubaier Gletscher)

Hinter der längsten 3-S Bahn der Alpen steckt die Firma Leitner, einer der Weltmarktführer in der Seilbahnbranche. Auf Sport.Tirol könnt ihr ein Interview mit Leitner-Geschäftsführer Anton Seeber nachlesen.

Ski & Snowboard, Winter

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